Solarzaun-Pionier Next2Sun kämpft um seine Zukunft und kritisiert die EU

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Symbolbild: Evan Wise

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Der saarländische Solarspezialist Next2Sun steckt in einer finanziellen Krise. Zwei Gesellschaften des Unternehmens haben Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Während die Suche nach Investoren weitergeht, erhebt die Unternehmensführung deutliche Kritik an der europäischen Förderpolitik. Besonders die ausgebliebene Genehmigung für zusätzliche Unterstützung von Agri-Photovoltaik habe die Geschäfte belastet. Die übrigen Gesellschaften und laufenden Solarprojekte sollen möglichst weitergeführt werden.

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Next2Sun Insolvenz betrifft zwei Tochtergesellschaften

Die Next2Sun Insolvenz betrifft die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH. Für beide Gesellschaften beantragte die Unternehmensgruppe am 5. Oktober 2026 beim Amtsgericht Saarbrücken Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Next2Sun AG und die Next2Sun Projekt GmbH sind nach Unternehmensangaben nicht betroffen. Auch die Gesellschaften, die bereits fertiggestellte Solaranlagen betreiben, befinden sich nicht in Insolvenz.

Next2Sun entwickelt senkrecht installierte Solarmodule, die Sonnenlicht von beiden Seiten aufnehmen können. Die Technik wird unter anderem auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt. Zwischen den Modulreihen bleibt Platz für die Bewirtschaftung. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Solarzäune für private und gewerbliche Kunden an.

Nach eigenen Angaben hat die 2015 gegründete Unternehmensgruppe weltweit Anlagen mit einer Leistung von mehr als 65 Megawattpeak realisiert. Sie beschäftigt mehr als 140 Menschen an Standorten in Deutschland, Österreich, Polen und Japan.

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Finanzierung über fünf Millionen Euro gescheitert

Auslöser der Insolvenzanträge war eine gescheiterte Finanzierungskampagne. Next2Sun wollte über die Ausgabe neuer Aktien bis zu fünf Millionen Euro einwerben. Ende September lagen nach Unternehmensangaben zunächst Aktienzeichnungen und weitere Finanzierungsangebote über insgesamt mehr als fünf Millionen Euro vor.

Bei der anschließenden Prüfung stellte sich jedoch heraus, dass zwei größere Investmentzusagen nicht ausreichend abgesichert waren. Damit fehlte die notwendige Finanzierung für eine mittelfristig gesicherte Fortführung des Geschäftsbetriebs. Die geplante Kapitalerhöhung wurde abgesagt. Anlegergelder sollten entsprechend nicht eingezogen werden.

Bereits im September hatte Next2Sun erklärt, dass Banken und institutionelle Investoren bei der Finanzierung erneuerbarer Energien zurückhaltend seien. Gleichzeitig verwies die Unternehmensführung auf finanzielle Belastungen aus dem Geschäftsjahr 2025.

Unternehmensführung macht EU-Förderpolitik mitverantwortlich

Eine wesentliche Ursache für die Schwierigkeiten sieht Next2Sun in der ausgebliebenen Genehmigung europarechtlich relevanter Förderregelungen. Vorstand Sascha Krause-Tünker kritisierte in einem am 14. Oktober veröffentlichten Gespräch mit Focus Online insbesondere die Verzögerungen bei der Umsetzung des deutschen Solarpakets I.

Das 2024 beschlossene Gesetz sieht unter anderem besondere Förderbedingungen für Agri-Photovoltaikanlagen vor. Teile dieser Regelungen dürfen allerdings erst angewandt werden, wenn die Europäische Kommission sie beihilferechtlich genehmigt hat. Diese Zustimmung fehlte auch bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur im Sommer 2026.

Nach Darstellung von Krause-Tünker hatte die Förderunsicherheit erhebliche wirtschaftliche Folgen. Im Jahr 2025 seien nennenswerte Neuaufträge ausgeblieben und der Umsatz um etwa die Hälfte zurückgegangen. Diese Angaben beruhen auf seiner Darstellung gegenüber Focus Online.

EU-Kommission verweist auf Schutz vor Überförderung

Hinter der ausstehenden Genehmigung steht ein Konflikt über die Bedingungen staatlicher Unterstützung. Die Europäische Kommission verweist auf die Verpflichtung Deutschlands, übermäßige Gewinne aus langfristig geförderten Energieprojekten zu verhindern.

In einer schriftlichen Antwort vom 22. April 2026 erläuterte die Kommission, dass Deutschland bereits 2022 die Einführung eines entsprechenden Rückforderungsmechanismus zugesagt habe. Damit sollen zusätzliche Gewinne begrenzt werden, die durch hohe Marktpreise bei gleichzeitig staatlich abgesicherten Vergütungen entstehen können.

Die Kommission sieht darin eine Voraussetzung für die Genehmigung der deutschen Beihilferegelung. Sie verweist zugleich auf die Verantwortung der Mitgliedstaaten, die notwendigen Unterlagen und Regelungen rechtzeitig vorzulegen. Die ausstehende Förderfreigabe ist somit dokumentiert. Die Verantwortung für die gesamte Unternehmenskrise lässt sich daraus jedoch nicht allein der EU zuordnen.

Arbeitsplätze und laufende Solarprojekte sollen erhalten bleiben

Next2Sun will den Geschäftsbetrieb der betroffenen Gesellschaften zunächst fortführen. Laufende Aufträge sollen auf ihre wirtschaftliche Umsetzbarkeit geprüft und nach Möglichkeit abgeschlossen werden. Die rechtlich eigenständige Next2Sun Projekt GmbH soll ihre Projektentwicklungen fortsetzen.

Die Unternehmensführung sucht weiterhin nach Kapitalgebern. Krause-Tünker erklärte gegenüber Focus Online, künftig insbesondere einen größeren Ankerinvestor gewinnen zu wollen. Sein Ziel sei es, die Beschäftigtenzahl der Unternehmensgruppe im dreistelligen Bereich zu halten.

Wie viele Arbeitsplätze bei den beiden betroffenen Gesellschaften tatsächlich erhalten werden können, ist noch offen. Das beantragte Eigenverwaltungsverfahren soll eine Sanierung ermöglichen. Bei einer gerichtlich angeordneten Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsleitung grundsätzlich verantwortlich, wird dabei aber von einem Sachwalter überwacht.

Europas Solarindustrie steht unter wirtschaftlichem Druck

Die Krise von Next2Sun fällt in eine Phase schwierigerer Marktbedingungen für europäische Solarunternehmen. Nach Zahlen des Branchenverbands SolarPower Europe wurden 2025 in der Europäischen Union Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 65,1 Gigawatt neu installiert. Das waren 0,7 Prozent weniger als 2024 und der erste Rückgang des jährlichen Zubaus seit 2016.

Auch für 2026 sieht der Verband Herausforderungen. In seiner Marktanalyse vom September verweist SolarPower Europe insbesondere auf schwächere politische Unterstützung in wichtigen Märkten, begrenzte Netzkapazitäten und einen steigenden Bedarf an Investitionen in Stromspeicher und flexible Energiesysteme.

Für spezialisierte Anbieter wie Next2Sun kommt die Abhängigkeit von verlässlichen Förderbedingungen hinzu. Die vertikale Agri-Photovoltaik ermöglicht eine doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und verlagert bei entsprechender Ausrichtung einen größeren Teil der Stromproduktion in die Morgen- und Abendstunden. Allerdings unterscheiden sich Investitionskosten und Ertragsprofile von klassischen Solarparks.

Die wirtschaftliche Zukunft von Next2Sun hängt nun davon ab, ob ausreichend neues Kapital gewonnen und die betroffenen Gesellschaften erfolgreich saniert werden können.

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