
Der Nico Elvedi Wechsel zu Leeds United steht offenbar unmittelbar bevor. Der Schweizer Innenverteidiger fehlte am Samstag beim Testspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Aston Villa und war nach Angaben seines Trainers Eugen Polanski ausdrücklich für Gespräche mit einem anderen Verein freigestellt. Eine offizielle Transferbestätigung von Borussia oder Leeds United lag am Samstagabend allerdings noch nicht vor. Polanski stellte vor der Partie bei Sport1 klar, dass die Verhandlungen tatsächlich laufen, zugleich aber noch nichts endgültig abgeschlossen sei. Nach Informationen von Sky haben sich die beteiligten Seiten inzwischen weitgehend verständigt. Damit zeichnet sich nach elf Jahren das Ende einer außergewöhnlich langen Gladbacher Zeit für den 29-Jährigen ab.
Der bislang deutlichste offizielle Hinweis auf einen bevorstehenden Abschied kam unmittelbar vor der Saisoneröffnung der Borussia. Elvedi gehörte beim 2:1 im Test gegen Aston Villa am Samstag nicht zum Aufgebot. Trainer Eugen Polanski bestätigte bei Sport1, dass der Verteidiger freigestellt worden sei, um Gespräche mit einem Verein zu führen. Zugleich betonte der Coach, dass der Klub noch keinen abgeschlossenen Transfer vermelden könne. Damit bestätigte Borussia zwar konkrete Verhandlungen, nicht aber einen vollzogenen Wechsel zu Leeds.
Bei den finanziellen Details reicht die offizielle Bestätigung bislang ebenfalls nicht so weit. Nach Informationen von Sky haben sich Borussia Mönchengladbach und Leeds United mündlich auf eine Ablösesumme von rund zehn Millionen Euro verständigt. Zudem soll Gladbach eine Beteiligung von 15 Prozent an einem möglichen späteren Weiterverkauf erhalten. Die entsprechenden Vertragsunterlagen würden vorbereitet, ebenso der obligatorische Medizincheck. Diese Konditionen wurden von den Vereinen bis Samstagabend nicht selbst bestätigt.
Elvedi selbst soll sich bereits mit Leeds United über seine persönlichen Vertragsbedingungen verständigt haben. Sky hatte schon am Donnerstag gemeldet, dass eine mündliche Einigung über einen Vertrag bis zum Sommer 2029 bestehe. Das würde einer Laufzeit von drei Jahren entsprechen. Auch diese Vertragsdauer ist noch keine offizielle Vereinsangabe, solange Leeds die Verpflichtung nicht bekanntgegeben hat.
Eine Besonderheit der Verhandlungen betrifft offenbar den bestehenden Kader von Leeds. Nach Sky-Informationen steht der Wechsel Elvedis auch in Verbindung mit der Zukunft von Sebastiaan Bornauw. Der belgische Innenverteidiger wird mit dem Hamburger SV in Verbindung gebracht. Sollte Bornauw Leeds verlassen, würde im Abwehrzentrum ein weiterer Platz frei. Ein vollständiger Vollzug des Elvedi-Transfers war deshalb am Samstag zunächst noch nicht vermeldet worden.
Für Gladbach wäre der Abschied sportlich und symbolisch bedeutend. Elvedi kam im Sommer 2015 vom FC Zürich nach Mönchengladbach. Damals war er erst 18 Jahre alt. Seitdem entwickelte sich der Schweizer zu einem der beständigsten Spieler der Borussia und überstand zahlreiche Trainerwechsel und mehrere sportliche Umbrüche. Bis zum Ende der vergangenen Bundesliga-Saison bestritt er 364 Pflichtspiele für Gladbach. Darunter waren 318 Bundesliga-Einsätze, 24 Partien im DFB-Pokal und 21 Spiele in europäischen Wettbewerben. Insgesamt erzielte er 19 Pflichtspieltore für den Verein.
Mit seinen 318 Bundesliga-Einsätzen ist Elvedi zudem einer der erfahrensten ausländischen Spieler der Gladbacher Vereinsgeschichte. Erst wenige Tage vor den neuen Wechselentwicklungen hatte Trainer Polanski seine Bedeutung innerhalb der Mannschaft noch einmal hervorgehoben. Nach dem Abschied des bisherigen Kapitäns Rocco Reitz zu RB Leipzig bestätigte Borussia Tim Kleindienst als Kapitän und ernannte Elvedi zu dessen Stellvertreter. Auch Philipp Sander, Kevin Diks und Moritz Nicolas gehören zum Mannschaftsrat.
Die Vertragssituation erklärt, weshalb Borussia trotz Elvedis sportlicher Bedeutung zu einem Verkauf bereit ist. Der Klub hatte den ursprünglich 2024 auslaufenden Vertrag mit dem Schweizer im September 2023 bis zum 30. Juni 2027 verlängert. Damit geht Elvedi nun in das letzte Jahr seines Arbeitspapiers. Ohne erneute Verlängerung könnte er Mönchengladbach im Sommer 2027 ablösefrei verlassen.
Sportchef Rouven Schröder hatte noch Anfang August betont, dass Elvedi nach seiner Rückkehr von der Weltmeisterschaft sofort wieder seinen Rhythmus gefunden habe und eine wichtige Rolle spiele. Polanski setzte ebenfalls auf den erfahrenen Verteidiger. Die Beförderung zum Vizekapitän unterstrich diese Position. Gleichzeitig muss der Verein wirtschaftlich berücksichtigen, dass bei einem auslaufenden Vertrag nur noch in diesem Sommer eine größere Ablöse erzielt werden kann. Die nun genannten zehn Millionen Euro würden deshalb einen erheblichen Transfererlös darstellen.
Ein Abschied von Elvedi würde allerdings eine Lücke hinterlassen. Mit Kevin Diks verfügt Gladbach weiterhin über einen erfahrenen Innenverteidiger. Hinzu kommt der erst 19 Jahre alte Jan Leszczynski, den Borussia in diesem Sommer von Legia Warschau verpflichtet hat. Der polnische Nachwuchsnationalspieler unterschrieb einen Vertrag bis 2030 und gilt als langfristige Investition, besitzt jedoch noch keine Bundesliga-Erfahrung.
Deshalb dürfte ein weiterer Innenverteidiger zum Thema werden, sollte Elvedi tatsächlich nach England wechseln. Als Kandidat wurde zuletzt unter anderem der Schweizer Karim Sow von Lausanne Sport genannt. Eine Verpflichtung Sows war am Samstag jedoch weder von Borussia noch von seinem bisherigen Klub bestätigt. Entsprechend wäre es verfrüht, ihn bereits als feststehenden Nachfolger einzuordnen. Zum vorhandenen Personal zählen außerdem Fabio Chiarodia und der defensiv vielseitig einsetzbare Philipp Sander.
Der mögliche Verkauf Elvedis wäre nur ein weiterer Teil eines umfangreichen Kaderumbaus. Borussia hat für die Saison 2026/27 unter anderem Torhüter Daniel Batz vom FSV Mainz 05, Linksverteidiger David Herold vom Karlsruher SC, Enzo Leopold von Hannover 96, Stürmer Isac Lidberg vom SV Darmstadt 98, Rechtsverteidiger Yukhym Konoplia von Schachtar Donezk und Innenverteidiger Jan Leszczynski verpflichtet. Hinzu kamen Zento Uno sowie Daiki Hashioka auf Leihbasis.
Auch auf der Abgangsseite gab es erhebliche Bewegung. Besonders schwer wiegt der Wechsel von Rocco Reitz zu RB Leipzig. Der frühere Kapitän hatte sich aus der Gladbacher Jugend bis zum Führungsspieler entwickelt. Marvin Friedrich kehrte zu Union Berlin zurück, Jonas Omlin wechselte zum FC Basel, Grant-Leon Ranos schloss sich CD Teneriffa an. Giovanni Reyna ging Anfang August zu Racing Straßburg. Auch Noah Pesch und Niklas Swider verließen den Klub beziehungsweise wurden verliehen.
Für Leeds United passt Elvedi in ein anderes Anforderungsprofil. Der Premier-League-Klub wird weiterhin vom früheren Gladbacher Trainer Daniel Farke betreut. Farke kennt Elvedi aus der Saison 2022/23, als er Borussia Mönchengladbach trainierte und regelmäßig auf den Schweizer setzte. Eine lange Eingewöhnung an die Vorstellungen des Trainers wäre deshalb zumindest auf persönlicher und taktischer Ebene weniger wahrscheinlich als bei einem völlig unbekannten Spieler.
Zugleich verändert sich die Innenverteidigung von Leeds. Sebastiaan Bornauw könnte den Klub verlassen. Leeds sucht deshalb zusätzliche Erfahrung für die Abwehr. Elvedi bringt neben mehr als 300 Bundesligapartien auch Champions-League-Erfahrung und zahlreiche Länderspiele für die Schweiz mit. Er gehörte bei der Weltmeisterschaft 2026 zum Schweizer Kader und kommt inzwischen auf mehr als 70 A-Länderspiele. Für Leeds wäre er deshalb keine klassische Entwicklungsverpflichtung, sondern ein Spieler, der unmittelbar eine Rolle im Premier-League-Kader übernehmen könnte.
Der Umbau bei Borussia hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Der Klub beendete das Geschäftsjahr 2025 nach eigenen Angaben erneut mit einem Verlust. Der Umsatz stieg zwar auf rund 189,3 Millionen Euro, unter dem Strich stand nach Steuern aber ein Minus von knapp vier Millionen Euro. Das Eigenkapital lag Ende 2025 bei rund 44,9 Millionen Euro. Gleichzeitig erhielt Borussia die Lizenz für die Saison 2026/27 ohne Bedingungen oder Auflagen.
Sportlich versucht der Verein nach einer schwierigen Saison 2025/26 einen Neustart. Gladbach hatte die vergangene Bundesliga-Spielzeit mit 38 Punkten auf Rang zwölf abgeschlossen. Sportchef Schröder hat den Kader deshalb auf zahlreichen Positionen verändert und zugleich Transfererlöse erzielt. Besonders der Verkauf von Reitz verschaffte Spielraum für neue Verpflichtungen. Ein Transfer Elvedis würde weitere Einnahmen bringen, gleichzeitig aber einen der erfahrensten und am längsten im Verein befindlichen Spieler aus der Defensive entfernen.
Damit steht Borussia bei Elvedi vor einer klassischen Abwägung zwischen sportlicher Kontinuität und wirtschaftlicher Vernunft. Für einen Spieler mit nur noch einem Vertragsjahr wären rund zehn Millionen Euro ein relevanter Erlös. Auf dem Platz müsste Gladbach dagegen nicht nur einen Stammverteidiger ersetzen, sondern auch einen Führungsspieler und den gerade erst ernannten Vizekapitän. Am Samstag war lediglich sicher, dass Elvedi konkrete Wechselgespräche führen darf. Die offizielle Vollzugsmeldung von Borussia Mönchengladbach oder Leeds United stand noch aus.
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