
An den asiatischen Aktienmärkten haben sich die Kursverluste am Donnerstag, 15. Oktober 2026, deutlich ausgeweitet. Besonders stark trifft es Technologieunternehmen und Halbleiterhersteller. Japans Leitindex Nikkei 225 verlor nach am Donnerstagmorgen gegen 6.30 Uhr MESZ abgerufenen Reuters-Kursdaten rund 4,8 Prozent. Der südkoreanische Kospi gab sogar um etwa acht Prozent nach. Auslöser der Verkaufswelle sind unter anderem überraschend hohe Inflationszahlen aus den USA, Sorgen über die Finanzierung großer KI-Projekte und Zweifel an den Bewertungen zahlreicher Technologieaktien. Auch für den deutschen Aktienmarkt zeichnet sich ein schwächerer Handelsbeginn ab.
Der Kurseinbruch an den Börsen in Asien erfasst vor allem Unternehmen, die vom weltweiten Ausbau künstlicher Intelligenz profitieren. Besonders deutlich zeigen sich die Verluste in Südkorea, wo die Aktien großer Speicherchiphersteller erheblich unter Druck stehen.
Nach Reuters-Kursdaten vom Donnerstagmorgen verlor Samsung Electronics rund 9,3 Prozent. Die Aktie des Speicherchipkonzerns SK Hynix gab um mehr als elf Prozent nach. Beide Unternehmen zählen zu den wichtigen Lieferanten von Halbleitern für die weltweite Technologieindustrie.
Auch in Japan wurden zahlreiche Technologieaktien verkauft. Der an großen KI-Investitionen beteiligte Konzern Softbank verlor rund 9,4 Prozent. Die Aktien des Speicherchipherstellers Kioxia büßten ebenfalls mehr als elf Prozent ein.
Die Verluste beschränkten sich nicht auf Japan und Südkorea. Auch an den Aktienmärkten in Taiwan, Hongkong und China überwogen am Donnerstag die negativen Vorzeichen. Damit setzte sich eine Verkaufsbewegung fort, die bereits zuvor amerikanische Technologieaktien erfasst hatte.
Ein wesentlicher Auslöser der aktuellen Kursverluste sind neue Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten. Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte am Mittwoch Zahlen, nach denen die Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,7 Prozent gestiegen sind. Im August hatte die jährliche Inflationsrate noch bei 3,4 Prozent gelegen.
Allein gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Einen erheblichen Anteil daran hatten gestiegene Energiepreise. Benzin verteuerte sich im September um 9,1 Prozent.
Die Zahlen lagen über den Erwartungen vieler Ökonomen und verstärkten Befürchtungen, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve die Zinsen weiter anheben könnte.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite und können gleichzeitig die Attraktivität festverzinslicher Anlagen erhöhen. Besonders empfindlich reagieren häufig Unternehmen, deren Börsenbewertung stark von hohen Gewinnen in der Zukunft abhängt.
Bereits am Mittwoch gerieten deshalb die amerikanischen Aktienmärkte unter Druck. Der technologielastige Nasdaq Composite schloss nach den von Associated Press veröffentlichten Schlusskursdaten vom 14. Oktober bei 26.692,87 Punkten und damit rund 1,9 Prozent niedriger. Der marktbreite S&P 500 verlor 1,1 Prozent auf 7.718,94 Punkte.
Neben der Inflation rückt die Finanzierung des weltweiten Ausbaus künstlicher Intelligenz stärker in den Mittelpunkt. Technologieunternehmen investieren Milliardenbeträge in Rechenzentren, leistungsfähige Prozessoren und die dafür notwendige Energieversorgung.
Ein Teil dieser Investitionen wird über Kredite und Unternehmensanleihen finanziert. Steigen die Zinsen, können sich die Finanzierungskosten erhöhen. Gleichzeitig wächst der Druck, mit den Investitionen ausreichend hohe Erträge zu erwirtschaften.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung beim amerikanischen Rechenzentrumsunternehmen CoreWeave. Nach von Reuters am 14. Oktober veröffentlichten Daten des Finanzdienstleisters LSEG hat das Unternehmen Anleihen im Volumen von rund 22 Milliarden Dollar begeben und Kredite über weitere 26 Milliarden Dollar aufgenommen.
Eine im Juni ausgegebene CoreWeave-Anleihe, deren Rendite bei der Ausgabe bei 9,625 Prozent lag, rentierte zuletzt mit rund 15 Prozent. Steigende Anleiherenditen bei fallenden Kursen signalisieren, dass Investoren für das eingegangene Risiko einen höheren Ertrag verlangen.
Ein tatsächlicher Zahlungsausfall ist damit jedoch nicht belegt. Auch lässt sich aus den Kursverlusten allein nicht ableiten, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung grundsätzlich eingebrochen ist.
Die Entwicklung zeigt vielmehr, dass Anleger zunehmend zwischen profitablen Technologieunternehmen und stark fremdfinanzierten Geschäftsmodellen unterscheiden.
Die Kursverluste in Asien wirken sich auch auf die Erwartungen für den deutschen Aktienmarkt aus. Der DAX-Future für Dezember 2026 notierte nach Kursdaten von Investing.com am Donnerstag um 6.24 Uhr MESZ bei rund 25.327 Punkten. Das entsprach einem Rückgang von etwa 0,5 Prozent gegenüber dem vorherigen Abrechnungsstand.
Der deutsche Leitindex selbst hatte den Mittwoch nach den von dpa-infocom veröffentlichten Xetra-Schlussdaten mit einem Plus von 0,15 Prozent bei 25.298,61 Punkten beendet.
Der reguläre Xetra-Haupthandel beginnt um 9 Uhr. Die vorbörslichen Terminmarktpreise zeigen zwar die Erwartungen der Marktteilnehmer, nehmen den tatsächlichen Eröffnungskurs des DAX jedoch nicht vorweg.
Besonders aufmerksam dürften Anleger am Donnerstag auf deutsche Unternehmen aus der Halbleiterindustrie und andere international stark vernetzte Technologiekonzerne blicken. Auch Industrieunternehmen könnten von einer anhaltenden Schwäche ihrer asiatischen Absatzmärkte betroffen sein.
Ein schwacher Handelsstart bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass sich die Verluste über den gesamten Börsentag fortsetzen. Neue Unternehmenszahlen, Konjunkturdaten und Veränderungen an den amerikanischen Terminmärkten können die Entwicklung beeinflussen.
Für Anleger in Deutschland sind die Ereignisse vor allem deshalb relevant, weil zahlreiche internationale Aktienfonds und ETFs große Positionen in Technologieunternehmen halten.
Wer beispielsweise breit gestreute Weltaktienfonds besitzt, ist häufig auch an amerikanischen und asiatischen Halbleiterherstellern beteiligt. Kursverluste solcher Unternehmen können sich deshalb auf den Wert entsprechender Fonds auswirken.
Wie stark einzelne Depots betroffen sind, hängt von der jeweiligen Zusammensetzung und der Gewichtung der Technologiebranche ab. Ein kurzfristiger Rückgang einzelner Börsenindizes lässt sich zudem nicht automatisch auf sämtliche Aktien oder Fonds übertragen.
Neben der Entwicklung an den Aktienmärkten bleiben die Anleiherenditen ein wichtiger Indikator. Sinkende Anleihekurse und steigende Renditen können die Finanzierungsmöglichkeiten besonders kapitalintensiver Unternehmen belasten.
Am Donnerstag richten sich die Blicke außerdem auf weitere amerikanische Konjunkturdaten, Äußerungen von Vertretern der Federal Reserve und die anstehenden Quartalszahlen des taiwanischen Chipkonzerns TSMC. Diese Entwicklungen könnten neue Hinweise auf die wirtschaftlichen Perspektiven der Technologiebranche liefern.
Die entscheidende Frage für die kommenden Handelstage ist, ob die jüngsten Verluste vor allem eine Anpassung zuvor hoher Aktienbewertungen darstellen oder ob sich die Finanzierungsschwierigkeiten einzelner KI-Unternehmen weiter verschärfen.
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