
Der Novo Nordisk Kapitalmarkttag 2026 hat den Anlegern eine neue langfristige Strategie gebracht, die unmittelbare Reaktion an der Börse fiel jedoch negativ aus. Der dänische Pharmakonzern kündigte am Montag in London an, bis 2030 mehr als fünf Medikamente mit einem Umsatzpotenzial im Multi-Milliardenbereich auf den Markt bringen zu wollen. Gleichzeitig soll die aktuelle Entwicklungspipeline nach Unternehmensplanung im Jahr 2035 einen risikobereinigten Umsatz von mehr als 150 Milliarden dänischen Kronen erreichen. Die Aktie geriet während der Präsentationen deutlich unter Druck.
Novo Nordisk hat seine neuen strategischen Ambitionen ausdrücklich nicht als klassische Finanzprognose bezeichnet. Die Zielsetzungen basieren nach Angaben des Unternehmens auf dem Jahr 2026 und seien mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Von 2026 bis 2030 will Novo Nordisk beim Umsatz im Durchschnitt ungefähr so schnell wachsen wie eine von dem Unternehmen definierte Gruppe großer internationaler Pharmakonzerne. Dazu gehören unter anderem Eli Lilly, AstraZeneca, Johnson & Johnson, AbbVie, Novartis, Roche und Pfizer.
Die operative Marge soll nach Unternehmensplanung über diesen Zeitraum weitgehend stabil bleiben. Zugleich will Novo Nordisk weiterhin eine nach eigener Formulierung attraktive Dividende je Aktie zahlen.
Ein zentrales Ziel betrifft die Forschungspipeline. Bis 2030 will das Unternehmen mehr als fünf sogenannte Multi-Blockbuster auf den Markt bringen. Damit meint Novo Arzneimittel, denen der Konzern ein Umsatzpotenzial von mehreren Milliarden zugesteht. Welche einzelnen Präparate dieses Ziel tatsächlich erreichen werden, ist damit nicht vorhergesagt.
Für das Jahr 2035 nennt der Konzern außerdem einen risikobereinigten Umsatz von mehr als 150 Milliarden dänischen Kronen aus Produkten der derzeitigen Pipeline. Diese Zahl ist ein Unternehmensziel und keine Umsatzprognose im engeren Sinn.
Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen nach den Plänen mindestens fünf Phase-3-Programme im Bereich Adipositas und Diabetes gestartet oder abgeschlossen werden. Weitere mindestens fünf Phase-3-Programme sind für andere Therapiegebiete vorgesehen.
Beim wichtigen Geschäft mit Adipositasmedikamenten skizzierte das Management zudem einen Zeitplan für die nächste Produktgeneration. Nach Angaben von CEO Mike Doustdar soll zunächst die Kombination CagriSema folgen. Für Anfang 2027 wird eine Markteinführung angestrebt. Für 2028 plant das Unternehmen weitere Schritte mit Cagrilintid als Einzelwirkstoff sowie einer höher dosierten Variante von CagriSema. Danach soll unter anderem Zenagamtide eine größere Rolle spielen. Die genannten Termine und Absatzchancen sind Unternehmensplanungen und hängen unter anderem von Studienergebnissen und regulatorischen Entscheidungen ab.
Novo Nordisk arbeitet zugleich daran, seine Palette oral einzunehmender Präparate auszubauen. Nach Angaben des Managements sollen noch vor Jahresende mindestens fünf orale Wirkstoffkandidaten in klinischen Studien sein. Der Konzern sieht Tabletten als einen wichtigen Bestandteil des künftigen Marktes für Adipositasbehandlungen.
Bis 2030 will Novo Nordisk nach eigenen Angaben weltweit mehr als 60 Millionen Patienten mit seinen Medikamenten erreichen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag die Zahl der mit Diabetes- und Adipositasprodukten des Unternehmens erreichten Patienten bei etwa 46,5 Millionen.
Besonders stark sollen die Produktionsmöglichkeiten für orale GLP-1-Medikamente ausgebaut werden. Novo Nordisk will seine Kapazität nach eigenen Angaben so skalieren, dass zehnmal mehr Menschen mit Adipositas mit solchen Präparaten versorgt werden könnten. CEO Doustdar konkretisierte das Ziel auf eine Kapazität für rund 15 Millionen Patienten mit oralen Adipositastherapien bis zum Ende des Jahrzehnts.
Damit versucht das Unternehmen, seine Position in einem zunehmend umkämpften Markt zu sichern. Vor allem der US-Konzern Eli Lilly hat mit seinen Diabetes- und Adipositasmedikamenten den Wettbewerbsdruck erhöht. Gleichzeitig rückt für Novo Nordisk die Frage in den Mittelpunkt, wie das Unternehmen seine starke Abhängigkeit von Semaglutid verringern kann. Der Wirkstoff bildet die Grundlage wichtiger Produkte wie Wegovy und Ozempic. In mehreren Märkten läuft der Patentschutz in den kommenden Jahren aus, während in den USA und Europa relevante Schutzrechte erst Anfang der 2030er-Jahre enden sollen.
Die neuen langfristigen Ziele konnten die Anleger zunächst nicht überzeugen. Die Novo-Nordisk-Aktie verlor am Montag zeitweise bis zu neun Prozent. Reuters berichtete, dass Analysten insbesondere Fragen zur künftigen Preissetzungsmacht des Konzerns und zu seiner Strategie bei Übernahmen aufwarfen. Dabei handelt es sich um Analysteneinschätzungen und nicht um Aussagen des Unternehmens.
Gegen 10.20 Uhr lag die Aktie an der Börse in Kopenhagen laut MarketScreener bei 263,88 dänischen Kronen und damit 6,85 Prozent im Minus. Im weiteren Vormittag blieb das Papier deutlich unter dem Schlusskurs vom Freitag.
Die Reaktion zeigt vor allem, dass die neu formulierten langfristigen Ziele hohe Erwartungen an die künftige Medikamentenpipeline nicht unmittelbar ausräumen konnten. Novo Nordisk will seine Abhängigkeit von bestehenden Semaglutid-Produkten reduzieren, mehrere neue große Umsatzträger entwickeln und zugleich seine Produktionskapazitäten erheblich erweitern. Ob die angekündigten Präparate tatsächlich Multi-Milliarden-Umsätze erreichen, hängt jedoch von klinischer Entwicklung, Zulassungen, Preisgestaltung und dem Wettbewerb insbesondere mit Eli Lilly ab.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu