
Nvidia steht offenbar vor einer der größten Übernahmen seiner Unternehmensgeschichte. Der US-Chipkonzern soll sich mit Hugging Face auf einen Kaufpreis von 12,9 Milliarden Dollar verständigt haben. Die Plattform gehört zu den wichtigsten Anlaufstellen für Entwickler, die mit frei verfügbaren und offenen KI-Modellen arbeiten. Eine offizielle Bestätigung der Transaktion durch Nvidia oder Hugging Face lag zunächst allerdings nicht vor.
Die Berichte über den möglichen Kauf fallen unmittelbar mit neuen Rekordzahlen von Nvidia zusammen. Der Konzern profitiert weiterhin massiv vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und verfügt damit über erhebliche finanzielle Mittel für weitere Investitionen im KI-Markt.
Für die mögliche Nvidia Übernahme von Hugging Face wird ein Kaufpreis von 12,9 Milliarden Dollar genannt. Nach Angaben von Reuters wurde eine entsprechende Einigung unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person gemeldet. Andere Darstellungen waren zuletzt vorsichtiger und beschrieben noch laufende Gespräche, die nicht zwingend zu einem Abschluss führen müssten.
Unklar blieb deshalb zunächst, ob bereits ein verbindlicher Kaufvertrag unterschrieben wurde. Nvidia und Hugging Face hatten die Transaktion zunächst nicht öffentlich angekündigt.
Schon die genannte Größenordnung macht den Vorgang bemerkenswert. Hugging Face wurde bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2023 noch mit 4,5 Milliarden Dollar bewertet. Damals sammelte das Unternehmen 235 Millionen Dollar ein. Zu den Geldgebern gehörten unter anderem Nvidia, Salesforce und Google.
Ein Kaufpreis von 12,9 Milliarden Dollar würde die damalige Bewertung damit innerhalb von drei Jahren nahezu verdreifachen.
Hugging Face wurde 2016 gegründet und hat sich zu einem wichtigen Teil der internationalen KI-Infrastruktur entwickelt. Auf der Plattform veröffentlichen Entwickler, Forschungseinrichtungen und Unternehmen Modelle, Datensätze und Softwarebibliotheken.
Besondere Bedeutung hat Hugging Face für sogenannte Open-Source- und Open-Weight-Modelle. Entwickler können dort beispielsweise Sprachmodelle suchen, herunterladen, testen und für eigene Anwendungen anpassen.
Damit unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Unternehmen, die ihre leistungsfähigsten KI-Systeme überwiegend über geschlossene Plattformen anbieten. Für Nvidia wäre Hugging Face deshalb nicht nur ein weiteres Softwareunternehmen. Der Konzern könnte direkten Zugang zu einer großen Entwicklergemeinschaft und zu einem wichtigen Verteilungsweg für KI-Modelle erhalten.
Nvidia und Hugging Face arbeiten bereits seit Jahren zusammen. 2023 kündigten beide Unternehmen unter anderem eine Integration von Nvidias DGX-Cloud-Infrastruktur in die Hugging-Face-Plattform an.
Nvidia ist vor allem als Hersteller leistungsfähiger Grafikprozessoren bekannt. Diese GPUs bilden inzwischen die technische Grundlage vieler Rechenzentren, in denen KI-Modelle trainiert und betrieben werden.
Der Konzern versucht jedoch zunehmend, nicht nur einzelne Chips zu verkaufen. Zum Angebot gehören komplette Rechnersysteme, Netzwerkkomponenten, Softwarebibliotheken und Cloud-Dienste.
Eine vollständige Übernahme von Hugging Face würde diese Strategie deutlich erweitern. Nvidia wäre dann nicht nur Anbieter der Hardware, auf der viele KI-Systeme laufen, sondern zugleich Eigentümer einer der wichtigsten Plattformen, über die Entwickler Modelle und Datensätze beziehen.
Das könnte auch deshalb relevant werden, weil große Technologiekonzerne zunehmend eigene KI-Chips entwickeln. Google, Amazon und andere Anbieter wollen ihre Abhängigkeit von Nvidia-Hardware zumindest teilweise reduzieren.
Finanziell könnte Nvidia einen Kauf dieser Größenordnung problemlos stemmen. Das Unternehmen meldete für das Ende Juli abgeschlossene zweite Quartal seines Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar. Das waren 106 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Allein das Rechenzentrumsgeschäft erreichte 89 Milliarden Dollar Umsatz und wuchs damit binnen eines Jahres um 117 Prozent.
Der Nettogewinn nach US-Rechnungslegungsstandards lag bei knapp 59,7 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellte Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht.
Damit wächst das Unternehmen weiterhin in einem Tempo, das selbst für den derzeitigen KI-Boom außergewöhnlich ist. Entscheidend bleibt die Nachfrage großer Cloudanbieter, KI-Unternehmen und Rechenzentrumsbetreiber nach leistungsfähigen Beschleunigern und kompletten KI-Systemen.
Die genannte Kaufsumme von 12,9 Milliarden Dollar fällt besonders im Vergleich zur letzten öffentlich bekannten Unternehmensbewertung von Hugging Face auf. Bei der Finanzierungsrunde 2023 lag sie bei 4,5 Milliarden Dollar.
Reuters berichtete zudem bereits Anfang 2026 unter Berufung auf frühere Veröffentlichungen, Hugging Face habe im vergangenen Jahr ein weiteres Investmentangebot von Nvidia abgelehnt. Dabei soll das Unternehmen mit sieben Milliarden Dollar bewertet worden sein.
Sollte der nun genannte Kaufpreis bestätigt werden, hätte sich die Bewertung innerhalb kurzer Zeit noch einmal erheblich erhöht.
Für Nvidia wäre die Übernahme dennoch klein im Verhältnis zu den aktuellen Geschäftszahlen. Der genannte Kaufpreis entspricht nur einem Bruchteil des Umsatzes, den der Konzern inzwischen innerhalb eines einzigen Quartals erzielt.
Der entscheidende Punkt blieb am Donnerstag zunächst offen. Zwar gibt es Berichte über eine Einigung auf 12,9 Milliarden Dollar, eine gemeinsame Mitteilung der beiden Unternehmen lag jedoch zunächst nicht vor.
Damit ist auch noch nicht gesichert, wann eine Transaktion abgeschlossen werden könnte und welche regulatorischen Prüfungen erforderlich wären. Eine Übernahme dieser Größenordnung und mit dieser Bedeutung für den KI-Markt dürfte von Wettbewerbsbehörden aufmerksam betrachtet werden.
Bestätigt ist dagegen, dass Nvidia und Hugging Face bereits eng miteinander verbunden sind und Nvidia zu den Investoren des Unternehmens zählt.
Sollte der Kauf tatsächlich vollzogen werden, würde Nvidia seine Rolle im KI-Markt deutlich über das Geschäft mit Prozessoren hinaus ausbauen. Der Konzern hätte dann direkten Zugriff auf eine Plattform, die für einen großen Teil der internationalen Entwicklergemeinschaft zu einem zentralen Werkzeug für KI-Modelle geworden ist.
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