O2 trennt sich von zwei Callcentern: Rund 430 Beschäftigte vor Arbeitgeberwechsel

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Telefónica Deutschland verkauft seine Callcenter in Rostock und Bremen an den französischen Dienstleister TP. Die Unternehmen haben am Freitag, 30. Oktober 2026, einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Insgesamt sind rund 430 Beschäftigte von dem geplanten Eigentümerwechsel betroffen. Die Übernahme soll zum 1. Januar 2027 erfolgen. Voraussetzung ist die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden.

Anzeige

Callcenter in Rostock und Bremen gehen an TP

Der Käufer TP ist international im Bereich digitaler Unternehmensdienstleistungen tätig und war bis 2025 unter dem Namen Teleperformance bekannt. Das Unternehmen arbeitet bereits seit längerer Zeit mit Telefónica zusammen und soll die beiden bisherigen O2-Standorte in sein eigenes Servicenetzwerk aufnehmen.

In Rostock arbeiten nach bisherigen Angaben rund 240 Menschen, in Bremen etwa 180. Mit dem Verkauf reduziert Telefónica Deutschland die Zahl seiner eigenen Kundenservicezentren von fünf auf drei. Die Standorte in Hamburg, Potsdam und Nürnberg bleiben beim Telekommunikationsunternehmen.

Über den Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Bis zur kartellrechtlichen Freigabe bleiben beide Standorte unter der Verantwortung von Telefónica Deutschland.

Anzeige

Was der Verkauf für die Beschäftigten bedeutet

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll der Verkauf zunächst einen Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber bedeuten. TP plant, die bisherigen Serviceteams in seine Organisation einzugliedern. Nach Angaben des Unternehmens sollen die beiden Standorte auch künftig Kundenserviceleistungen für Telefónica Deutschland erbringen.

Damit würde O2 weiterhin auf die Arbeit der Beschäftigten zurückgreifen, allerdings über einen externen Dienstleister statt über eigene Servicegesellschaften.

TP möchte die übernommenen Standorte außerdem in sein internationales Netzwerk integrieren und deren Geschäftsmöglichkeiten erweitern.

Offen blieb zunächst, welche längerfristigen Beschäftigungszusagen mit dem Eigentümerwechsel verbunden sind. Konkrete Angaben zu möglichen Veränderungen bei Arbeitsbedingungen oder Personalstrukturen wurden im Zusammenhang mit der Verkaufsvereinbarung nicht veröffentlicht. Eine unmittelbare Streichung sämtlicher 430 Arbeitsplätze ist nicht angekündigt.

Künstliche Intelligenz verändert den O2-Kundenservice

Der Verkauf ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung von Telefónica Deutschland. Das Unternehmen verweist dabei ausdrücklich auf veränderte Kundenbedürfnisse, den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz und die stärkere Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern.

Schon heute kommen im Kundenservice automatisierte Anwendungen zum Einsatz. Dazu gehört die KI-Anwendung Aura, die telefonische Anliegen vorsortieren und Anfragen bei Bedarf an menschliche Beschäftigte weiterleiten kann.

Zugleich nutzen Kunden nach Darstellung von Telefónica zunehmend digitale Möglichkeiten, um ihre Anliegen selbst zu erledigen. Dazu zählen beispielsweise Online-Serviceangebote, die bestimmte Anfragen ohne direkten Kontakt zu einem Mitarbeiter bearbeiten.

Telefónica möchte künftig stärker zwischen automatisierten Dienstleistungen, eigenen Serviceteams und externen Partnern aufteilen. Die verbleibenden eigenen Callcenter sollen weiterhin spezialisierte Aufgaben übernehmen und auf Schwankungen beim Anfrageaufkommen reagieren können.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz ist damit ein Bestandteil des Konzernumbaus, aber nicht der einzige angeführte Grund für den Verkauf.

Telefónica plant Abbau von bis zu 1.100 Vollzeitstellen

Die Veräußerung der beiden Callcenter steht im Zusammenhang mit einem größeren Spar- und Transformationsprogramm. Bereits im Juli 2026 hatte Telefónica Deutschland angekündigt, seine Belegschaft bis zum Jahresende um bis zu 1.100 Vollzeitstellen zu reduzieren.

Ein erheblicher Teil dieses Personalabbaus soll über ein mit Arbeitnehmervertretungen vereinbartes Freiwilligenprogramm erfolgen. Darüber hinaus plant das Unternehmen, eigene O2-Geschäfte zu schließen und seine internen Strukturen bis 2028 weiter zu vereinfachen.

Als wirtschaftlichen Hintergrund nennt Telefónica den intensiven Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt, veränderte Kundenanforderungen und technische Entwicklungen. Das Unternehmen will seine Abläufe effizienter organisieren und den Einsatz künstlicher Intelligenz ausweiten.

Für das gesamte Transformationsprogramm stellte Telefónica im Juli ab 2028 jährliche Einsparungen von rund 185 Millionen Euro in Aussicht. Welchen konkreten Beitrag der Verkauf der beiden Callcenter dazu leisten soll, wurde nicht beziffert.

O2 bleibt auch nach dem Verkauf Auftraggeber

Mit der Übernahme durch TP verändert sich vor allem die Organisation des Kundenservice. Der französische Dienstleister soll weiterhin Aufträge von Telefónica Deutschland an den beiden Standorten bearbeiten.

Der Vorgang steht zugleich für eine Entwicklung im internationalen Dienstleistungsmarkt: Große Unternehmen vergeben Kundenbetreuung zunehmend an spezialisierte Anbieter, während digitale Systeme standardisierte Aufgaben übernehmen.

Für Telefónica bedeutet dies eine stärkere Konzentration auf eigene Serviceeinheiten und externe Partner. Für die rund 430 Beschäftigten in Bremen und Rostock steht zunächst der geplante Arbeitgeberwechsel zum Jahresbeginn 2027 im Mittelpunkt. Ob dieser wie vorgesehen zustande kommt, hängt noch von der kartellrechtlichen Freigabe ab.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu