Neue Angriffe im Persischen Golf: Ölpreis fällt trotz wachsender Risiken

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Neue Angriffe auf Handelsschiffe, militärische Drohungen und diplomatische Bemühungen prägen die Lage im Persischen Golf. Dennoch hat der internationale Ölmarkt eine Woche mit deutlichen Preisverlusten beendet. Am Freitag, 6. November 2026, erholten sich die Rohölpreise zwar geringfügig, blieben aber weit unter dem Niveau der Vorwoche. In Deutschland sind zuletzt auch Benzin und Diesel günstiger geworden. Gleichzeitig bleibt die Energieversorgung ein wichtiger Unsicherheitsfaktor für die Inflation.

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Ölpreis steigt am Freitag leicht, verliert aber deutlich im Wochenvergleich

Die Nordseesorte Brent beendete den Handel am Freitag bei 98,32 US-Dollar je Barrel. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters entsprach dies einem Anstieg um drei US-Cent beziehungsweise 0,03 Prozent gegenüber dem Vortag. Die amerikanische Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 0,34 Prozent auf 90,83 US-Dollar je Barrel.

Der geringe Tagesanstieg verdeckt allerdings die erheblichen Verluste der vergangenen Handelstage. Am Freitag der Vorwoche hatte der Brent-Terminpreis noch bei 117,64 US-Dollar gelegen. Daraus ergibt sich ein Rückgang um rund 16 Prozent innerhalb einer Woche. Damit ist die Aussage, der Ölpreis steige infolge der jüngsten Spannungen, nur für einzelne Handelstage zutreffend.

Hinter den starken Preisschwankungen stehen unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits wächst angesichts weiterer Angriffe auf Schiffe die Sorge vor neuen Lieferunterbrechungen. Andererseits haben diplomatische Kontakte zwischen Washington und Teheran Hoffnungen auf eine Entspannung geweckt. Hinzu kommen Hinweise auf ein größeres Rohölangebot und eine schwächere Nachfrage.

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Angriffe auf Tanker verschärfen die Sicherheitslage

Die Gefahren für die internationale Schifffahrt sind weiterhin erheblich. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO bestätigte am 6. November den Tod eines weiteren Seefahrers nach einem Angriff auf den Tanker VELOS SAPPHIRE. Nach Angaben der Organisation sind seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten insgesamt 25 Seeleute bei entsprechenden Zwischenfällen ums Leben gekommen.

Auch die britische maritime Sicherheitsstelle UKMTO registrierte weitere Vorfälle. Am 6. November meldete sie eine Explosion an der Backbordseite eines Tankers, der die Straße von Hormus in Richtung offenes Meer passierte. Der Vorfall ereignete sich rund 16 Seemeilen östlich von Khasab im Oman. Die Besatzung blieb nach den gemeldeten Informationen unverletzt. Das Schiff konnte seine Fahrt aus eigener Kraft fortsetzen.

Bei einem weiteren gemeldeten Zwischenfall nördlich von Katar wurde ein Tanker von zwei zunächst nicht identifizierten Geschossen getroffen. Die zuständigen Stellen untersuchten die Ereignisse. Wer für die jeweiligen Angriffe verantwortlich war, ließ sich aus den Sicherheitsmeldungen nicht eindeutig ableiten.

Die Angriffe haben unmittelbare Bedeutung für die Versorgungssicherheit. Beschädigte Schiffe, notwendige Ausweichrouten und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen können den Transport von Rohöl und Ölprodukten beeinträchtigen. Wie stark sich solche Faktoren auf die internationalen Preise auswirken, hängt auch vom Umfang möglicher Lieferausfälle ab.

USA und Iran stehen weiter zwischen Drohungen und Verhandlungen

Die jüngsten Entwicklungen fallen in eine Phase anhaltender Spannungen zwischen den USA und Iran. US-Präsident Donald Trump stellte am Donnerstag weitere militärische Maßnahmen gegen Iran in Aussicht, ohne eine endgültige Entscheidung bekanntzugeben. Gleichzeitig laufen diplomatische Bemühungen um eine Vereinbarung.

Katar nimmt dabei eine Vermittlerrolle ein. Das Außenministerium des Golfstaates hatte bereits am 3. November erklärt, dass zwischen Washington und Teheran weiterhin Vorschläge ausgetauscht würden. Am Samstag, 7. November, bekräftigte Katar, dass die Bemühungen um eine Einigung fortgesetzt würden.

Zusätzlich meldeten iranische Nachrichtenagenturen am Samstag den mutmaßlichen Einschlag zweier Geschosse auf der iranischen Insel Qeschm. Offiziell bestätigte Angaben zu möglichen Schäden lagen zunächst nicht vor. Auch die Herkunft der Geschosse war nicht gesichert.

Für die Energiemärkte ergibt sich daraus eine widersprüchliche Situation. Die Gefahr einer erneuten militärischen Zuspitzung besteht weiterhin. Zugleich könnte eine diplomatische Einigung die Bedingungen für Öltransporte aus der Region verbessern. Eine solche Vereinbarung war zunächst jedoch nicht bestätigt.

Straße von Hormus bleibt ein entscheidender Engpass des Ölhandels

Die geografische Lage macht den Konflikt für die Weltwirtschaft besonders bedeutsam. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Sie gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Erdöl und Flüssigerdgas.

Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur IEA wurden im Jahr 2025 durchschnittlich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte täglich durch die Meerenge transportiert. Das entsprach etwa einem Viertel des weltweiten seeseitigen Ölhandels. Die Zahlen beschreiben das Handelsvolumen vor den umfangreichen Störungen des Jahres 2026 und sind deshalb nicht mit den aktuellen Transportmengen gleichzusetzen.

Alternative Exportmöglichkeiten bestehen vor allem über Pipelines in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihre Kapazitäten reichen allerdings nicht aus, um sämtliche normalerweise über die Meerenge transportierten Mengen zu ersetzen.

Deshalb können selbst begrenzte Störungen der Schifffahrt Auswirkungen auf internationale Handelsströme haben. Wie stark die europäischen Verbraucher betroffen sind, entscheidet sich jedoch nicht allein am Persischen Golf. Auch die weltweite Nachfrage, die Fördermengen anderer Produzenten und die Verfügbarkeit raffinierter Ölprodukte beeinflussen die Preisentwicklung.

Benzin und Diesel in Deutschland zuletzt günstiger

Bei den deutschen Kraftstoffpreisen zeigte sich zuletzt eine Entspannung. Nach Angaben des ADAC vom 4. November kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 2,041 Euro. Das waren 4,3 Cent weniger als eine Woche zuvor. Der durchschnittliche Dieselpreis sank um 2,9 Cent auf 2,260 Euro je Liter.

Auch der am 6. November aktualisierte ADAC-Wochenüberblick wies gerundet rund 2,04 Euro für Benzin und 2,26 Euro für Diesel aus. Von einer neuen, bereits messbaren Preiswelle infolge der jüngsten Ereignisse lässt sich daher nicht sprechen.

Der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Spritpreisen ist allerdings nicht unmittelbar. Rohöl wird zunächst verarbeitet, anschließend werden die Kraftstoffe über den Großhandel und die Tankstellen vertrieben. Neben dem Rohölpreis spielen insbesondere die Großhandelspreise für Benzin und Diesel, der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, Transportkosten und Steuern eine Rolle.

Das Bundeswirtschaftsministerium verweist darauf, dass sich deutsche Tankstellenpreise grundsätzlich an den Großhandelspreisen für Kraftstoffe orientieren. Diese folgen häufig dem Rohölpreis, können sich aber zeitweise unterschiedlich entwickeln. Sinkende Rohölnotierungen führen deshalb nicht automatisch im gleichen Umfang zu niedrigeren Preisen an der Zapfsäule.

Tankrabatt entlastet Autofahrer bis Ende Dezember

Zusätzlich beeinflusst eine staatliche Maßnahme die aktuellen Kraftstoffpreise. Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Sie ist bis zum 31. Dezember vorgesehen.

Die Energiesteuer wurde dabei um 14 Cent je Liter reduziert. Einschließlich der Auswirkungen auf die Umsatzsteuer entspricht dies einer rechnerischen Entlastung von knapp 17 Cent je Liter. Die tatsächlichen Tankstellenpreise hängen dennoch weiterhin von den Marktbedingungen und der Preisgestaltung der Anbieter ab.

Der Tankrabatt wurde als Reaktion auf die erheblichen Belastungen durch den Iran-Krieg eingeführt. Er kann die Auswirkungen hoher Weltmarktpreise teilweise abfedern, sie aber nicht vollständig ausgleichen.

Für die Ölpreise und Spritpreise bleibt deshalb entscheidend, wie sich die internationalen Lieferbedingungen entwickeln. Ein länger anhaltender Rückgang der Rohölpreise könnte die Kraftstoffkosten weiter entlasten. Neue größere Störungen im Persischen Golf könnten diesen Effekt dagegen begrenzen oder umkehren.

Inflation in Deutschland weiterhin von Energiepreisen beeinflusst

Die Auswirkungen der hohen Energiekosten sind bereits in der deutschen Inflationsstatistik erkennbar. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 30. Oktober lag die Inflationsrate im Oktober 2026 bei 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im September hatte sie noch bei 3,3 Prozent gelegen.

Besonders deutlich verteuerte sich weiterhin Energie. Ihre Verbraucherpreise lagen im Oktober voraussichtlich 12,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im September hatte der Anstieg noch bei 14,9 Prozent gelegen. Die sogenannte Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie erreichte im Oktober nach vorläufigen Berechnungen 2,1 Prozent.

Damit hat sich die allgemeine Teuerung zwar abgeschwächt, die Energiekosten bleiben aber eine erhebliche Belastung. Schon im September waren Kraftstoffe nach endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 37,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Bei leichtem Heizöl lag der Anstieg sogar bei 74,9 Prozent.

Steigende Ölpreise wirken sich nicht nur auf private Tankrechnungen aus. Sie können auch die Kosten von Transportunternehmen, landwirtschaftlichen Betrieben und energieintensiven Produktionsprozessen erhöhen. Werden solche Mehrkosten weitergegeben, können sie mit zeitlicher Verzögerung auch andere Verbraucherpreise beeinflussen.

Wie sich die jüngsten Ereignisse auf die kommenden Inflationszahlen auswirken, lässt sich derzeit nicht beziffern. Ein kurzfristiger Rohölpreisanstieg von wenigen Cent pro Barrel erlaubt keine belastbare Aussage über die weitere Preisentwicklung in Deutschland. Entscheidend sind vielmehr die längerfristigen Rohölnotierungen, die internationalen Lieferbedingungen und die Entwicklung der Kraftstoffgroßhandelspreise.

Ölmarkt bleibt trotz Preisrückgang anfällig für neue Störungen

Zum Wochenende zeigt sich der internationale Ölmarkt damit in einer ungewöhnlichen Lage. Während neue Sicherheitsvorfälle und militärische Drohungen zusätzliche Risiken schaffen, haben sich die Rohölpreise im Wochenvergleich erheblich verbilligt.

Für Verbraucher in Deutschland bedeutet dies zunächst, dass der jüngste leichte Anstieg an den Rohölbörsen keinen unmittelbar belegten neuen Preissprung an den Tankstellen ausgelöst hat. Gleichzeitig bleiben Benzin, Diesel und andere Energieprodukte im längerfristigen Vergleich teuer.

Ob die jüngste Entspannung bei den Rohölpreisen anhält, hängt wesentlich davon ab, ob die diplomatischen Bemühungen erfolgreich sind und wie sicher die wichtigen Handelsrouten im Persischen Golf bleiben.

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