
Der Ölpreis ist am Donnerstag, 22. Oktober 2026, deutlich gestiegen. Neue Angriffe auf Infrastruktur in Saudi-Arabien verstärken die Sorgen um die Energieversorgung aus dem Nahen Osten. Besonders ein Drohnenvorfall am saudischen Ölfeld Shaybah steht im Mittelpunkt. Dort kamen zwei Menschen ums Leben. Obwohl die Ölförderung nach offiziellen Angaben nicht beeinträchtigt wurde, reagierten die Rohstoffmärkte mit steigenden Preisen.
Die international wichtige Rohölsorte Brent verteuerte sich am Donnerstagmorgen deutlich. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kostete ein Barrel Brent zur Lieferung am Terminmarkt um 8.26 Uhr deutscher Sommerzeit 111,64 US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg um 2,59 Prozent beziehungsweise 2,82 Dollar gegenüber dem vorherigen Schlusskurs.
Auch die amerikanische Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legte zu. Ihr Preis stieg laut Reuters zum selben Zeitpunkt um 2,31 Prozent auf 99,39 Dollar je Barrel. Damit näherte sich Brent erneut seinem höchsten Stand seit rund fünf Monaten.
Der Ölpreis nach dem Angriff auf das saudische Ölfeld spiegelt vor allem die Sorge wider, dass weitere Angriffe die Versorgung aus der Region beeinträchtigen könnten. Eine Unterbrechung der Förderung in Shaybah wurde bislang nicht bestätigt.
Nach Angaben des saudi-arabischen Energieministeriums fing die Luftabwehr am Mittwochmorgen, 21. Oktober, eine Drohne ab, die auf eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco am Ölfeld Shaybah gerichtet war.
Herabfallende Trümmerteile lösten einen Brand an einem Fahrzeug eines beauftragten Unternehmens außerhalb des eigentlichen Anlagenbereichs aus. Dabei starben zwei Menschen aus den Philippinen und Nepal. Zwei weitere Menschen aus Pakistan und Indien wurden verletzt.
Das Energieministerium erklärte, dass der Betrieb des Ölfeldes durch den Vorfall nicht beeinträchtigt worden sei.
Shaybah liegt im Südosten Saudi-Arabiens nahe der Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Ölkonzern Aramco gibt die Produktionskapazität des Feldes mit einer Million Barrel täglich an. Damit gehört die Anlage zu den bedeutenden Förderstandorten des Unternehmens.
Die Urheberschaft des konkreten Drohnenangriffs war zunächst nicht abschließend geklärt. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hatte bereits zuvor Angriffe auf saudische Energieanlagen für sich reklamiert, darunter auch das Ölfeld Shaybah. Für den jüngsten Vorfall lag zunächst keine ausdrückliche Verantwortungsübernahme vor.
Neben dem Vorfall am Ölfeld beschäftigt ein Angriff auf den internationalen Flughafen King Fahd in Dammam die saudischen Behörden. Dort wurde am Mittwochabend ein Mensch getötet, acht weitere Personen erlitten Verletzungen. Die zuständige Luftfahrtbehörde meldete außerdem Sachschäden.
Die USA ordneten angesichts der Sicherheitslage die Ausreise nicht dringend benötigter Regierungsmitarbeiter und ihrer Angehörigen aus Saudi-Arabien an.
Zusätzlich belasten Sicherheitsrisiken für die Schifffahrt im Persischen Golf den internationalen Ölmarkt. Die Straße von Hormus ist eine zentrale Verbindung für den weltweiten Rohöltransport. Störungen des Schiffsverkehrs können die Lieferketten verteuern und die Preise an den Energiemärkten beeinflussen.
Neben diesen geopolitischen Risiken wirken auch sinkende amerikanische Ölvorräte auf den Markt. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA gingen die kommerziellen Rohölbestände in der Woche bis zum 16. Oktober um rund 3,06 Millionen Barrel auf etwa 412,5 Millionen Barrel zurück.
Für Verbraucher in Deutschland könnten dauerhaft hohe Rohölpreise insbesondere beim Tanken spürbar werden. Benzin und Diesel werden aus Erdöl hergestellt, weshalb steigende Rohstoffkosten grundsätzlich auch die Kraftstoffpreise beeinflussen.
Allerdings werden Änderungen am internationalen Ölmarkt nicht unmittelbar und in gleicher Höhe an den Tankstellen weitergegeben. Entscheidend sind unter anderem die Großhandelspreise für fertige Kraftstoffe, Raffineriekosten, der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar sowie Steuern und Abgaben.
Auch Heizöl und energieintensive Transportleistungen können bei länger anhaltend hohen Energiepreisen teurer werden. Wie stark sich der jüngste Preisanstieg tatsächlich auf deutsche Verbraucher auswirkt, lässt sich aus der aktuellen Brent-Notierung allein jedoch nicht ableiten.
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