
Der Ölpreis ist angesichts neuer Angriffe im Nahen Osten deutlich gestiegen. Die Nordseesorte Brent erreichte zum Wochenschluss den höchsten Stand seit knapp sechs Monaten. Auch in Deutschland bleiben Benzin und Diesel teuer, obwohl seit Anfang Oktober ein neuer Tankrabatt gilt. Ein neuer Rekord bei den Kraftstoffpreisen ist allerdings nicht erreicht.
Die Spritpreise in Deutschland liegen weiterhin deutlich über der Marke von zwei Euro je Liter. Nach einer Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes kraftstoffbilliger.de auf Grundlage der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe kostete Super E10 am Sonntag, 25. Oktober 2026, um 15.59 Uhr bundesweit durchschnittlich 2,098 Euro je Liter. Für Diesel wurden 2,285 Euro und für Super E5 2,155 Euro ermittelt.
Die aktuellen Werte liegen unter den Rekorden aus dem September. Damals erreichte Super E10 nach Angaben des ADAC am 16. September einen Tagesdurchschnitt von 2,314 Euro. Diesel kostete am 17. September durchschnittlich 2,471 Euro je Liter. Der September war damit der bislang teuerste Tankmonat in Deutschland.
An den internationalen Rohstoffmärkten hat sich die Lage zuletzt erneut verschärft. Die Nordseesorte Brent schloss am Freitag, 23. Oktober, nach Reuters-Angaben bei 116,72 US-Dollar je Barrel. Das entsprach einem Tagesanstieg von 3,14 Prozent und dem höchsten Schlusskurs seit dem 29. April. Innerhalb einer Woche verteuerte sich Brent um rund sechs Prozent.
Auslöser waren vor allem Sorgen über weitere Lieferunterbrechungen im Nahen Osten. Der seit Februar andauernde Iran-Krieg beeinträchtigt den Öltransport durch die Straße von Hormus. Hinzu kommen neue Angriffe auf Energieanlagen in Saudi-Arabien sowie Sicherheitsrisiken für die Schifffahrt in der Region.
Am Samstag erklärten die Huthi im Jemen, mehrere saudische Ölanlagen und wichtige Infrastruktur angegriffen zu haben. Zu den genannten Zielen gehörten eine Raffinerie in Rabigh, Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco und die Ost-West-Pipeline.
Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition bestätigte, zwei ballistische Raketen abgefangen zu haben. Ob die von den Huthi genannten Ölanlagen tatsächlich getroffen wurden, war zunächst nicht bestätigt.
Bereits im September hatten Drohnenangriffe die saudische Ost-West-Pipeline beschädigt und zeitweise außer Betrieb gesetzt. Ende September wurden die Ölverladungen am Rotmeerhafen Yanbu wieder aufgenommen. Die Pipeline ist besonders wichtig, weil Saudi-Arabien über sie Rohöl transportieren kann, ohne die Straße von Hormus nutzen zu müssen.
Obwohl Deutschland nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Rohöls unmittelbar aus der Golfregion bezieht, wirken sich die internationalen Preissteigerungen auf den heimischen Markt aus. Nach Angaben der Bundesregierung stammten 2025 rund 6,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus dieser Region.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen über die Tankstellen hinaus. Höhere Dieselpreise verteuern den Gütertransport und können dadurch die Kosten für Unternehmen und Verbraucher erhöhen.
Die Bundesbank verwies in ihrem Oktoberbericht auf die anhaltenden Folgen der Energiekrise. Die harmonisierte Inflationsrate in Deutschland stieg im September auf 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im August. Hohe Energiepreise belasten die Kaufkraft der privaten Haushalte und wirken zunehmend auf andere Waren und Dienstleistungen.
Um die hohen Kraftstoffkosten abzufedern, hat die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel zum 1. Oktober erneut gesenkt. Die Entlastung beläuft sich einschließlich Umsatzsteuer auf rund 16,7 Cent je Liter und soll bis zum 31. Dezember gelten.
Der ADAC stellte in seiner jüngsten Wochenanalyse vom 21. Oktober fest, dass Super E10 gegenüber der Vorwoche um 4,1 Cent günstiger geworden war. Diesel verteuerte sich dagegen um 0,8 Cent. Nach Einschätzung des Automobilclubs war bei Benzin inzwischen ein Großteil der Steuersenkung an den Zapfsäulen angekommen.
Zusätzlich plant die Bundesregierung Gespräche mit der Mineralölwirtschaft über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel ab spätestens Januar 2027. Eine endgültige Regelung ist bislang nicht beschlossen.
Für Autofahrer bleibt der Preisvergleich wichtig. Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Senkungen sind jederzeit erlaubt. Der ADAC empfiehlt deshalb, möglichst kurz vor Mittag zu tanken und die Preise verschiedener Anbieter zu vergleichen.
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