
Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB hat einen Großauftrag für Europas geplantes Satellitenkommunikationssystem IRIS² erhalten. Das Unternehmen unterzeichnete mit dem europäischen Satellitenbetreiber SES einen Vertrag über knapp eine Milliarde Euro. OHB soll 18 Satellitenplattformen entwickeln und bauen. An der Börse sorgte die Nachricht am Montag, 31. August 2026, für deutliche Kursgewinne.
Die OHB-Aktie steigt nach Milliardenauftrag damit zu Wochenbeginn deutlich. Im Xetra-Handel erreichte das Papier am Vormittag zeitweise 208 Euro. Gegen Mittag lag der Kurs bei 203,50 Euro und damit gut sieben Prozent über dem vorherigen Schlusskurs. Am Freitag, 28. August, hatte die Aktie den Xetra-Handel bei 189,60 Euro beendet.
Der Vertrag umfasst die Entwicklung und Produktion von 18 Satellitenplattformen für den Teil des IRIS²-Systems, der im mittleren Erdorbit betrieben werden soll. Vertragspartner von OHB ist SES. Der Satellitenbetreiber gehört gemeinsam mit Eutelsat und Hispasat zum europäischen SpaceRISE-Konsortium.
Die Europäische Kommission hatte SpaceRISE mit dem Aufbau und Betrieb der Infrastruktur für IRIS² beauftragt. SES verantwortet innerhalb des Konsortiums den Bereich im mittleren Erdorbit. Der nun abgeschlossene Vertrag mit OHB ist der erste Großauftrag, den OHB im Rahmen der IRIS²-Konzession erhalten hat.
Nach Angaben des Unternehmens sollen die von OHB entwickelten Satelliten beim Start jeweils eine Masse von etwa 2,6 Tonnen haben. Die maximale Leistung soll bei rund 15 Kilowatt liegen.
Die ersten Satelliten des Systems sollen 2029 starten. Erste Dienste sind für 2030 vorgesehen.
IRIS² steht für Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite. Das Programm soll eine europäische Infrastruktur für sichere und widerstandsfähige Satellitenkommunikation schaffen.
Nach dem inzwischen erweiterten Konzept soll die Konstellation aus 348 Satelliten in niedrigen und mittleren Erdumlaufbahnen bestehen. Ergänzt werden die Satelliten durch ein eigenes Bodensegment.
Das System ist sowohl für staatliche als auch für kommerzielle Anwendungen vorgesehen. Dazu gehören sichere Kommunikationsverbindungen für Behörden und andere öffentliche Nutzer. Gleichzeitig soll die Infrastruktur auch kommerzielle Kommunikationsdienste ermöglichen und die Versorgung in Regionen verbessern, in denen terrestrische Netze nicht ausreichend verfügbar sind.
IRIS² gehört neben den Navigationssatelliten von Galileo und dem Erdbeobachtungsprogramm Copernicus zu den großen Raumfahrtprojekten der Europäischen Union.
Die strategische Bedeutung satellitengestützter Kommunikation hat in Europa in den vergangenen Jahren zugenommen. Insbesondere der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, welche Rolle unabhängige und belastbare Kommunikationsnetze in Krisen spielen können. Gleichzeitig ist Europa bei Teilen seiner Raumfahrtinfrastruktur weiterhin von Anbietern außerhalb der EU abhängig.
Das Volumen des neuen Vertrags ist auch gemessen an der bisherigen Größe von OHB erheblich. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Gesamtleistung des Konzerns bei 627,9 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag sie bei 563,5 Millionen Euro.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, EBITDA, lag nach sechs Monaten bei 60,4 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 45,9 Millionen Euro.
Der Auftragsbestand des Konzerns lag zum Ende des ersten Halbjahres bei 3,304 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag er bei 3,067 Milliarden Euro. Wann und in welcher Höhe der neue IRIS²-Vertrag vollständig in den ausgewiesenen Auftragsbestand eingeht, hängt von der bilanziellen und operativen Erfassung des Projekts ab.
OHB hatte bereits vor dem neuen Auftrag von einer hohen Nachfrage nach Raumfahrtprojekten berichtet. Im März erhielt die schwedische Tochtergesellschaft einen Auftrag über 248 Millionen Euro für eine europäische Konstellation aus 20 Kleinsatelliten zur Beobachtung der Arktis.
Der Kurssprung vom Montag folgt auf mehrere schwächere Börsentage. Die OHB-Aktie war im August zeitweise deutlich zurückgefallen. Am 26. August erreichte sie auf Xetra im Tagesverlauf 185,80 Euro, den niedrigsten Stand seit Ende Januar.
Der neue Auftrag sorgte zunächst für eine Gegenbewegung. Am 31. August stieg die Aktie zeitweise bis auf 208 Euro. Gegen Mittag lag sie auf Xetra bei 203,50 Euro. Damit blieb sie zwar unter früheren Höchstständen des Jahres, konnte sich aber deutlich vom jüngsten Tief lösen.
Seit Mitte August gehört OHB erstmals dem SDAX an. Die Aufnahme wurde möglich, nachdem sich der Streubesitz erhöht hatte. Zuvor hatte OHB im Zuge einer Kapitalerhöhung knapp 500 Millionen Euro aufgenommen.
Analysteneinschätzungen zur weiteren Kursentwicklung fallen unterschiedlich aus und stellen keine Gewissheit über die künftige Entwicklung der Aktie dar.
OHB-Vorstandschef Marco Fuchs rechnet im Zuge der Umsetzung von IRIS² mit weiteren Ausschreibungen und Industrieaufträgen. Dabei handelt es sich um eine Erwartung des Unternehmens und nicht um bereits gesicherte zusätzliche Verträge.
Das Gesamtprogramm befindet sich seit Anfang August 2026 in der Umsetzungsphase. Für OHB steht zunächst der jetzt bestätigte Auftrag über die 18 MEO-Satellitenplattformen fest.
Mit einem Vertragswert von knapp einer Milliarde Euro zählt das Projekt zu den bedeutenden aktuellen Aufträgen des Bremer Raumfahrtkonzerns. Zugleich bindet es OHB unmittelbar in den Aufbau einer Infrastruktur ein, mit der Europa seine eigenen Kapazitäten für sichere Satellitenkommunikation ausbauen will.
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