
Der US-Technologiekonzern Oracle hat bei seinem Investor Day am Mittwoch, 28. Oktober 2026, in Las Vegas seine langfristigen Wachstumsziele bestätigt und neue Einzelheiten zur Finanzierung seiner KI-Infrastruktur vorgestellt. Bis zum Geschäftsjahr 2030 strebt das Unternehmen einen Jahresumsatz von mindestens 225 Milliarden US-Dollar an. Zugleich soll der freie Cashflow ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 wieder positiv werden.
Auf dem Oracle Investor Day 2026 erläuterten die beiden Konzernchefs Clay Magouyrk und Mike Sicilia sowie Finanzchefin Hilary Maxson die finanziellen Erwartungen für die kommenden Jahre. Oracle rechnet von 2026 bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von mehr als 35 Prozent.
Damit würde sich das Geschäftsvolumen gegenüber dem Geschäftsjahr 2026, in dem Oracle 67,4 Milliarden US-Dollar umsetzte, mehr als verdreifachen. Das Ziel von 225 Milliarden US-Dollar hatte das Unternehmen bereits im Oktober 2025 vorgestellt. Bei der aktuellen Veranstaltung wurde es erneut bestätigt.
Für 2030 erwartet Oracle außerdem eine bereinigte operative Gewinnmarge von mindestens 40 Prozent und einen bereinigten Gewinn je Aktie von mindestens 21 US-Dollar. Bei diesen Kennzahlen handelt es sich um sogenannte Non-GAAP-Werte, die bestimmte Aufwendungen ausklammern.
Die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 blieb unverändert. Oracle erwartet weiterhin mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn von 8,10 US-Dollar je Aktie.
Ein zentraler Bestandteil der Präsentation war die künftige Entwicklung des freien Cashflows. Diese Kennzahl beschreibt, wie viel Geld einem Unternehmen nach seinen operativen Ausgaben und Investitionen verbleibt.
Oracle erwartet, dass die Investitionsausgaben in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 ihren Höhepunkt erreichen. Im Geschäftsjahr 2029 sollen sie anschließend zurückgehen. Nach Angaben des Konzerns soll der freie Cashflow bereits in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 positiv werden.
Für das Geschäftsjahr 2029 stellte Oracle einen freien Cashflow von mindestens 30 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Von diesem Zeitpunkt an soll das weitere Wachstum nach den Unternehmensplanungen aus eigenen Mitteln finanziert werden.
Trotz der erwarteten Verbesserung des Cashflows benötigt Oracle zunächst weitere Mittel für den Ausbau seiner Infrastruktur.
Der Konzern kündigte an, die zusätzlichen Kapitalaufnahmen für seinen Investitionszyklus bis zum Geschäftsjahr 2030 auf insgesamt 20 Milliarden US-Dollar begrenzen zu wollen. Vorgesehen seien derzeit jeweils zehn Milliarden US-Dollar durch die Ausgabe von Aktien und durch neue Schulden.
Die Refinanzierung bereits bestehender Verbindlichkeiten ist von dieser Obergrenze ausgenommen. Außerdem kommen die geplanten zusätzlichen Mittel zu den 20 Milliarden US-Dollar hinzu, die Oracle bereits im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2027 durch Aktienverkäufe aufgenommen hat.
Zur Verringerung des unmittelbaren Finanzierungsbedarfs setzt der Konzern nach eigenen Angaben unter anderem auf Kundenanzahlungen, von Kunden bereitgestellte Hardware und Finanzierungsvereinbarungen mit Lieferanten.
Hinter den ambitionierten Finanzzielen steht vor allem der Ausbau des Cloudgeschäfts. Oracle stellt Unternehmen Rechenkapazitäten, Datenbankdienste und Softwareanwendungen bereit. Eine wachsende Rolle spielt dabei die Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen zeigen, wie stark sich dieser Geschäftsbereich entwickelt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stiegen die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig bezifferte Oracle seine noch ausstehenden vertraglichen Leistungsverpflichtungen auf 664 Milliarden US-Dollar. Diese Summe ist allerdings nicht mit bereits erzielten Umsätzen gleichzusetzen. Sie betrifft Leistungen, die Oracle erst künftig erbringen muss.
Der Konzern steht damit vor der Aufgabe, die vereinbarten Cloudkapazitäten bereitzustellen und gleichzeitig seine hohen Investitionen zu finanzieren. Im internationalen Wettbewerb mit Cloudanbietern wie Amazon und Microsoft ist der Ausbau leistungsfähiger Rechenzentren ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie.
An der Börse wurden die Ankündigungen zunächst positiv aufgenommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vom 28. Oktober 2026, 20:36 Uhr deutscher Zeit, lag die Oracle-Aktie im US-Nachmittagshandel mehr als acht Prozent im Plus. Ein Schlusskurs stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.
Mit den neuen Angaben zur Finanzierung und zur erwarteten Cashflow-Entwicklung konkretisiert Oracle seinen bisherigen Wachstumskurs. Ob sich die langfristigen Ziele erreichen lassen, hängt insbesondere davon ab, wie schnell die zusätzlichen Cloudkapazitäten aufgebaut und die damit verbundenen Investitionen durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden können.
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