
Oracle hat mit den Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 ein kräftiges Wachstum im Cloud-Geschäft gemeldet. Die Oracle Quartalszahlen September 2026 zeigen vor allem bei der Cloud-Infrastruktur deutliche Zuwächse. Der Konzern steigerte seinen Umsatz im Ende August abgeschlossenen Quartal um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,92 Dollar und damit 30 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Nach den US-Rechnungslegungsvorschriften GAAP lag der Gewinn je Aktie bei 1,56 Dollar.
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Cloud-Diensten. Die gesamten Cloud-Erlöse aus Infrastruktur und Anwendungen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar. Innerhalb dieses Geschäfts legte die Cloud-Infrastruktur, also das Angebot von Rechenleistung, Speicher und weiteren IT-Ressourcen aus Oracles Rechenzentren, um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu. Die Umsätze mit Cloud-Anwendungen erhöhten sich um 10 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar.
Auch beim vertraglich gesicherten künftigen Geschäft meldete Oracle einen weiteren Anstieg. Die sogenannten Remaining Performance Obligations, kurz RPO, beliefen sich zum Quartalsende auf 664 Milliarden Dollar. Das waren 209 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Ende des vorangegangenen Quartals mit 638 Milliarden Dollar nahm der Bestand damit um 26 Milliarden Dollar zu.
Für Anleger ist diese Kennzahl wichtig, weil sie zeigt, in welchem Umfang Kunden bereits Leistungen vertraglich zugesagt haben, die Oracle erst künftig als Umsatz verbuchen kann. Sie ist deshalb nicht mit aktuellem Umsatz gleichzusetzen. Oracle erklärte, allein im ersten Geschäftsquartal seien zusätzliche Verträge für KI-Cloud-Dienste mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar abgeschlossen worden. Die Nachfrage nach Rechenleistung für das Training und den Einsatz künstlicher Intelligenz bleibt damit ein zentraler Wachstumstreiber.
Das schnelle Wachstum erfordert zugleich hohe Investitionen in Rechenzentren und technische Infrastruktur. Oracle investierte im Quartal 28,5 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow war mit rund 5,4 Milliarden Dollar negativ. Für Anleger ist dieser Punkt relevant, weil stark steigende Umsätze nicht automatisch bedeuten, dass dem Unternehmen gleichzeitig mehr frei verfügbare Liquidität zufließt.
Oracle hatte bereits zuvor einen umfangreichen Finanzierungsplan angekündigt. Im ersten Quartal nahm der Konzern über ein Aktienprogramm 20 Milliarden Dollar ein. Zugleich betonte das Unternehmen, dass die neu abgeschlossenen KI-Verträge keine zusätzlichen Änderungen an den bereits geplanten Kapitalmaßnahmen erforderlich machten. Bei mehreren großen Cloud-Vereinbarungen werden Hardwarekosten teilweise durch Vorauszahlungen der Kunden oder von den Kunden selbst bereitgestellte Komponenten finanziert.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwartet Oracle nun einen Umsatz von mindestens 90 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellt das Unternehmen 8,10 Dollar in Aussicht. Für das laufende zweite Geschäftsquartal rechnet Oracle bei konstanten Wechselkursen mit einem Umsatzwachstum zwischen 30 und 34 Prozent. Die gesamten Cloud-Erlöse sollen nach Unternehmensprognose in US-Dollar um 65 bis 71 Prozent wachsen.
Diese Angaben sind Unternehmensprognosen und keine bereits erreichten Ergebnisse. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird unter anderem sein, wie schnell Oracle zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten bereitstellen und den hohen Auftragsbestand tatsächlich in laufende Umsätze umwandeln kann. Im ersten Quartal nahm das Unternehmen nach eigenen Angaben zusätzliche Rechenzentrumskapazität von 850 Megawatt in Betrieb.
Die erste Reaktion an der Börse fiel positiv aus. Oracle veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag, 10. September 2026, nach dem regulären Handelsschluss in den USA. Im nachbörslichen Handel legte die Aktie anschließend um rund 4 Prozent zu. Am Freitagmorgen notierte das Papier im vorbörslichen US-Handel zeitweise etwa 5,5 Prozent höher.
Im regulären Handel am Freitag, 11. September 2026, verstärkte sich der Kursanstieg zunächst. Zeitweise lag die Oracle-Aktie rund 8,5 Prozent im Plus. Die Gewinne hielten jedoch nicht. Bis zum Handelsschluss drehte der Kurs und schloss rund 1,7 Prozent unter dem Vortagesniveau. Die Kursentwicklung zeigt, dass Anleger neben dem kräftigen Cloud-Wachstum weiterhin die hohen Investitionen, den negativen freien Cashflow und die Finanzierung des Rechenzentrumsausbaus bewerten.
Oracle war über Jahrzehnte vor allem für Datenbanksoftware und Unternehmensanwendungen bekannt. Inzwischen verlagert sich ein wachsender Teil des Geschäfts in die Cloud. Unternehmen mieten dabei Rechenleistung und Software über Rechenzentren, statt Systeme vollständig auf eigener Hardware zu betreiben. Besonders KI-Anwendungen benötigen große Mengen an Rechenkapazität und leistungsfähigen Grafikprozessoren.
Für Oracle eröffnet diese Nachfrage hohe Wachstumsmöglichkeiten, gleichzeitig steigen aber auch die Kosten für neue Rechenzentren, Energieversorgung und Hardware. Die jüngsten Zahlen zeigen beide Seiten dieser Entwicklung: Das Cloud-Infrastrukturgeschäft wächst mit dreistelliger Rate und der vertraglich gesicherte Auftragsbestand ist groß. Gleichzeitig bindet der Ausbau erhebliche finanzielle Mittel. Damit bleibt nicht nur das Umsatzwachstum, sondern auch die Frage nach Investitionen und Cashflow für die Bewertung des Konzerns von Bedeutung.
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