
In zahlreichen dänischen Fjorden und Teilen der westlichen Ostsee hat sich die Sauerstofflage im Sommer 2026 deutlich verschlechtert. Besonders betroffen sind Gewässer rund um Fünen, das südliche Kleine Belt, die Flensburger Förde und angrenzende Meeresgebiete. An mehreren Messstellen war das Wasser am Meeresboden Ende August nahezu oder vollständig sauerstofffrei. Teilweise wurde bereits giftiger Schwefelwasserstoff aus den Sedimenten freigesetzt.
Der aktuelle Bericht zum Sauerstoffmangel in dänischen Gewässern zeigt, dass sich das Problem ungewöhnlich früh entwickelt hat. Ende August waren in den inneren dänischen Meeresgebieten gut 2.200 Quadratkilometer von Sauerstoffmangel betroffen. Ende Juli lag die Fläche noch bei knapp 1.200 Quadratkilometern.
Besonders auffällig ist die zunehmende Stärke des Sauerstoffmangels. Im Juli entfielen 16 Prozent der betroffenen Fläche auf Bereiche mit weniger als zwei Milligramm Sauerstoff je Liter. Im August lag dieser Anteil bereits bei 48 Prozent.
Zu den am stärksten betroffenen Regionen gehören das nördliche Beltmeer, das südliche Kleine Belt, die Apenrader Förde, die Flensburger Förde und das Südfünische Inselmeer. Auch Teile des Limfjords, der Mariager Fjord sowie Küstengewässer an der Aarhusbucht waren betroffen.
Im südlichen Kleinen Belt entwickelte sich der Sauerstoffmangel bereits im Mai. In der zweiten Augusthälfte wurde an sämtlichen untersuchten Stationen starker Sauerstoffmangel festgestellt. An fünf von sechs Stationen war am Boden kein oder nahezu kein Sauerstoff mehr vorhanden. Betroffen war dort teilweise die untere Hälfte der Wassersäule.
Im Ærøbecken des Südfünischen Inselmeers waren Ende August die untersten Bereiche ebenfalls fast vollständig sauerstofffrei. Im tieferen westlichen Teil waren rund 20 Meter der Wassersäule von Sauerstoffmangel betroffen. In den untersten zehn Metern fehlte Sauerstoff nahezu vollständig.
Noch länger hält die kritische Lage in der inneren Flensburger Förde an. Dort ist das Bodenwasser seit Mitte Mai ganz oder fast vollständig sauerstofffrei. Seit Anfang Juni wurde bei den Untersuchungen wiederholt Schwefelwasserstoff festgestellt. Auch im mit der Förde verbundenen Nybøl Nor herrschten vergleichbare Bedingungen.
Das Problem endet nicht an der dänischen Grenze. Für die Mecklenburgische Bucht, die Lübecker Bucht und den Fehmarnbelt zeigen die ausgewerteten Messungen und Modellberechnungen Ende August ein größeres zusammenhängendes Gebiet mit überwiegend starkem Sauerstoffmangel.
Auch westlich von Bornholm hat sich die Situation verschärft. Im zentralen Arkona-Becken wurde bereits Anfang Mai mäßiger Sauerstoffmangel festgestellt, was für dieses Gebiet ungewöhnlich früh ist. Ende August fiel die Sauerstoffkonzentration dort in den Bereich starken Sauerstoffmangels.
Südlich der Messstation erstreckte sich ein größeres Gebiet mit mäßigem Sauerstoffmangel. Ein sehr großes Areal mit niedrigen Sauerstoffkonzentrationen reichte bis an die Westküste Bornholms.
Damit betrifft die Entwicklung nicht allein einzelne abgeschlossene Fjorde. Sie reicht über die dänischen Beltgewässer bis in grenzüberschreitende Bereiche der westlichen Ostsee.
Sauerstoffmangel entsteht, wenn in tieferen Wasserschichten mehr Sauerstoff verbraucht wird, als durch Strömungen und Durchmischung nachgeliefert werden kann. Eine wichtige Grundlage dafür ist die hohe Belastung der Gewässer mit Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor.
Diese fördern das Wachstum von Algen. Sterben die Organismen ab und sinken zum Boden, werden sie von Bakterien und anderen Mikroorganismen zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Je mehr organisches Material vorhanden ist, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen.
Hinzu kommen die Wetterbedingungen. Seit Mai war der Wind in Dänemark über längere Zeit vergleichsweise schwach. Die Temperaturen des Bodenwassers lagen gleichzeitig über weite Strecken über dem langjährigen Mittel. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen und beschleunigt biologische Abbauprozesse.
Besonders problematisch ist eine stabile Schichtung des Wassers. Warmes und leichteres Oberflächenwasser liegt dann über dichterem, häufig salzhaltigerem Tiefenwasser. Ohne ausreichend starken Wind findet zwischen diesen Schichten nur wenig Austausch statt. Sauerstoff aus oberflächennahen Bereichen gelangt deshalb kaum zum Meeresboden.
Für das Ökosystem wird die Situation bereits bei deutlich höheren Sauerstoffwerten problematisch. Unter vier Milligramm Sauerstoff je Liter sprechen die dänischen Fachbehörden von Sauerstoffmangel. Bei weniger als zwei Milligramm liegt starker Sauerstoffmangel vor.
Fische und bewegliche Bodentiere können solche Gebiete zunächst verlassen. Muscheln, Schnecken, Würmer und andere wenig bewegliche Arten haben diese Möglichkeit kaum. Hält der Sauerstoffmangel länger an, sterben sie ab.
Dadurch verliert das Ökosystem zugleich einen Teil seiner Nahrungsgrundlage. Viele Fische und Seevögel sind direkt oder indirekt auf die Tiere des Meeresbodens angewiesen. Zudem tragen grabende Bodentiere normalerweise dazu bei, sauerstoffreiches Wasser in das Sediment zu transportieren.
Ende August wurden im inneren Vejle Fjord bereits sterbende Fische und Garnelen beobachtet. Im Limfjord waren Anfang Juli nach einer Freisetzung von Schwefelwasserstoff tote Kleinfische festgestellt worden.
Bei länger anhaltendem Sauerstoffmangel verändert sich auch die Chemie des Meeresbodens. Nährstoffe, die normalerweise im Sediment gebunden bleiben, können wieder ins Wasser gelangen. Dadurch kann weiteres Algenwachstum begünstigt werden.
Besonders problematisch ist die Bildung und Freisetzung von Schwefelwasserstoff. Das Gas ist für viele Meeresorganismen hochgiftig. Wird der letzte Sauerstoff im Wasser verbraucht, kann Schwefelwasserstoff aus dem Sediment in das Bodenwasser gelangen.
Solche Freisetzungen wurden 2026 unter anderem im Mariager Fjord, in Knebel Vig, in der Flensburger Förde und im Nybøl Nor festgestellt.
Eine längere Phase mit kräftigem Wind kann die Wassersäule durchmischen und wieder Sauerstoff bis in tiefere Schichten transportieren. In flacheren Gebieten können bereits mehrere windreiche Tage die Situation verbessern. In tiefen Becken ist dafür deutlich stärkerer und länger anhaltender Wind notwendig.
Wind kann allerdings auch sauerstoffarmes Tiefenwasser verlagern. Dadurch können zeitweise benachbarte Küstenbereiche betroffen werden. Ende August wurde eine solche Verlagerung als wahrscheinliche Erklärung für sterbende Fische und Garnelen im inneren Vejle Fjord genannt.
Langfristig hängt das Ausmaß des Problems vor allem davon ab, wie stark die Gewässer mit Nährstoffen belastet werden. Hohe Temperaturen und schwache Winde bestimmen dagegen wesentlich mit, wann und wie intensiv sich der Sauerstoffmangel innerhalb eines Jahres entwickelt.
Die Entwicklung im Sommer 2026 zeigt damit erneut, wie empfindlich die flachen Fjorde, Beltgewässer und Becken der westlichen Ostsee auf das Zusammenspiel von Nährstoffbelastung, Wassertemperatur und Wasseraustausch reagieren.
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