
RB Leipzig muss erneut um Assan Ouedraogo bangen. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler hat sich am Sonntag im Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV wieder an der rechten Schulter verletzt und musste bereits in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden. Trainer Martín Demichelis geht davon aus, dass dieselbe Schulter betroffen ist, an der Ouedraogo erst während der Saisonvorbereitung eine Kapselverletzung erlitten hatte. Eine abschließende Diagnose und eine konkrete Ausfalldauer standen am Sonntagabend noch aus.
Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) berichtete am Abend unter Berufung auf eigene Informationen, Ouedraogos rechte Schulter sei zwischenzeitlich ausgekugelt gewesen und von den Leipziger Medizinern wieder in die richtige Position gebracht worden. Diese konkrete Diagnose war vom Verein zunächst nicht offiziell bestätigt. Demichelis verwies nach der Partie auf weitere medizinische Untersuchungen. Damit ist gesichert, dass Ouedraogo erneut Probleme an der rechten Schulter hat. Ob tatsächlich eine Luxation vorlag und welche strukturellen Schäden entstanden sind, war zunächst offen.
Demichelis äußerte sich nach dem Spiel deutlich besorgt. „Ich glaube schon, dass es die gleiche Verletzung ist“, sagte der RB-Trainer zur Frage, ob die Beschwerden mit der Verletzung aus dem August zusammenhängen. Seine erste Einschätzung zur Schwere fiel knapp aus: „Es sieht nicht gut aus.“ Ouedraogo werde von der Mannschaft benötigt, betonte der Argentinier.
Zugleich machte Demichelis deutlich, dass Ouedraogo vor seiner Rückkehr medizinisch freigegeben worden war. Der Mittelfeldspieler habe wieder vollständig mit der Mannschaft trainiert. Beim Champions-League-Spiel gegen Como 1907 am Donnerstag war er für rund eine halbe Stunde eingesetzt worden. Gegen Hamburg folgte sein erster Startelfeinsatz der laufenden Bundesligasaison. Nach 35 Minuten war dieser wegen der Schulterprobleme bereits wieder beendet.
Eine feste Prognose für die Dauer des neuerlichen Ausfalls gab RB Leipzig am Sonntagabend noch nicht bekannt. Angaben, wonach Ouedraogo nun mehrere Wochen fehlen könnte, waren damit zunächst keine bestätigte Vereinsprognose. Die Entscheidung über die weitere Behandlung dürfte insbesondere davon abhängen, was die angekündigten Untersuchungen ergeben. Auch eine mögliche Operation wurde in der dpa-Berichterstattung als denkbare Option genannt, vom Verein aber zunächst nicht als beschlossene Maßnahme bestätigt.
Die Vorgeschichte macht die neuerlichen Beschwerden für Leipzig besonders relevant. Ouedraogo hatte sich Anfang August während des Trainingslagers in einem Zweikampf eine Kapselverletzung in der rechten Schulter zugezogen. RB entschied sich damals nach medizinischen Untersuchungen für eine konservative Behandlung. Nach damaliger Vereinsangabe sollte der Nationalspieler für wenige Wochen ausfallen.
Damit betrifft der aktuelle Rückschlag genau jene Schulter, wegen der Ouedraogo einen wesentlichen Teil der Saisonvorbereitung verpasst hatte. Dass Leipzig mit seiner Rückkehr nicht überhastet vorging, hob Demichelis ausdrücklich hervor. Der Spieler sei erst wieder eingesetzt worden, nachdem die medizinische Abteilung grünes Licht gegeben habe.
Für Ouedraogo setzt sich damit eine Serie längerer Verletzungspausen fort. In der vergangenen Saison hatte ihn vor allem das linke Knie ausgebremst. Im November 2025 erlitt er zunächst eine Sehnenverletzung in der linken Kniekehle. Im Januar 2026 folgten erneut Probleme am linken Knie, wegen derer RB mit einem Ausfall bis Ende März rechnete. Die Bundesliga bezifferte seine Bilanz zu diesem Zeitpunkt auf zwölf Einsätze mit drei Toren und drei Vorlagen.
Trotz der Unterbrechungen kam Ouedraogo in der Bundesligasaison 2025/26 insgesamt auf 19 Einsätze. Dabei erzielte der zentrale Mittelfeldspieler vier Tore und bereitete drei weitere Treffer vor. Der gebürtige Mülheimer, der am 9. Mai 2006 geboren wurde, ist inzwischen 20 Jahre alt und wird von der Bundesliga offiziell als Mittelfeldspieler geführt.
Ouedraogo war für die laufende Saison als wichtiger Bestandteil des zentralen Mittelfelds eingeplant. Bereits nach seiner Schulterverletzung im August war sein Ausfall deshalb unmittelbar mit den Leipziger Planungen verbunden worden. Nach dem Abgang von Xaver Schlager sollte der deutsche Nationalspieler im Zentrum eine größere Rolle übernehmen.
RB verfügt im Mittelfeld zwar über mehrere Alternativen. Zum aktuellen Profikader gehören unter anderem Rocco Reitz, Nicolas Seiwald, Ezechiel Banzuzi, Neil El Aynaoui, Christoph Baumgartner, Brajan Gruda und Andrija Maksimović. Ein längerer Ausfall Ouedraogos würde Demichelis dennoch dazu zwingen, die vorgesehenen Einsatzzeiten und Rollen im Zentrum erneut anzupassen.
Besonders bitter wäre eine längere Pause auch deshalb, weil sich Ouedraogo gerade wieder an den Wettkampfrhythmus herangearbeitet hatte. Nach der mehrwöchigen Schulterpause bekam er zunächst Minuten in der Champions League und anschließend erstmals wieder einen Platz in der Startelf. Dieser schrittweise Belastungsaufbau muss nach der erneuten Verletzung nun zumindest vorübergehend gestoppt werden.
Auch für die deutsche Nationalmannschaft kommt die Verletzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ouedraogo hatte bereits im November 2025 sein Debüt für die A-Nationalmannschaft gegeben und dabei gegen die Slowakei getroffen. Im Sommer gehörte er nach einer Nachnominierung zudem zum deutschen WM-Kader, kam beim Turnier allerdings nicht zum Einsatz.
Nach dem Trainerwechsel beim DFB steht nun der erste Lehrgang unter Jürgen Klopp bevor. Deutschland beginnt die neue Nations-League-Saison am 24. September auswärts gegen die Niederlande. Danach folgen innerhalb von elf Tagen die Spiele gegen Griechenland am 27. September, Serbien am 1. Oktober und erneut Griechenland am 4. Oktober. Der DFB hatte Klopp im August als neuen Bundestrainer vorgestellt.
Die Verletzung dürfte Ouedraogos Chancen auf eine Teilnahme an diesem ersten Länderspielfenster deutlich reduzieren. Eine endgültige Aussage ist allerdings erst nach der Diagnose möglich. Der DFB-Kader soll nach den bisherigen Angaben in der kommenden Woche bekanntgegeben werden.
Für RB Leipzig steht vor der längeren Länderspielphase allerdings noch ein Pflichtspiel an. Am Sonntag, 20. September, tritt die Mannschaft bei Bayer Leverkusen an. Anschließend geht der reguläre Bundesliga-Spielbetrieb erst am 10. Oktober mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt weiter. Die mehrwöchige Unterbrechung könnte Ouedraogo im günstigeren Fall zusätzliche Rehabilitationszeit verschaffen. Wie viel davon tatsächlich benötigt wird, hängt jedoch von der noch ausstehenden Diagnose ab.
Für Leipzig ist deshalb zunächst entscheidend, ob sich lediglich die bereits bekannte Kapselverletzung erneut bemerkbar gemacht hat oder weitergehende Schäden festgestellt werden. Offiziell bestätigt war am Sonntagabend nur die erneute Verletzung der rechten Schulter. Eine konkrete Ausfalldauer nannte der Verein zunächst nicht.
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