Fliegendes Auto Liberty rückt nach Produktionsfreigabe näher

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Der niederländische Hersteller PAL-V hat eine entscheidende regulatorische Hürde auf dem Weg zur Serienfertigung seines fliegenden Autos Liberty genommen. Das Unternehmen verfügt seit September über eine europäische Production Organisation Approval, kurz POA. Damit darf PAL-V Luftfahrtprodukte nach den europäischen Vorgaben fertigen. Eine Zulassung des PAL-V Liberty für den regulären Flugbetrieb ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Das Unternehmen rechnet derzeit damit, dass erste Fahrzeuge 2028 in die Luft gehen könnten.

PAL-V erhält Genehmigung für Luftfahrtproduktion

PAL-V gab die Production Organisation Approval am 7. September 2026 bekannt. Mit der Genehmigung erfüllt das Unternehmen nach eigenen Angaben nun sowohl auf der Automobilseite als auch in der Luftfahrt die organisatorischen Voraussetzungen für eine industrielle Produktion. Die POA basiert auf dem europäischen Luftfahrtrecht nach Part 21. Für Hersteller mit Hauptsitz in den Niederlanden ist die Luftfahrtbehörde der niederländischen Inspectie Leefomgeving en Transport für entsprechende Produktionsgenehmigungen zuständig. Die Behörde prüft dabei unter anderem Organisation, Verfahren und Qualitätssysteme eines Herstellers.

Die Genehmigung bedeutet damit vor allem, dass PAL-V über ein anerkanntes Produktionssystem für Luftfahrtprodukte verfügt. Sie ist nicht mit der endgültigen Musterzulassung des Liberty gleichzusetzen.

Liberty muss weitere Zulassungsschritte durchlaufen

Bis Kunden den Liberty regulär als Luftfahrzeug nutzen können, sind weitere Prüfungen erforderlich. PAL-V-Chef Robert Dingemanse sagte dem niederländischen Sender NOS im September, dass das Unternehmen nach Erteilung der Produktionsgenehmigung mit dem Bau der ersten Fahrzeuge beginnen wolle. Diese müssten anschließend erneut getestet werden, um die Einhaltung der Luftfahrtanforderungen nachzuweisen. Dafür veranschlagte er rund eineinhalb Jahre.

Damit liegt der derzeitige Zielkorridor für einen möglichen Einsatz erster Kundenfahrzeuge im Jahr 2028. Frühere Zeitpläne des Unternehmens waren bereits mehrfach verschoben worden. Eine verbindliche Bestätigung, dass die noch ausstehenden Zulassungsschritte tatsächlich bis 2028 abgeschlossen sein werden, gibt es bislang nicht.

Auf der Straße ist PAL-V bereits weiter

Für den Straßenbetrieb hat PAL-V mehrere regulatorische Schritte bereits absolviert. Nach Angaben von NOS erhielt das Fahrzeug schon 2020 die notwendige Genehmigung für den Straßenverkehr. Im März 2026 kam ein weiteres wichtiges Element hinzu: Die niederländische Straßenverkehrsbehörde RDW erteilte PAL-V ein sogenanntes Initial Assessment und erkannte das Unternehmen damit als zertifizierten Automobilhersteller an.

Dabei wurden unter anderem Produktionsverfahren und Qualitätskontrollen im Rahmen der europäischen Anforderungen zur Konformität der Produktion bewertet. Für PAL-V ist diese doppelte Rolle entscheidend. Das Unternehmen muss Anforderungen aus zwei stark regulierten Bereichen erfüllen, weil der Liberty sowohl Straßenfahrzeug als auch Luftfahrzeug sein soll.

Liberty ist ein Gyrocopter auf drei Rädern

Technisch unterscheidet sich der Liberty deutlich von vielen Konzepten für elektrische Flugtaxis. Das zweisitzige Fahrzeug besitzt drei Räder und wird für den Flug zum Gyrocopter umgerüstet. Der große Rotor erzeugt seinen Auftrieb durch Autorotation und wird während der Fahrt auf der Straße eingeklappt. Ein senkrechter Start wie bei vielen eVTOL-Konzepten ist nicht vorgesehen.

PAL-V gibt für die Straßenversion eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde an. Im Flug sollen bis zu 180 Kilometer pro Stunde möglich sein. Die Flugreichweite wird mit 400 bis 500 Kilometern angegeben. Für den Start nennt das Unternehmen bei maximalem Startgewicht eine Strecke von rund 180 Metern.

Damit ist der Liberty nicht dafür gedacht, mitten aus dem Straßenverkehr abzuheben. Für Starts und Landungen werden geeignete Flugplätze oder Landestreifen benötigt. Auch im Flug gelten die normalen luftfahrtrechtlichen Vorgaben. NOS verweist darauf, dass Starts und Landungen in den Niederlanden nur an dafür geeigneten Plätzen möglich sind.

PAL-V nennt Reservierungen für mehrere Produktionsjahre

Das Unternehmen sieht die Nachfrage vor allem bei professionellen Anwendern. PAL-V erklärte im September, dass der vorhandene Reservierungsbestand ausreiche, um die ersten drei Produktionsjahre auszulasten. Unabhängig davon berichtete NOS unter Berufung auf Unternehmensangaben von rund 250 bereits verkauften beziehungsweise bestellten Fahrzeugen. Rund die Hälfte davon soll demnach auf Organisationen wie Feuerwehr, Polizei oder Verteidigung sowie andere professionelle Nutzer entfallen.

Für die Privatversion nennt PAL-V derzeit einen erwarteten europäischen Nettopreis ab 299.000 Euro. Je nach Ausstattung wurden in niederländischen Berichten Preise bis rund 499.000 Euro genannt. Damit dürfte der Liberty zunächst ein Spezialfahrzeug für zahlungskräftige Privatkunden sowie professionelle und staatliche Nutzer bleiben.

Neue Kooperation soll Pilotenausbildung vorbereiten

Dass PAL-V bereits Strukturen für einen späteren kommerziellen Betrieb aufbaut, zeigt eine am 5. Oktober bekanntgegebene Vereinbarung mit dem niederländischen Simulatorhersteller AVION und dem Mobilitätsunternehmen FLYVE. Die drei Unternehmen wollen Möglichkeiten für spezielle Flugsimulatoren, Trainingsprogramme und ein internationales Netz von Ausbildungszentren untersuchen. Zunächst handelt es sich um eine Absichtserklärung.

PAL-V betreibt bereits eine eigene FlyDrive Academy. Mit Simulatoren soll die Pilotenausbildung künftig ausgeweitet werden können. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur ändert jedoch nichts an den noch ausstehenden Zulassungsschritten für den Liberty selbst. Der Hersteller hat mit der europäischen Produktionsgenehmigung die Voraussetzungen geschaffen, Luftfahrtprodukte nach den vorgeschriebenen Produktionsstandards herzustellen. Ob die ersten seriengefertigten Liberty wie geplant 2028 an Kunden für den Flugbetrieb übergeben werden können, hängt nun vor allem vom erfolgreichen Abschluss der weiteren Zertifizierung und Tests ab.

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