Neuer Rückschlag bei Suche nach Käufer für Shell-Anteil an PCK

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Energiekonzern Shell soll die Gespräche mit dem polnischen Unternehmen Unimot über einen Verkauf seiner Beteiligung an der PCK-Raffinerie in Schwedt beendet haben. Das geht aus einem Bericht von Bloomberg vom Donnerstag hervor, auf den sich auch die Nachrichtenagentur Reuters bezieht. Shell hält 37,5 Prozent an der für Berlin, Brandenburg und weitere Teile Ostdeutschlands wichtigen Raffinerie. Eine unabhängige Bestätigung für das Ende der Gespräche lag zunächst nicht vor. Shell lehnte gegenüber Reuters einen Kommentar ab, Unimot antwortete zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur.

Anzeige

Nach Darstellung von Bloomberg waren die Verhandlungen bereits vor mehreren Monaten beendet worden. Noch im Februar sollen Shell und Unimot in fortgeschrittenen Gesprächen gewesen sein. Zu den Gründen für deren mögliches Scheitern gab es zunächst keine gesicherten Angaben. Unklar blieb auch, ob Shell bereits mit anderen Interessenten über seine Beteiligung verhandelt.

Shell sucht seit Jahren einen Käufer

Shell versucht bereits seit mehreren Jahren, seine Beteiligung an PCK abzugeben. Ende 2023 hatte der Konzern zunächst einen Verkauf der 37,5 Prozent an die britische Prax Group vereinbart. Damals erklärte Shell, die Veräußerung gehöre zu seiner Strategie, das weltweite Raffinerieportfolio auf ausgewählte Kernstandorte zu konzentrieren. Der Abschluss war ursprünglich für die erste Hälfte des Jahres 2024 vorgesehen.

Dazu kam es jedoch nicht. Shell und Prax erklärten im Dezember 2024, die vereinbarte Transaktion nicht weiterzuverfolgen. Shell hielt anschließend an der grundsätzlichen Absicht fest, seinen Anteil zu verkaufen.

Anzeige

Unimot wurde später als möglicher neuer Käufer bekannt. Im Februar 2026 bestätigte die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk, gegenüber dem rbb, dass Gespräche über die Shell-Anteile geführt würden. Zu diesem Zeitpunkt waren Einzelheiten der Verhandlungen nicht öffentlich.

Unimot ist zudem bereits geschäftlich mit der Versorgung der Raffinerie verbunden. Im Juli organisierte eine Tochtergesellschaft des polnischen Konzerns nach eigenen Angaben eine Lieferung südamerikanischen Rohöls über den Hafen Danzig und das polnische Pipeline-Netz nach Schwedt. Die Lieferung sollte Ausfälle anderer Bezugswege ausgleichen.

PCK sichert großen Teil der Kraftstoffversorgung

Die Raffinerie in Schwedt gehört zu den größten Rohölverarbeitungsstandorten Deutschlands. Nach Angaben von PCK liegt die jährliche Verarbeitungskapazität bei rund 11,5 Millionen Tonnen. Das Unternehmen gibt an, etwa 90 Prozent des Bedarfs an Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl in Berlin und Brandenburg zu decken. Berlin wird unter anderem über eine Produktpipeline nach Seefeld versorgt.

Damit reicht die Bedeutung der Eigentümerfrage deutlich über den Standort Schwedt hinaus. Die Raffinerie beliefert neben Berlin und Brandenburg auch weitere Regionen Ostdeutschlands sowie Teile des polnischen Marktes. Seit Deutschland Anfang 2023 auf russisches Pipelineöl für Schwedt verzichtet, musste die Rohölversorgung auf andere Quellen und Transportwege umgestellt werden. PCK nutzt dafür insbesondere die Pipeline aus Rostock sowie Lieferungen, die über Danzig und das polnische Leitungssystem nach Schwedt gelangen.

Rosneft-Anteile weiter unter staatlicher Treuhand

Neben Shell hält der russische Staatskonzern Rosneft über seine deutschen Tochtergesellschaften insgesamt 54,17 Prozent der PCK-Anteile. Weitere 8,33 Prozent entfallen auf Eni. Die Bundesregierung entzog Rosneft bereits 2022 die Kontrolle über seine deutschen Tochtergesellschaften und stellte sie unter die Verwaltung der Bundesnetzagentur. Das Eigentum selbst wurde damit nicht auf den Bund übertragen.

Seit Ende Februar 2026 gilt dafür eine neue Rechtsgrundlage. Das Bundeswirtschaftsministerium ordnete die Treuhandverwaltung nach dem Außenwirtschaftsgesetz neu an. Anders als frühere Regelungen ist sie nicht mehr auf jeweils sechs Monate begrenzt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur besteht sie, solange die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Bundesregierung erklärte im Juli außerdem, derzeit weder einen Kauf noch eine Enteignung von PCK zu planen.

Hinzu kommt die internationale Sanktionslage. Die USA hatten Sanktionen gegen den russischen Ölsektor verschärft. Für die unter deutscher Treuhand stehenden Rosneft-Gesellschaften wurde jedoch im März 2026 eine langfristige Ausnahme geschaffen. Das Bundeswirtschaftsministerium wertete dies als Grundlage für größere Rechtssicherheit bei den deutschen Rosneft-Töchtern und ihren Raffineriebeteiligungen.

Zwei Eigentümerfragen bleiben voneinander getrennt

Der mögliche Verkauf des Shell-Anteils und die Zukunft der Rosneft-Beteiligungen sind rechtlich getrennte Vorgänge. Shell kann über seine 37,5 Prozent verfügen, wobei gesellschaftsrechtliche Vereinbarungen und notwendige Genehmigungen berücksichtigt werden müssen. Bei den Rosneft-Anteilen übt dagegen die Bundesnetzagentur im Rahmen der Treuhand die Kontrolle über die deutschen Gesellschaften aus.

Sollte sich der Bericht über das Ende der Verhandlungen mit Unimot bestätigen, wäre damit erneut kein Käufer für den Shell-Anteil gefunden. Für den laufenden Betrieb der Raffinerie bedeutet dies zunächst keine bestätigte Veränderung. PCK produziert weiter und wird über alternative Rohölrouten versorgt. Offen bliebe jedoch erneut, wer Shell langfristig als Anteilseigner ersetzen könnte.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu