VW verschärft Sparkurs: Jetzt soll auch das Management schrumpfen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Volkswagen treibt seinen Konzernumbau weiter voran und nimmt dabei die eigenen Führungsstrukturen stärker ins Visier. Konzernchef Oliver Blume hat bei einer Betriebsversammlung im Werk Emden angekündigt, das Management um rund ein Viertel zu verkleinern. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Sparkurs des größten europäischen Autobauers noch nicht abgeschlossen ist. Für mehrere deutsche Werke fehlt weiterhin eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Zeit nach 2030.

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Volkswagen will auch bei Führungskräften sparen

Blume erklärte in Emden, Volkswagen prüfe die Managementstrukturen genau und wolle dort etwa ein Viertel der Stellen abbauen. Alle Bereiche des Unternehmens müssten ihren Beitrag leisten. Wie viele Positionen davon konkret betroffen wären und innerhalb welchen Zeitraums der Abbau vollständig umgesetzt werden soll, wurde zunächst nicht näher beziffert.

Die Ankündigung passt zu dem umfassenderen Zukunftsplan, den der Konzernvorstand im Juli vorgestellt hatte. Volkswagen hatte dabei unter anderem angekündigt, Strukturen und Beteiligungen zu straffen, die Komplexität im Unternehmen zu reduzieren und die Konzernsteuerung schlanker zu organisieren. Bereits bei der Hauptversammlung im Juni hatte Blume eine schlankere Konzernsteuerung als eines der zentralen Handlungsfelder bezeichnet.

Damit reicht das Sparprogramm über die Fahrzeugproduktion hinaus. Nach Blumes Darstellung sollen insbesondere auch Kosten in zentralen Funktionen, Entwicklung, Vertrieb und anderen Bereichen außerhalb der unmittelbaren Fertigung überprüft werden. Die Verringerung von Hierarchie- und Managementstrukturen wird damit zu einem sichtbaren Bestandteil des Konzernumbaus.

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Emden und Zwickau warten auf langfristige Perspektiven

Blume besuchte am Mittwoch die Elektroautowerke in Emden und Zwickau. Dort würdigte er bereits erreichte Kostensenkungen, machte zugleich aber deutlich, dass weitere Verbesserungen notwendig seien. Volkswagen müsse seine Werke nicht nur mit deren eigener Vergangenheit vergleichen, sondern mit den effizientesten Standorten in Europa.

Nach Blumes Angaben liegen die Arbeitskosten in den betroffenen deutschen Werken teilweise bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke günstiger. Der Konzernchef bezeichnete dies ausdrücklich nicht als Kritik an den Beschäftigten, sondern als wirtschaftliche Vergleichsgröße.

Besonders im Mittelpunkt stehen derzeit Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Für diese Standorte gibt es nach Angaben des Konzernchefs bislang keine wettbewerbsfähige Produktionsbelegung für die 2030er Jahre. Blume kündigte an, innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate belastbare Perspektiven für die Standorte entwickeln zu wollen. Eine Schließung sei nicht beschlossen.

Auch in Zwickau brachte Blumes Besuch zunächst keine konkrete langfristige Fahrzeugzusage. Das Werk hat in den vergangenen Jahren vollständig auf Elektroautos umgestellt. Die Beschäftigtenzahl ist bereits deutlich zurückgegangen. Die Frage, welche Modelle dort in den kommenden Jahren gefertigt werden, bleibt deshalb für die weitere Auslastung entscheidend.

Bereits mehr als 35.000 Stellen zum Abbau vereinbart

Vom aktuellen Umbau zu unterscheiden ist das bereits Ende 2024 vereinbarte Programm Zukunft Volkswagen. Volkswagen AG, IG Metall und Betriebsrat verständigten sich damals auf einen sozialverträglichen Abbau von mehr als 35.000 Stellen an deutschen Volkswagen-Standorten bis 2030. Zugleich wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 vereinbart.

Das Paket sieht außerdem vor, die technischen Produktionskapazitäten der deutschen Werke dauerhaft um 734.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Volkswagen bezifferte die angestrebte jährliche Entlastung bei den Arbeitskosten auf 1,5 Milliarden Euro. Zusammen mit weiteren Maßnahmen sollen sich mittelfristig Kosteneffekte von mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr ergeben.

Weitergehende Größenordnungen für zusätzliche Stellenstreichungen sind dagegen noch nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart. In den vergangenen Tagen wurde eine mögliche zusätzliche Größenordnung von Zehntausenden Stellen diskutiert. Der Aufsichtsrat soll am 4. September über zentrale Teile des neuen Umbauplans beraten. Werksschließungen bezeichnete Blume bislang als letztes Mittel.

Betriebsrat lehnt Kündigungen und Werksschließungen ab

Die Arbeitnehmervertreter stellen sich gegen betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo argumentiert, dass sich die Herausforderungen des Unternehmens nicht allein über Personalkosten, Stellenabbau und Standortentscheidungen lösen ließen. Sie verweist unter anderem auf Handelsbarrieren, die Konkurrenz aus China und die schwache Nachfrage auf Teilen des europäischen Marktes.

Die Auseinandersetzung dürfte deshalb vor allem darüber geführt werden, wie stark Volkswagen seine Kosten zusätzlich senken kann, ohne die Ende 2024 ausgehandelten Zusagen zur Beschäftigungssicherung grundlegend infrage zu stellen.

China und US-Zölle erhöhen den Druck

Der Konzernumbau findet in einem schwierigen internationalen Umfeld statt. Volkswagen steht in China unter starkem Wettbewerbsdruck durch heimische Hersteller, während neue Handelsbarrieren insbesondere das Nordamerika-Geschäft belasten. Zugleich muss der Konzern hohe Investitionen in Elektromobilität, Software und neue Fahrzeugarchitekturen finanzieren.

Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen ein gemischtes Bild. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz des Volkswagen-Konzerns mit 158,1 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Das operative Ergebnis sank jedoch um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite lag bei 3,8 Prozent. Der Fahrzeugabsatz ging gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent zurück.

Gleichzeitig entwickelte sich die Volumengruppe des Konzerns mit Volkswagen, Škoda, Seat/Cupra und Volkswagen Nutzfahrzeuge beim Ergebnis besser. Ihr operatives Ergebnis stieg im ersten Halbjahr um 4,5 Prozent auf 3,61 Milliarden Euro. Volkswagen führt dies unter anderem auf Kostendisziplin, günstigere Produktkosten und eine engere Zusammenarbeit der Marken zurück.

Für Blume bleibt dennoch die Kostenstruktur des Gesamtkonzerns ein zentrales Thema. Mit dem angekündigten Abbau eines Viertels der Managementstellen soll nun sichtbar auch die Führungsebene einen Teil des Sparprogramms tragen. Welche einzelnen Funktionen entfallen und wie die neue Führungsstruktur aussehen wird, war zunächst nicht konkretisiert.

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