Pelacarsen senkt Lp(a), verfehlt aber entscheidendes Studienziel

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat bei einem wichtigen Entwicklungsprogramm für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen Rückschlag hinnehmen müssen. Die Pelacarsen Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON hat ihren primären Endpunkt nicht erreicht. Pelacarsen senkte bei den Studienteilnehmern zwar den Lipoprotein(a)-Wert, kurz Lp(a), konnte in der untersuchten Gesamtpopulation aber keine ausreichende Verringerung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse gegenüber Placebo nachweisen. Das teilte Novartis am Freitag, 4. September 2026, mit.

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Damit bleibt eine zentrale Frage der Herz-Kreislauf-Medizin vorerst offen. Ein erhöhtes Lipoprotein(a) gilt als eigenständiger und weitgehend genetisch bestimmter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Lp(a)HORIZON-Studie sollte zeigen, ob eine gezielte starke Absenkung dieses Risikofaktors zusätzlich zu einer etablierten Behandlung tatsächlich weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere schwere kardiovaskuläre Ereignisse zur Folge hat.

Lp(a)HORIZON Studie mit mehr als 8.300 Patienten

An der internationalen, randomisierten und doppelblinden Phase-III-Studie nahmen 8.323 Patienten teil. Alle hatten bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und wiesen einen erhöhten Lp(a)-Wert von mindestens 70 Milligramm pro Deziliter auf. Als bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung galten unter anderem ein früherer Herzinfarkt, ein ischämischer Schlaganfall oder eine symptomatische periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Die Teilnehmer wurden im Verhältnis eins zu eins einer Behandlung mit Pelacarsen oder Placebo zugeteilt. Pelacarsen wurde in einer Dosis von 80 Milligramm einmal monatlich unter die Haut gespritzt. Gleichzeitig erhielten die Patienten die medizinisch vorgesehene Standardbehandlung ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter Therapien zur Senkung der Blutfette und des Blutdrucks.

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Als primärer Endpunkt wurde eine Kombination aus vier schweren Ereignissen festgelegt: Tod aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, nicht tödlicher Herzinfarkt, nicht tödlicher Schlaganfall sowie eine dringende Wiederherstellung der Blutversorgung der Herzkranzgefäße, für die eine Krankenhausaufnahme erforderlich war. Der Endpunkt wurde sowohl für die Gesamtgruppe ab einem Lp(a)-Wert von 70 Milligramm pro Deziliter als auch für eine Gruppe mit mindestens 90 Milligramm pro Deziliter vorgesehen.

Pelacarsen senkt Lp(a), klinischer Zusatznutzen fehlt aber

Novartis bestätigte, dass unter Pelacarsen niedrigere Lp(a)-Werte erreicht wurden. Das entsprach grundsätzlich den Ergebnissen früherer Untersuchungen. Für den entscheidenden klinischen Endpunkt reichte dieser Effekt jedoch nicht aus. Die Behandlung verringerte das Risiko der zusammengefassten schweren Herz-Kreislauf-Ereignisse in der Studie nicht ausreichend gegenüber Placebo, um den primären Endpunkt zu erreichen.

Konkrete Ereignisraten, die Größe des beobachteten Unterschieds zwischen Pelacarsen und Placebo sowie statistische Kennzahlen veröffentlichte Novartis in der ersten Mitteilung nicht. Auch detaillierte Ergebnisse der einzelnen Bestandteile des primären Endpunkts und weiterer Untergruppen wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Die vollständigen Ergebnisse sollen auf einem kommenden medizinischen Kongress vorgestellt werden. Einen konkreten Kongress nannte Novartis in der Mitteilung nicht.

Ionis Pharmaceuticals, das Pelacarsen ursprünglich entwickelt hatte, erklärte zusätzlich, das Präparat habe in Lp(a)HORIZON ein akzeptables Sicherheitsprofil gezeigt. Detaillierte Sicherheitsdaten wurden auch dort zunächst nicht veröffentlicht. Ionis hatte die frühe Entwicklung des Wirkstoffs übernommen. Novartis sicherte sich 2019 die Rechte zur weiteren Entwicklung und Vermarktung.

Frühere Studie zeigte starke Senkung des Laborwerts

Die Erwartungen an Pelacarsen beruhten unter anderem auf einer früheren Phase-II-Studie mit 286 Patienten, deren Ergebnisse 2020 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Dabei war eine dosisabhängige Senkung von Lipoprotein(a) beobachtet worden. Beim intensivsten damals untersuchten Behandlungsschema lag die durchschnittliche Verringerung bei rund 80 Prozent.

Diese Daten belegten jedoch zunächst nur, dass sich der Lp(a)-Wert pharmakologisch deutlich beeinflussen lässt. Ob daraus auch weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle entstehen, war damit nicht beantwortet. Genau diese wesentlich größere und für eine mögliche Zulassung entscheidende Frage sollte Lp(a)HORIZON klären.

Pelacarsen gehört zur Gruppe der Antisense-Oligonukleotide. Der Wirkstoff greift in die Produktion von Apolipoprotein(a) ein, einem entscheidenden Bestandteil von Lipoprotein(a). Dadurch soll bereits die Entstehung der Lp(a)-Partikel reduziert werden. Pelacarsen ist weiterhin ein experimenteller Wirkstoff und keine zugelassene Lp(a)-Therapie.

Erhöhtes Lipoprotein(a) bleibt wichtiger Risikofaktor

Das negative Studienergebnis bedeutet nicht, dass die medizinische Bedeutung eines erhöhten Lp(a)-Werts grundsätzlich widerlegt wäre. Genetische und epidemiologische Erkenntnisse sprechen weiterhin dafür, dass hohe Lp(a)-Konzentrationen mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Nach Angaben von Novartis sind die individuellen Lp(a)-Werte zu etwa 90 Prozent genetisch bestimmt und lassen sich durch Ernährung oder Lebensstil nur begrenzt beeinflussen. Etwa jeder fünfte Mensch weltweit weist nach Angaben des Unternehmens erhöhte Werte auf.

Auch aktuelle Fachleitlinien berücksichtigen Lp(a) stärker als früher. Die 2026 aktualisierte US-Leitlinie zum Management von Fettstoffwechselstörungen empfiehlt eine Messung von Lp(a) bei Erwachsenen mindestens einmal im Leben. Die europäische ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt ebenfalls, eine einmalige Bestimmung bei Erwachsenen zu erwägen.

Für Menschen mit erhöhtem Lp(a) existiert bislang allerdings kein speziell zugelassenes Medikament, das durch die gezielte Absenkung von Lp(a) nachweislich schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindert. Entsprechend konzentriert sich das Risikomanagement derzeit vor allem auf behandelbare Faktoren wie LDL-Cholesterin, Bluthochdruck, Rauchen und andere kardiovaskuläre Risiken.

Ergebnis betrifft auch den Wettbewerb um neue Lp(a)-Therapien

Das Ergebnis von Lp(a)HORIZON ist über Novartis hinaus für die Pharmaforschung relevant. Mehrere Unternehmen entwickeln Wirkstoffe, die Lp(a) mit unterschiedlichen RNA-basierten Verfahren stark reduzieren sollen.

Amgen untersucht beispielsweise Olpasiran in der Phase-III-Studie OCEAN(a)-Outcomes. Laut dem US-Studienregister ClinicalTrials.gov wurden 7.297 Patienten aufgenommen. Der primäre Studienabschluss ist derzeit für 2028 vorgesehen. Eli Lilly untersucht Lepodisiran in der Phase-III-Studie ACCLAIM-Lp(a), für die nach aktuellem Registerstand rund 17.300 Teilnehmer vorgesehen sind. Der primäre Abschluss wird für 2029 erwartet.

Das Scheitern des primären Endpunkts bei Pelacarsen beantwortet deshalb noch nicht abschließend, ob eine stärkere Lp(a)-Senkung mit anderen Wirkstoffen oder Behandlungsstrategien kardiovaskuläre Ereignisse verhindern kann. Unterschiede bei Wirkmechanismus, Ausmaß und Dauer der Lp(a)-Senkung sowie bei den untersuchten Patientengruppen müssen anhand der jeweiligen Studien bewertet werden.

Für Pelacarsen selbst fehlt dafür zunächst ein entscheidender Wirksamkeitsnachweis. Novartis hat mit den ersten Ergebnissen lediglich bestätigt, dass der Wirkstoff den angestrebten Laborwert senkt, der primäre klinische Endpunkt der großen Phase-III-Studie aber nicht erreicht wurde. Weitere Einzelheiten zur Wirksamkeit, zu Untergruppen und zur Sicherheit dürften erst mit der vollständigen Präsentation der Lp(a)HORIZON-Daten belastbar beurteilt werden können.

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