
Die Zahl der Fälle wächst: Erneut wurden Pferde verletzt in OWL. Am Dienstag, 11. August 2026, machte die Polizei einen weiteren Vorfall in Bad Driburg-Dringenberg öffentlich. Allein im Kreis Höxter handelt es sich nach Behördenangaben mittlerweile um den fünften bekannt gewordenen Fall mit einem verletzten Pferd. Hinzu kommen vergleichbare Vorfälle in Lügde im Kreis Lippe und in Delbrück-Hagen im Kreis Paderborn. Damit sind seit Anfang Juni mindestens sieben verletzte Pferde in Ostwestfalen-Lippe bekannt. Ob alle Taten miteinander zusammenhängen, ist allerdings weiterhin offen.
Der jüngste bekannt gewordene Fall ereignete sich bereits am Mittwoch, 5. August, in Bad Driburg-Dringenberg. Nach Angaben der Kreispolizeibehörde Höxter wurde das Pferd zwischen 22 und 23 Uhr auf einer Koppel am Buchholz von einem oder mehreren bislang unbekannten Tätern mit einem scharfen Gegenstand an einem Hinterbein verletzt. Sein Halter entdeckte die Verletzung am folgenden Morgen und brachte das Tier zur Behandlung in eine Tierklinik. Angezeigt wurde der Vorfall allerdings erst am Montag, 10. August.
Bei ihren Ermittlungen verfolgt die Polizei inzwischen auch einen möglichen Ansatz zum Vorgehen. Die Tiere könnten mit Futter angelockt worden sein. Pferdehalter werden deshalb zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen. Wer am 5. August zwischen 22 und 23 Uhr im Bereich Buchholz verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich bei der Polizei Höxter melden. Die Behörde bittet ausdrücklich um konkrete Hinweise und warnt zugleich vor Spekulationen und eigenen Ermittlungen.
Mit Dringenberg zählt die Polizei inzwischen offiziell fünf Fälle im Kreis Höxter, bei denen Pferde verletzt worden sind. Begonnen hatte die auffällige Häufung Anfang Juni in Marienmünster-Altenbergen. Dort wurde ein junges Pferd auf einer Weide mit schweren Verletzungen an beiden Hinterläufen gefunden. Die Wunden waren so gravierend, dass das Tier eingeschläfert werden musste. Nach Recherchen des WDR waren die Hinterläufe tief verletzt worden.
Ende Juni kam es erneut in Altenbergen zu einem Vorfall. Zwischen dem 26. Juni am späten Nachmittag und dem frühen Morgen des 27. Juni wurde ein nur etwa zwei Monate altes Fohlen in einem Stall schwer an einem Hinterbein verletzt. Der Besitzer entdeckte eine tiefe Schnittwunde und brachte das Tier in eine Tierklinik. Bereits damals untersuchte die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit dem ersten Fall.
Nur wenige Tage nach dem zweiten Altenberger Fall wurde am 2. Juli ein weiteres verletztes Fohlen bei Marienmünster-Papenhöfen entdeckt. Das knapp zwei Monate alte Tier stand zusammen mit anderen Pferden auf einer Weide am Kirchweg zwischen Papenhöfen und Kleinenbreden. Es wies eine Schnittverletzung am Unterbauch auf. Die Polizei sprach damals bereits vom dritten entsprechenden Vorfall innerhalb weniger Wochen. Pferdehalter in der Umgebung organisierten daraufhin zusätzliche Kontrollen.
Anfang August folgte der vierte Fall im Kreis Höxter. Zwischen dem 1. August um 16 Uhr und dem 2. August gegen 10.30 Uhr gelangten Unbekannte auf eine Koppel am Wittelweg in Höxter-Bödexen. Die 59-jährige Besitzerin fand ihr Pferd anschließend mit erheblichen Verletzungen im Halsbereich. Anders als bei anderen Fällen stellte die Polizei ausdrücklich fest, dass diese Verletzungen nach dem damaligen Ermittlungsstand nicht durch ein Messer verursacht worden waren.
Die Pferde-Serie im Kreis Höxter ist nicht die einzige auffällige Häufung in der Region. Auch im unmittelbar benachbarten Kreis Lippe ermittelt die Polizei nach einer schweren Verletzung eines Pferdes. Zwischen Dienstagabend, 4. August, und Mittwochmorgen, 5. August, wurde auf einer Weide an der Oberen Dorfstraße in Lügde eine Stute erheblich im Vaginalbereich verletzt. Das Tier musste anschließend tierärztlich behandelt werden.
Die Polizei Lippe betrachtet im Zuge ihrer Ermittlungen ausdrücklich auch andere Vorkommnisse in der Region. Dazu gehört ein ungewöhnlicher Fund in Schlangen. Dort wurde am Rand einer Weide an der Haustenbecker Straße eine sogenannte Pferdebremse entdeckt, mit der Pferde fixiert beziehungsweise ruhiggestellt werden können. Ein verletztes Pferd wurde dort allerdings nicht festgestellt. Der Fund ist deshalb kein weiterer bestätigter Verletzungsfall.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich bereits Ende Juni in Delbrück-Hagen im Kreis Paderborn. Nach Angaben der Polizei Paderborn wurde ein Pferd zwischen dem 23. und 30. Juni auf einer Weide am Blumenweg vermutlich mit einem spitzen Gegenstand am Kopf verletzt. Die Polizei leitete Ermittlungen ein und suchte ebenfalls nach Zeugen. Damit fällt auch dieser Fall genau in den Zeitraum, in dem die ersten Verletzungen im benachbarten Kreis Höxter bekannt wurden.
Ob der Delbrücker Fall mit den Pferden, die im Kreis Höxter verletzt wurden, oder dem Vorfall in Lügde zusammenhängt, ist bislang nicht festgestellt. Entsprechend lassen sich die mindestens sieben Fälle in OWL zwar als auffällige regionale Häufung darstellen, aber nicht als nachgewiesene Tatserie eines einzelnen Täters. Einen solchen Schluss haben die Ermittlungsbehörden bislang nicht gezogen.
Fest steht dagegen, dass die Ermittler die Vorgänge nicht isoliert betrachten. Die zuständigen Kommissariate der Kreispolizeibehörde Höxter und der Polizei Lippe stehen nach Angaben der Polizei im Austausch. Ob dieselbe Person, mehrere Personen oder voneinander unabhängige Täter für die Verletzungen verantwortlich sind, ist Teil der laufenden Ermittlungen. Gerade deshalb vermeidet die Polizei bislang eine Festlegung auf eine zusammenhängende Serie.
Die Bilanz ist dennoch außergewöhnlich: Seit Anfang Juni sind nach den bislang veröffentlichten Polizeimeldungen mindestens sieben Pferde verletzt in OWL bekannt geworden, fünf davon allein im Kreis Höxter. Ein Tier aus Altenbergen überlebte seine schweren Verletzungen nicht. Im jüngsten Fall von Dringenberg hofft die Polizei nun insbesondere auf Beobachtungen aus der Bevölkerung. Hinweise nimmt die Kreispolizeibehörde Höxter unter der Telefonnummer 05271/962-0 entgegen.






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