Keine Einigung über Sitzordnung: Berliner Philharmoniker ersetzen Iván Fischer

Symbolbild: Mikrofon auf einer Bühne
Lestat (Jan Mehlich), CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

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Eine unterschiedliche Vorstellung über die Platzierung der Musiker hat zu einem kurzfristigen Dirigentenwechsel bei den Berliner Philharmonikern geführt. Der ungarische Dirigent Iván Fischer wird drei für Anfang November geplante Konzerte nicht leiten. Orchester und Dirigent konnten sich bei der Aufführung von Gustav Mahlers Fünfter Symphonie nicht auf eine gemeinsame Orchesteraufstellung verständigen. Die Konzerte sollen dennoch wie vorgesehen stattfinden.

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Berliner Philharmoniker bestätigen Dirigentenwechsel für drei Konzerte

Die Berliner Philharmoniker bestätigten die Umbesetzung am Donnerstag, 29. Oktober 2026. Betroffen sind drei Symphoniekonzerte in der Philharmonie Berlin. Sie finden am Donnerstag, 5. November, und Freitag, 6. November, jeweils um 20 Uhr sowie am Samstag, 7. November, um 19 Uhr statt.

Die Auftritte von Iván Fischer in Berlin waren Bestandteil der Konzertsaison 2026/27. An seiner Stelle übernimmt nun der kolumbianische Dirigent Andrés Orozco-Estrada die musikalische Leitung.

Die Entscheidung sei im gegenseitigen Einvernehmen getroffen worden, erklärten die Berliner Philharmoniker. Das Orchester und Fischer bedauerten die Entwicklung und respektierten die jeweilige Haltung der anderen Seite.

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Eine vollständige Absage der Konzerte ist damit nicht verbunden. Auch die ursprünglich angekündigten Werke bleiben auf dem Programm.

Iván Fischer erklärt seine Haltung zur Orchesteraufstellung

Auslöser der Entscheidung war die geplante Anordnung der Musiker während Gustav Mahlers Fünfter Symphonie. Die Berliner Philharmoniker erklärten, dass sich beide Seiten nicht auf eine gemeinsame Aufstellung verständigen konnten.

Fischer äußerte sich anschließend in einer Videobotschaft auf Instagram. Darin erklärte er laut BR-KLASSIK, dass seine gewünschte Sitzordnung vom Orchester nicht akzeptiert worden sei. Für den Dirigenten sei diese Aufstellung jedoch von wesentlicher Bedeutung.

„Ich kann keine Kompromisse machen“, erklärte Fischer demnach. Die Anordnung der Instrumente sei entscheidend für den Klang und den musikalischen Zusammenhang des Werkes.

Damit begründete Fischer seine Haltung ausdrücklich mit künstlerischen Überlegungen. Welche konkrete Platzierung der Musiker er für die Berliner Aufführungen vorgesehen hatte, wurde zunächst nicht öffentlich erläutert. Ebenso blieb offen, welche Einzelheiten der gewünschten Aufstellung aus Sicht des Orchesters nicht umsetzbar waren.

Die Berliner Philharmoniker machten über die gemeinsame Erklärung hinaus keine näheren Angaben zu den unterschiedlichen Vorstellungen.

Warum die Sitzordnung eines Orchesters den Klang beeinflusst

Bei einem großen Symphonieorchester ist die Verteilung der Instrumentengruppen auf der Bühne nicht ausschließlich eine organisatorische Frage. Ihre Position kann beeinflussen, wie einzelne Stimmen im Konzertsaal wahrgenommen werden und wie sich die Klänge der verschiedenen Instrumentengruppen miteinander verbinden.

Die Berliner Philharmoniker erläutern auf ihrer eigenen Internetseite, dass grundsätzlich die Dirigentin oder der Dirigent über die Anordnung der Musiker entscheidet. Dabei spielten unter anderem das aufzuführende Werk, die Akustik des Saales und die Abstimmung zwischen den Instrumentengruppen eine Rolle. Änderungen erfolgten häufig in Absprache mit dem Orchestervorstand.

Unterschiede bestehen beispielsweise bei der Platzierung der Streicher. Während bei einer verbreiteten amerikanischen Aufstellung die beiden Violingruppen nebeneinander sitzen, befinden sie sich bei der traditionellen deutschen Anordnung auf gegenüberliegenden Seiten des Orchesters. Auch die Position der Kontrabässe und der Hörner kann variieren.

Fischer ist dafür bekannt, bei seinen Aufführungen mit der räumlichen Verteilung der Instrumente zu arbeiten. Bei einem Konzert mit dem Budapest Festival Orchestra in New York im Februar 2020 ließ er während Mahlers Fünfter Symphonie beispielsweise das Solohorn vor dem Orchester spielen. Die Kontrabässe befanden sich hinter den Holzbläsern, während auch die Blechbläser anders verteilt waren.

Ob Fischer für Berlin eine vergleichbare Anordnung verlangte, ist nicht bestätigt.

Andrés Orozco-Estrada übernimmt unverändert das Konzertprogramm

Mit Andrés Orozco-Estrada haben die Berliner Philharmoniker kurzfristig einen Ersatzdirigenten gefunden. Der gebürtige Kolumbianer ist seit Herbst 2025 Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Gürzenich-Kapellmeister. Im Herbst 2026 übernahm er außerdem die Chefposition beim Schwedischen Radio-Symphonieorchester.

Für Orozco-Estrada ist es erst der zweite Auftritt bei den Berliner Philharmonikern. Sein Debüt mit dem Orchester gab er 2017.

Die musikalischen Werke und die bereits angekündigten Solisten bleiben bei den Novemberkonzerten unverändert.

Eröffnet werden die Abende mit Joseph Haydns Sinfonia concertante in B-Dur, Hob. I:105. Das Werk verbindet vier Soloinstrumente mit dem Orchester. Die Solopartien übernehmen Noah Bendix-Balgley an der Violine, Bruno Delepelaire am Violoncello, Jonathan Kelly an der Oboe und Stefan Schweigert am Fagott.

Nach der Pause folgt Gustav Mahlers Symphonie Nr. 5. Das Werk gehört zu den bekanntesten Kompositionen des österreichischen Komponisten. Besonders das Adagietto, der vierte Satz der Symphonie, hat auch außerhalb des klassischen Konzertbetriebs große Bekanntheit erlangt.

Die angekündigte Gesamtdauer der Konzerte beträgt etwa zwei Stunden und 15 Minuten einschließlich einer Pause.

Tickets für die Novemberkonzerte bleiben nutzbar

Für Besucherinnen und Besucher ändert sich durch die Umbesetzung weder der Veranstaltungstermin noch das angekündigte Musikprogramm. Die drei Konzerte sind weiterhin im offiziellen Veranstaltungskalender der Berliner Philharmoniker aufgeführt.

Die regulären Eintrittspreise liegen laut Konzertübersicht zwischen 40 und 114 Euro. Bereits erworbene Karten können weiterhin für die jeweiligen Veranstaltungen genutzt werden.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Stiftung Berliner Philharmoniker sehen vor, dass Änderungen der Besetzung grundsätzlich keinen Anspruch auf Rückgabe oder Umtausch von Eintrittskarten begründen. Eine besondere Erstattungsregelung für den Wechsel von Fischer zu Orozco-Estrada wurde nicht angekündigt.

Auch die Konzerteinführungen bleiben vorgesehen. Sie beginnen an den beiden ersten Konzertabenden jeweils um 19.15 Uhr und am Samstag um 18.15 Uhr.

Fischer arbeitet seit 1989 mit den Berliner Philharmonikern

Die kurzfristige Entscheidung betrifft eine über Jahrzehnte gewachsene künstlerische Zusammenarbeit. Iván Fischer ist nach Angaben der Digital Concert Hall bereits seit 1989 als Gastdirigent mit den Berliner Philharmonikern verbunden.

In früheren gemeinsamen Aufführungen beschäftigte er sich ebenfalls intensiv mit den Werken Gustav Mahlers. So dirigierte er 2016 dessen Dritte Symphonie mit den Berliner Philharmonikern und der Mezzosopranistin Anna Larsson.

Im Jahr 2022 leitete Fischer außerdem ein Konzert mit Richard Strauss und Mahlers Erster Symphonie. Die Aufführung ist im digitalen Konzertarchiv des Orchesters dokumentiert.

Der 1951 in Budapest geborene Dirigent gründete 1983 gemeinsam mit Zoltán Kocsis das Budapest Festival Orchestra. Er war außerdem Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin und wurde später zu dessen Ehrendirigenten ernannt.

Ob die Meinungsverschiedenheit Auswirkungen auf künftige gemeinsame Projekte mit den Berliner Philharmonikern haben wird, blieb zunächst offen. Die offizielle Mitteilung bezieht sich ausschließlich auf die drei Konzerte im November.

Fischer bietet kostenlose Mahler-Aufnahme als Alternative an

Für Konzertbesucher, die insbesondere Fischer als Mahler-Dirigenten erleben wollten, verwies der Musiker in seiner Videobotschaft auf eine alternative Aufführung.

Dabei handelt es sich um eine Aufnahme des Budapest Festival Orchestra aus dem Concertgebouw in Amsterdam vom 13. Mai 2025. Das Konzert entstand im Rahmen des Mahler-Festivals und umfasst die Kindertotenlieder mit Anna Lucia Richter sowie Mahlers Fünfte Symphonie.

Die etwa 106 Minuten lange Konzertaufzeichnung wird auf der Streamingplattform Stage+ kostenlos angeboten. Fischer hatte die Aufnahme dem Berliner Publikum als Ausgleich für seine entfallenen Auftritte empfohlen.

Während Fischer damit auf eine eigene Interpretation der Symphonie verweist, bereiten sich die Berliner Philharmoniker auf die drei Aufführungen unter Orozco-Estrada vor. Für das Publikum bleibt das angekündigte Konzertprogramm erhalten, allerdings mit einem anderen Dirigenten am Pult.

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