Neue PISA-Studie: Deutschlands Schulen stehen vor der nächsten Bilanz

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Deutschland blickt auf die nächste große Bestandsaufnahme seines Schulsystems. Am Dienstag, 8. September 2026, werden die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie PISA 2025 veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Naturwissenschaften. Zugleich wurden erneut die Kompetenzen 15-Jähriger im Lesen und in Mathematik untersucht. Hinzu kommt erstmals der Bereich Lernen in der digitalen Welt.

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Schon vor der offiziellen Vorstellung gibt es Hinweise darauf, dass eine deutliche Erholung Deutschlands nach den schwachen Ergebnissen von 2022 ausbleiben könnte. Die Bild-Zeitung berichtete unter Berufung auf ihr vorliegende Informationen von einer weiteren Verschlechterung. Offiziell bestätigt waren am Montagabend jedoch noch keine neuen deutschen Punktwerte. Die vollständigen Ergebnisse sollen erst am Dienstag vorgestellt werden.

Damit bleiben zunächst die Werte aus PISA 2022 die letzte veröffentlichte Vergleichsbasis. Damals erreichten die 15-Jährigen in Deutschland durchschnittlich 475 Punkte in Mathematik, 480 Punkte beim Lesen und 492 Punkte in den Naturwissenschaften. In allen drei Bereichen waren die Leistungen gegenüber 2018 deutlich gesunken.

PISA 2025 wird am Dienstag offiziell vorgestellt

Die OECD will die neunte PISA-Erhebungsrunde am Dienstag um 9.30 Uhr veröffentlichen. Parallel werden die deutschen Ergebnisse in Berlin vorgestellt. Angekündigt sind Bundesbildungsministerin Karin Prien, die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und bayerische Kultusministerin Anna Stolz, der deutsche PISA-Projektleiter Samuel Greiff sowie OECD-Mitautor Francesco Avvisati.

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Die Studie trägt den Namen PISA 2025, weil die Tests im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Die Veröffentlichung erfolgt 2026. Weltweit nahmen mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. In Deutschland wurden rund 6.700 Jugendliche im Alter von 15 Jahren an etwa 250 Schulen getestet. Die Stichprobe soll die Altersgruppe bundesweit repräsentieren.

Anders als bei PISA 2022, als Mathematik im Zentrum stand, bilden bei PISA 2025 die Naturwissenschaften den Schwerpunkt. Untersucht wird dabei nicht allein, ob Jugendliche Fachwissen wiedergeben können. Entscheidend ist auch, ob sie naturwissenschaftliche Informationen beurteilen, Daten und Belege einordnen und Kenntnisse auf konkrete Probleme anwenden können.

Daneben wurden Mathematik und Lesekompetenz erneut erhoben. Neu ist der internationale Bereich Lernen in der digitalen Welt. Er soll unter anderem erfassen, wie Jugendliche digitale Werkzeuge einsetzen, um Wissen aufzubauen und Probleme zu lösen. Deutschland nahm zudem an einer Untersuchung der Englischkenntnisse teil. Die Ergebnisse dieses Zusatzbereichs sollen allerdings erst 2027 veröffentlicht werden.

Die bisherigen Werte markieren einen deutlichen Rückgang

Für Deutschland war PISA 2022 eine deutliche Zäsur. In Mathematik sank die durchschnittliche Leistung von 500 Punkten im Jahr 2018 auf 475 Punkte. Im Lesen ging der Wert von 498 auf 480 Punkte zurück. In den Naturwissenschaften fiel Deutschland von 503 auf 492 Punkte.

Besonders relevant war dabei nicht nur die Entwicklung der Durchschnittswerte. Rund 30 Prozent der getesteten Jugendlichen in Deutschland erreichten in Mathematik nicht die grundlegende Kompetenzstufe 2. Im Lesen lag der Anteil bei etwa 25 Prozent, in den Naturwissenschaften bei rund 23 Prozent.

Deutschland lag damit 2022 in Mathematik und beim Lesen ungefähr im Bereich des OECD-Durchschnitts. In den Naturwissenschaften schnitten die deutschen Jugendlichen weiterhin über dem Durchschnitt der OECD-Staaten ab. Der langfristige Abstand zu früheren deutschen Ergebnissen war dennoch erheblich.

In Mathematik hatte Deutschland 2012 noch 514 Punkte erreicht. Bei der Lesekompetenz lag der Höchstwert 2015 bei 509 Punkten. In den Naturwissenschaften wurden 2012 durchschnittlich 524 Punkte gemessen. Seitdem zeigt die längerfristige Entwicklung in allen drei Bereichen nach unten.

Ein Vorabbericht deutet auf keine schnelle Trendwende hin

Ob PISA 2025 einen weiteren historischen Tiefstand bringt, lässt sich vor der offiziellen Freigabe der Daten noch nicht belastbar beziffern. Die Bild-Zeitung berichtete vorab, dass sich die Leistungen erneut verschlechtert hätten und eine Trendwende nicht erkennbar sei. Konkrete neue Punktwerte veröffentlichte das Blatt zunächst nicht.

Eine unabhängige Bestätigung einzelner neuer deutscher Ergebnisse lag am Montagabend noch nicht vor. Die OECD führte ihren Ergebnisbericht zu diesem Zeitpunkt weiterhin als Veröffentlichung für den 8. September.

Damit wäre es verfrüht, bereits konkrete Rangplätze oder Punktverluste Deutschlands zu nennen. Auch internationale Vergleiche der neuen Runde lassen sich erst mit den vollständigen Datensätzen sinnvoll einordnen. Bei PISA sind kleine Unterschiede zwischen Ländern zudem nicht automatisch statistisch bedeutsam.

Bildungspolitik setzt stärker auf Basiskompetenzen

Die schwachen Leistungen aus früheren Vergleichsstudien haben Bund und Länder bereits zu mehreren Programmen veranlasst. Das umfangreichste ist das Startchancen-Programm, das seit dem Schuljahr 2024/25 läuft.

Bund und Länder wollen über zehn Jahre zusammen rund 20 Milliarden Euro investieren. Gefördert werden gut 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler. Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche sollen von dem Programm profitieren.

Ein Schwerpunkt liegt auf Lesen, Schreiben und Rechnen. An den teilnehmenden Schulen soll die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik verfehlen, bis zum Ende der Programmlaufzeit deutlich sinken. Zusätzlich fließen Mittel in Schulgebäude, zusätzliche pädagogische Unterstützung und die Schulentwicklung.

Hintergrund ist ein Problem, das frühere PISA-Auswertungen wiederholt sichtbar machten. In Deutschland besteht ein vergleichsweise enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischen Leistungen. Jugendliche aus sozial privilegierten Familien erreichen im Durchschnitt deutlich höhere Kompetenzwerte als Gleichaltrige aus benachteiligten Haushalten.

Verbände richten den Blick auf Lesen und Bildungsgerechtigkeit

Schon unmittelbar vor der Veröffentlichung rücken Verbände grundlegende Bildungsfragen erneut in den Mittelpunkt. Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, forderte mit Blick auf die Bedeutung des Lesens stärkere politische Aufmerksamkeit für Lesekompetenz und gesellschaftliche Teilhabe.

Auch Bildungsverbände haben in den vergangenen Jahren wiederholt zusätzliche Unterstützung für Schulen und eine stärkere Förderung benachteiligter Kinder verlangt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte nach PISA 2022 insbesondere den Lehr- und Fachkräftemangel sowie die soziale Ungleichheit als zentrale Probleme bezeichnet. Der Verband Bildung und Erziehung verweist regelmäßig auf die hohe Belastung des Schulpersonals und fordert bessere personelle Rahmenbedingungen.

Reaktionen dieser Verbände auf die vollständigen PISA-2025-Ergebnisse können allerdings erst nach Veröffentlichung der neuen Daten konkret auf diese Erhebungsrunde bezogen werden.

Neue Studie misst mehr als eine Rangliste

Die neue PISA-Runde dürfte deshalb nicht nur wegen der deutschen Position im internationalen Vergleich Aufmerksamkeit erhalten. Die OECD untersucht auch Lernbedingungen, Motivation, soziale Herkunft und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler.

Für Deutschland wird entscheidend sein, ob sich der langfristige Leistungsrückgang seit den Spitzenwerten der frühen 2010er-Jahre fortsetzt und wie groß die Gruppe der Jugendlichen ist, die grundlegende Anforderungen nicht erreicht. Ebenso relevant ist, ob sich die Unterschiede nach sozialer Herkunft verringert oder vergrößert haben.

Mit der offiziellen Veröffentlichung am Dienstag werden erstmals belastbare Antworten auf diese Fragen vorliegen. Bis dahin bleiben die Werte von 2022 der letzte gesicherte Maßstab für Deutschlands Schulleistungen im internationalen PISA-Vergleich.

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