
Deutschland steht zunächst vor mehreren hochsommerlichen Tagen. Doch während in Teilen des Landes Temperaturen deutlich über 30 Grad erwartet werden, richtet sich der Blick bereits auf die Großwetterlage nach dem Wochenende. Wettermodelle deuten auf eine Umstellung hin, durch die die heiße Luft zurückgedrängt werden könnte. Von einem sicheren oder außergewöhnlich starken Polarluftvorstoß nach Deutschland kann derzeit allerdings noch nicht gesprochen werden.
Der Deutsche Wetterdienst erwartet in seiner Mittelfristprognose zunächst weiterhin eine außergewöhnlich warme Luftmasse über Deutschland. In rund 1.500 Metern Höhe werden zum Teil Temperaturen von 15 bis mehr als 20 Grad berechnet. Das bietet bei Sonnenschein die Grundlage für hochsommerliche Temperaturen am Boden. Gleichzeitig nimmt mit zunehmender Vorhersagedauer die Unsicherheit darüber zu, wie schnell sich die Wetterlage anschließend verändert.
Für Deutschland bedeutet die aktuelle Wetterkonstellation zunächst vor allem eines: Sommerhitze. Der Zustrom warmer Luft und Hochdruckeinfluss können in zahlreichen Regionen für sonniges oder nur gering bewölktes Wetter sorgen. Ein meteorologisch „heißer Tag“ liegt nach Definition des Deutschen Wetterdienstes vor, sobald die Höchsttemperatur mindestens 30 Grad erreicht. Ab 35 Grad spricht der DWD von einem sehr heißen Tag.
Besonders der Süden und Südwesten können während solcher Wetterlagen deutlich höhere Temperaturen erreichen als die Küstenregionen. In der mittleren Troposphäre liegt derzeit eine ausgesprochen warme Luftmasse über weiten Teilen Mitteleuropas. Die aktuelle DWD-Mittelfristanalyse nennt für die 850-Hektopascal-Fläche eine Spanne von etwa 15 bis 23 Grad über Deutschland, mit den höchsten Werten Richtung Südwesten.
Damit ist zunächst noch kein früher Herbst in Sicht. Die mögliche Abkühlung betrifft vielmehr die Entwicklung nach der heißesten Phase.
Bei einer Großwetterlage geht es nicht nur darum, ob es an einem einzelnen Ort regnet oder die Sonne scheint. Der Begriff beschreibt laut Deutschem Wetterdienst die großräumige Luftdruckverteilung über Europa und Teilen des Nordatlantiks über mehrere Tage. Entscheidend sind dabei unter anderem Hoch- und Tiefdruckgebiete sowie die Strömung in höheren Schichten der Atmosphäre.
Genau diese großräumige Zirkulation könnte sich nach dem Wochenende verändern. Zieht ein Tiefdrucksystem über Nord- oder Nordosteuropa weiter und verschiebt sich gleichzeitig der Hochdruckeinfluss, kann die Strömung über Deutschland von westlichen oder südlichen Richtungen stärker auf West bis Nordwest drehen.
Damit würde die derzeit sehr warme Luft allmählich ausgeräumt. Eine Kaltfront kann dabei als Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Luftmassen fungieren. Hinter einer solchen Front folgt typischerweise eine Abkühlung.
Hier ist eine wichtige Einschränkung nötig. Die derzeitigen Prognosen sprechen zwar für die Möglichkeit einer deutlichen Abkühlung, ein flächendeckender und außergewöhnlich kräftiger Polarluftvorstoß ist für die kommende Woche noch nicht ausreichend abgesichert.
Der Ausdruck „Polarluft“ beschreibt eine Luftmasse, deren Ursprung in höheren Breiten liegt. Das bedeutet im August jedoch keineswegs automatisch kaltes Wetter im winterlichen Sinn. Polare oder subpolare Luft erwärmt sich auf ihrem Weg nach Mitteleuropa und kann im Hochsommer am Boden immer noch Temperaturen erreichen, die als angenehm oder sogar sommerlich empfunden werden.
Entscheidend wäre deshalb nicht allein die Herkunft der Luft, sondern auch die genaue Zugbahn der Tiefdruckgebiete, die Windrichtung und die Dauer des Zustroms. Erst wenn sich diese Faktoren in den kommenden Modellläufen stabilisieren, lässt sich beurteilen, ob tatsächlich maritime Polarluft bis weit nach Deutschland gelangt.
Auch ohne außergewöhnlichen Polarluftvorstoß kann der Kontrast erheblich ausfallen. Werden zuvor beispielsweise mehr als 30 Grad erreicht und sinken die Tageshöchstwerte anschließend wieder deutlich unter diese Marke, fühlt sich der Wetterwechsel schnell markant an.
Das gilt besonders nach mehreren heißen Tagen hintereinander. Eine auf Nordwest drehende Strömung transportiert häufig kühlere und feuchtere Atlantikluft nach Mitteleuropa. Gleichzeitig können Fronten Schauer oder Gewitter bringen. Ob es dabei verbreitet regnet oder einzelne Regionen weitgehend trocken bleiben, lässt sich einige Tage im Voraus jedoch noch deutlich schlechter bestimmen als die grundsätzliche Temperaturentwicklung.
Auch eine Kaltfront bedeutet nicht automatisch Dauerregen. Der DWD beschreibt sie grundsätzlich als Luftmassengrenze, hinter der gewöhnlich kühlere Luft folgt. Je nach Wetterlage kann der Frontdurchgang mit Wolken, Schauern, Gewittern oder auch nur einer vergleichsweise unspektakulären Winddrehung verbunden sein.
Auch Nordrhein-Westfalen liegt zunächst noch im Einfluss der warmen Sommerluft. Sollte die Strömung später auf West oder Nordwest drehen, gehört NRW aufgrund seiner geografischen Lage zu den Regionen, die einen atlantischen Luftmassenwechsel häufig relativ früh zu spüren bekommen.
Für Münster und das Münsterland wäre deshalb vor allem die Entwicklung ab Sonntag, 16. August, und zu Beginn der neuen Woche interessant. Nach der hochsommerlichen Phase könnten die Temperaturen zurückgehen und die Wahrscheinlichkeit für wechselhafteres Wetter zunehmen.
Wie stark die Abkühlung tatsächlich ausfällt, ist derzeit noch offen. Der DWD weist bei seinen längerfristigen Trendprognosen ausdrücklich darauf hin, dass mehrere Modellberechnungen herangezogen werden, um die mögliche Bandbreite der Entwicklung abzubilden. Je weiter die Prognose in die Zukunft reicht, desto größer wird in der Regel diese Spanne.
Für Schlagzeilen über einen unmittelbar bevorstehenden „Polarluft-Schock“ gibt die aktuelle Datenlage daher noch keinen belastbaren Anlass. Gut erkennbar ist dagegen eine andere Entwicklung: Nach mehreren sehr warmen bis heißen Tagen könnte die stabile Hochsommerlage an Kraft verlieren.
Ein Wechsel zu einer westlicheren oder nordwestlicheren Strömung würde die Hitze abschwächen und kühlere Luft nach Deutschland führen. Ob diese Luft meteorologisch tatsächlich in weiten Teilen als Polarluft einzuordnen sein wird und wie lange sie sich hält, müssen die nächsten Modellberechnungen zeigen.
Fest steht damit zunächst vor allem der starke Gegensatz in der möglichen Wetterentwicklung: Deutschland bekommt zunächst Hochsommer und Hitze. Danach steigen die Chancen auf eine deutlich frischere und wechselhaftere Wetterphase. Ob daraus tatsächlich der erste markante Polarluftvorstoß der zweiten Augusthälfte wird, bleibt vorerst offen.






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