
Kurz vor mehreren Landtagswahlen in Ostdeutschland spricht sich eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten gegen einen Ministerpräsidenten der AfD aus. Im neuen ZDF-Politbarometer vom 20. August 2026 bewerten 64 Prozent der Befragten ein solches Szenario negativ. Zugleich erreicht Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Bewertung von Sympathie und Leistung seinen bislang schlechtesten Wert in dieser Erhebung.
Die Ergebnisse treffen auf eine besonders zugespitzte politische Lage in Sachsen-Anhalt. Dort wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt in den jüngsten Landesumfragen mit mehr als 40 Prozent deutlich vor der CDU und strebt eine Alleinregierung an. Ob dafür nach der Wahl tatsächlich eine Mehrheit im Parlament vorhanden wäre, lässt sich aus den derzeitigen Umfragen nicht ableiten.
Das ZDF-Politbarometer August 2026 fragte bundesweit danach, wie die Menschen es bewerten würden, wenn die AfD nach einer Landtagswahl in einem ostdeutschen Bundesland den Ministerpräsidenten stellen würde. 64 Prozent antworteten, sie fänden dies schlecht. 23 Prozent würden einen AfD-Ministerpräsidenten gut finden, elf Prozent wäre dies gleichgültig.
Dabei zeigt sich ein Unterschied zwischen Ost und West. In den westdeutschen Bundesländern lehnen 66 Prozent ein solches Szenario ab. Unter den Befragten in Ostdeutschland sind es 53 Prozent. Damit gibt es auch dort eine Mehrheit gegen eine von der AfD besetzte Regierungsspitze, allerdings fällt sie deutlich kleiner aus.
Noch kritischer fällt die Einschätzung der möglichen politischen Folgen aus. Bundesweit erwarten 60 Prozent, dass die Politik in einem Bundesland schlechter würde, wenn die AfD dort regiert. 17 Prozent rechnen mit einer Verbesserung und weitere 17 Prozent mit keinem großen Unterschied. Im Osten erwarten 50 Prozent eine Verschlechterung, im Westen sind es 62 Prozent.
Das Politbarometer enthält zugleich neue Zahlen zur sogenannten Brandmauer der CDU. Die Partei schließt eine politische Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken grundsätzlich aus.
Bei der AfD wird diese Position von einer deutlichen Mehrheit getragen. 61 Prozent der Befragten halten es für richtig, dass die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt. 37 Prozent bewerten diese Haltung als falsch. Unter den Anhängern von CDU und CSU unterstützen 72 Prozent die Abgrenzung zur AfD.
Deutlich anders fällt das Urteil zur Linken aus. Nur 34 Prozent halten die Abgrenzung der CDU von der Linken für richtig, 62 Prozent lehnen sie ab. Auch unter Unionsanhängern fällt der Unterschied auf. Dort unterstützen 53 Prozent den entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linken.
Für Bundeskanzler Friedrich Merz enthält das Politbarometer ebenfalls schlechte Nachrichten. Bei der Bewertung von Sympathie und politischer Leistung erreicht der CDU-Vorsitzende auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf einen Durchschnittswert von minus 1,9. Ende Juli waren es noch minus 1,5. Nach Angaben des ZDF ist dies der bislang schlechteste Wert von Merz im Politbarometer.
Noch deutlicher fällt die Bewertung seiner Arbeit als Bundeskanzler aus. 75 Prozent der Befragten sind damit unzufrieden, nur 20 Prozent zufrieden. Zudem glauben 80 Prozent, die CDU stehe nicht vollständig hinter ihrem Parteivorsitzenden. Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU teilen 67 Prozent diese Einschätzung.
An der Spitze der Politikerbewertung bleibt Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD mit einem Wert von 1,3. Dahinter folgen Cem Özdemir mit 0,9 und Außenminister Johann Wadephul mit 0,1. AfD-Chefin Alice Weidel steht mit minus 2,5 am Ende der abgefragten Top Ten.
Auch bei der bundesweiten Parteipräferenz bleibt die politische Lage für die Union schwierig. In der Projektion des ZDF-Politbarometers erreicht die AfD 27 Prozent. CDU und CSU kommen gemeinsam auf 22 Prozent. Beide verlieren im Vergleich zur vorherigen Erhebung jeweils einen Prozentpunkt.
Die Grünen erreichen 14 Prozent, die SPD und die Linke jeweils zwölf Prozent. Die FDP liegt bei vier Prozent. Eine Mehrheit für die bestehende schwarz-rote Bundesregierung ergäbe sich aus dieser Projektion nicht.
Diese Werte beziehen sich auf eine hypothetische Bundestagswahl. Sie sagen nichts darüber aus, wie die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ausgehen wird. Bundesweite und landesweite Erhebungen bilden unterschiedliche Wählerschaften und politische Konstellationen ab.
In Sachsen-Anhalt ist die Situation besonders aufmerksam verfolgt, weil die AfD dort seit Monaten deutlich vor den übrigen Parteien liegt. Eine Ende Juli veröffentlichte Erhebung von Infratest dimap sah die AfD bei 41 Prozent und die CDU bei 24 Prozent. Die Linke kam auf 13 Prozent, die SPD auf sieben Prozent und die Grünen auf fünf Prozent.
Eine Anfang August durchgeführte Umfrage des Instituts pollytix im Auftrag der Kampagnenorganisation Campact sah die AfD bei 43 Prozent, die CDU bei 23 Prozent und die Linke bei 13 Prozent. SPD und Grüne lagen bei sieben beziehungsweise fünf Prozent. Das BSW erreichte vier Prozent.
Solche Werte sind Momentaufnahmen und keine Prognosen. Zudem kann die spätere Sitzverteilung erheblich davon beeinflusst werden, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Deshalb bedeutet selbst ein Stimmenanteil deutlich unter 50 Prozent nicht automatisch, dass eine absolute Mehrheit der Sitze ausgeschlossen ist. Umgekehrt garantiert ein Umfragewert von mehr als 40 Prozent noch keine parlamentarische Mehrheit.
Die AfD in Sachsen-Anhalt hat ihr Ziel für die Wahl klar formuliert. Sie strebt eine Alleinregierung an und will mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erstmals einen AfD-Ministerpräsidenten in Deutschland stellen. Sachsen-Anhalts amtierender Regierungschef Sven Schulze von der CDU führt derzeit eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Schulze übernahm das Amt Ende Januar 2026 von Reiner Haseloff.
Zusätzliche politische Bedeutung erhält der Wahlkampf durch die Einstufung des AfD-Landesverbands. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt führt ihn als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Die Behörde begründet dies mit Positionen und Äußerungen, die nach ihrer Bewertung gegen zentrale Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtet sind.
Ob aus den hohen Umfragewerten der AfD tatsächlich erstmals eine von ihr allein geführte Landesregierung entsteht, entscheidet sich erst mit der Sitzverteilung nach der Wahl und den anschließenden Mehrheitsverhältnissen im Landtag. Das neue Politbarometer zeigt jedoch, dass eine solche Regierung bundesweit weiterhin auf deutliche Ablehnung trifft, obwohl die AfD sowohl auf Bundesebene als auch in mehreren ostdeutschen Ländern hohe Umfragewerte erreicht.
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