
Porsche richtet sein Modellprogramm neu aus. Mit dem Mission S hat der Sportwagenhersteller am 15. Oktober 2026 in New York eine Studie für eine neue Supersportwagenfamilie vorgestellt. Zugleich plant das Unternehmen die Rückkehr eines SUV mit Verbrennungsmotor in die Größenklasse des Macan. Die Modelloffensive gehört zur Strategie „Sportwagenschmiede ’35“, mit der Porsche nach deutlichen Absatzverlusten seine Ertragskraft stärken will.
Der Kurswechsel betrifft sowohl das Luxussegment als auch das Geschäft mit sportlichen Geländewagen. Porsche setzt künftig stärker auf exklusive, besonders profitable Fahrzeuge, hält aber gleichzeitig an elektrischen Antrieben fest.
Der Porsche Mission S ist als Mittelmotor-Supersportwagen oberhalb des 911 positioniert. Anders als frühere Spitzenmodelle wie der Carrera GT oder der 918 Spyder soll die neue Fahrzeugplattform nicht ausschließlich für eine zeitlich begrenzte Kleinserie genutzt werden. Porsche plant vielmehr ein dauerhaftes Angebot mit unterschiedlichen Modellvarianten. Vorstandschef Michael Leiters bestätigte diese Ausrichtung bei der Vorstellung des Konzeptfahrzeugs.
Das Design stammt aus der Verantwortung von Tobias Sühlmann, dem Leiter Style Porsche. Auffällig sind die flache Karosserie, breite Kotflügel, runde Scheinwerfer und ein aktiver Heckflügel. Die Gestaltung greift Elemente historischer Modelle wie des 911 GT1, 959 und 928 auf. Im Innenraum kombiniert Porsche fünf klassische Rundinstrumente mit digitalen Anzeigen. Auf einen fest eingebauten zentralen Bildschirm verzichtet die Studie. Stattdessen ist eine ausfahrbare Smartphone-Halterung vorgesehen.
Die Weltpremiere fand an einem Pier im New Yorker Stadtteil Queens statt. Dort waren bereits 1953 Aufnahmen des Porsche 550 Spyder entstanden. Der historische Bezug unterstreicht die Bedeutung klassischer Sportwagen für die künftige Gestaltung der Marke. Technische Leistungsdaten, eine verbindliche Motorisierung, einen Verkaufspreis und einen konkreten Marktstart hat Porsche für den Mission S bislang nicht veröffentlicht. Das präsentierte Fahrzeug ist zunächst eine Designstudie.
Auch beim Macan verändert Porsche seine bisherige Modellstrategie. Die Produktion der bisherigen Verbrennerversion wurde im Sommer 2026 eingestellt. Künftig soll jedoch wieder ein SUV dieser Größenklasse mit Benzinmotor angeboten werden. Das neue Fahrzeug ist für 2028 vorgesehen und soll sowohl mit klassischem Verbrennungsmotor als auch mit Plug-in-Hybridantrieb erhältlich sein. Nach dem geplanten Produktionsanlauf erwartet Porsche für 2029 einen spürbaren Beitrag zu Umsatz und Profitabilität.
Eine wichtige Unterscheidung betrifft die Modellbezeichnung. Porsche kündigt offiziell ein neues SUV im B-Segment an, das parallel zum vollelektrischen Macan angeboten werden soll. Ob es tatsächlich wieder den Namen Macan tragen wird, ist damit noch nicht bestätigt. Auch technische Daten und Verkaufspreise stehen bislang nicht fest.
Wie bedeutend die bisherige Verbrennerversion für den Hersteller war, zeigen die aktuellen Verkaufszahlen. Von Januar bis September 2026 lieferte Porsche weltweit 51.025 Macan aus. Davon entfielen 27.996 Fahrzeuge auf den Verbrenner und 23.029 auf das Elektromodell. Insgesamt ging der Absatz der Baureihe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 Prozent zurück. Trotz des Produktionsendes waren damit in den ersten neun Monaten mehr Macan mit Verbrennungsmotor als Elektrofahrzeuge ausgeliefert worden.
Die strategischen Veränderungen fallen in eine wirtschaftlich schwierige Phase. In den ersten neun Monaten 2026 lieferte Porsche weltweit 178.532 Fahrzeuge aus. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 212.509 gewesen. Das entspricht einem Rückgang von 16 Prozent. Besonders deutlich fiel die Entwicklung in China aus: Dort sank der Absatz um 33 Prozent auf 21.493 Fahrzeuge. Auch in Nordamerika gingen die Auslieferungen zurück, und zwar um 13 Prozent auf 56.088 Fahrzeuge.
Der chinesische Markt bleibt für Porsche eine besondere Herausforderung. Bereits für 2025 hatte das Unternehmen auf intensiven Wettbewerb bei Elektrofahrzeugen und schwierige Bedingungen im Luxussegment verwiesen. Hinzu kommen Veränderungen im Modellangebot. Während der vollelektrische Taycan in den ersten neun Monaten 2026 weltweit 8.699 Auslieferungen und damit ein Minus von 31 Prozent verzeichnete, entwickelte sich der 911 deutlich besser. Seine Auslieferungen stiegen um zwölf Prozent auf 42.217 Fahrzeuge.
Finanziell zeigte sich zuletzt allerdings eine Stabilisierung. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Porsche einen Konzernumsatz von 17,23 Milliarden Euro nach 18,16 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis erhöhte sich von 1,01 auf 1,35 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite verbesserte sich von 5,5 auf 7,8 Prozent. Porsche führte diese Entwicklung unter anderem auf Kostendisziplin, Preisgestaltung und einen veränderten Produktmix zurück.
Mit seiner bis 2035 angelegten Strategie will Porsche die Abhängigkeit von hohen Verkaufszahlen verringern. Künftig sollen besonders hochwertige Modelle und zusätzliche Individualisierungsmöglichkeiten eine größere Rolle spielen. Bei Fahrzeugen an der Spitze des Angebots strebt der Hersteller mittelfristig eine Steigerung des durchschnittlichen Verkaufspreises um rund 20 Prozent an. Gleichzeitig soll die Zahl der Modellvarianten um etwa ein Fünftel sinken.
Die wirtschaftlichen Ziele sind ambitioniert. Porsche will seine Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 Fahrzeuge senken und mittelfristig eine operative Konzernumsatzrendite von zehn bis 15 Prozent erreichen. Langfristig liegt das Renditeziel bei 15 Prozent. Dazu gehören Kostensenkungen, kürzere Entwicklungszeiten und eine schlankere Organisation.
Eine vollständige Abkehr von Elektroautos ist mit der Neuausrichtung nicht verbunden. Porsche hält ausdrücklich an Verbrennern, Plug-in-Hybriden und vollelektrischen Fahrzeugen fest. So sollen auch die elektrischen Versionen von Boxster und Cayman das Modellangebot erweitern. Der neue Supersportwagen und das geplante SUV mit Benzinmotor ergänzen damit eine Modellpalette, die künftig unterschiedliche Antriebstechnologien gleichzeitig bedienen soll.
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