310 Beschäftigte betroffen: Prinz-Mayweg sucht Sanierungslösung

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Symbolbild: Evan Wise

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Der Stahlrohr-Spezialist Prinz-Mayweg ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Für mehrere miteinander verbundene Gesellschaften sind beim Amtsgericht Essen Insolvenzanträge gestellt worden. Betroffen sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters 310 Beschäftigte an vier deutschen Produktionsstandorten. Die Fertigung soll zunächst weiterlaufen, parallel wird nach einer Sanierungslösung und Investoren gesucht.

Der Insolvenzantrag bei Prinz-Mayweg trifft einen mittelständischen Zulieferer, der vor allem Präzisionsstahlrohre und daraus gefertigte Komponenten für die Automobilindustrie sowie weitere Industriekunden produziert. Die wirtschaftlichen Probleme fallen in eine Phase, in der sowohl die deutsche Stahlindustrie als auch zahlreiche Automobilzulieferer mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und tiefgreifenden Veränderungen ihrer Absatzmärkte kämpfen.

Gericht ordnet Sicherungsmaßnahmen für drei Gesellschaften an

Das Amtsgericht Essen ordnete am 9. September 2026 Sicherungsmaßnahmen für die Prinz & Co. GmbH Stahlrohre mit Sitz in Wickede an. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 161 IN 116/26. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Christian Holzmann bestellt. Verfügungen des Unternehmens über Vermögensgegenstände benötigen nach dem Gerichtsbeschluss grundsätzlich seine Zustimmung.

Ebenfalls betroffen ist die Präzisionsrohre Friedr. Wilhelm Mayweg GmbH & Co. KG in Altena. Für sie führt das Amtsgericht Essen das Verfahren unter dem Aktenzeichen 161 IN 115/26. Auch dort wurde Holzmann als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.

Hinzu kommt die MÜWI Verwaltungs GmbH aus Altena. Für diese Gesellschaft wurde am selben Tag unter dem Aktenzeichen 161 IN 117/26 ebenfalls eine Sicherungsmaßnahme angeordnet. Die MÜWI Verwaltungs GmbH ist persönlich haftende Gesellschafterin der Präzisionsrohre Friedr. Wilhelm Mayweg GmbH & Co. KG.

Damit befindet sich Prinz-Mayweg noch in der Phase des Insolvenzeröffnungsverfahrens. Über die endgültige Eröffnung der Verfahren war zunächst noch nicht entschieden.

Vier deutsche Produktionsstandorte mit 310 Beschäftigten betroffen

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters, die am 10. September veröffentlicht wurden, sind an den deutschen Standorten insgesamt 310 Beschäftigte betroffen. In Altena arbeiten demnach rund 150 Menschen, in Wickede etwa 110, in Werl 20 und in Werl-Westönnen 30. Die Produktion soll zunächst an allen Standorten weiterlaufen. Die Löhne und Gehälter werden nach diesen Angaben über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung abgesichert.

Auf seiner eigenen Internetseite gibt Prinz-Mayweg für die gesamte Gruppe rund 400 Beschäftigte an sechs Standorten an. Neben Wickede, Altena, Werl und Westönnen nennt das Unternehmen auch Standorte in Tschechien und Portugal. Die Produkte werden nach Unternehmensangaben in mehr als 26 Länder exportiert.

Die gerichtlichen Bekanntmachungen vom 9. September betreffen die genannten deutschen Gesellschaften. Unklar blieb zunächst, in welchem Umfang die ausländischen Einheiten von der finanziellen Neuordnung der Gruppe berührt werden.

Rohstoff-, Energiekosten und schwächere Umsätze belasten Unternehmen

Der vorläufige Insolvenzverwalter nannte Liquiditätsprobleme als unmittelbaren Anlass für die Anträge. Als Belastungen führte er gestiegene Rohstoff- und Energiepreise, hohe Fixkosten sowie zurückgegangene Umsatzerlöse an. Besonders im Sommer seien die Erlöse deutlich schwächer gewesen. Eine unabhängige Bestätigung der konkreten Ursachen lag zunächst nicht vor.

Holzmann kündigte zugleich einen strukturierten Investorenprozess an. Ziel sei eine Lösung für die Fortführung des Unternehmens und die Stabilisierung der Lieferketten. Gespräche mit Kunden und Lieferanten liefen bereits.

Prinz-Mayweg bezeichnet sich als Familienunternehmen mit einer Geschichte, die bis ins Jahr 1896 zurückreicht. Gefertigt werden geschweißte und gezogene Präzisionsstahlrohre sowie weiterverarbeitete Komponenten. Einsatzgebiete liegen unter anderem bei Sitzen, Lenksystemen, Fahrwerks- und Karosseriekomponenten sowie anderen industriellen Anwendungen.

Deutsche Stahlindustrie bleibt unter Druck

Die Lage des Unternehmens fällt in ein schwieriges Marktumfeld. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl lag die deutsche Rohstahlproduktion im Juli 2026 bei 2,679 Millionen Tonnen. Das waren 1,8 Prozent weniger als im Juli 2025. Von Januar bis Juli lag die Produktion bei 21,308 Millionen Tonnen und damit 6,8 Prozent über dem sehr schwachen Vorjahreszeitraum. Der Verband verwies jedoch weiterhin auf eine geringe Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen.

Im ersten Halbjahr 2026 lag die Rohstahlproduktion bei 18,6 Millionen Tonnen und damit rund neun Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet entsprach das nach Berechnungen des Branchenverbands etwa 37 Millionen Tonnen. Damit würde die Produktion weiterhin unter der Schwelle von 40 Millionen Tonnen liegen, die der Verband als wichtig für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung der deutschen Stahlindustrie bezeichnet.

Neben der Stahlbranche steht auch die Automobilindustrie, ein zentraler Absatzmarkt für Prinz-Mayweg, unter erheblichem Anpassungsdruck. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie lag die Pkw-Produktion in Deutschland von Januar bis August 2026 bei 2,65 Millionen Fahrzeugen. Das waren vier Prozent weniger als im entsprechenden Zeitraum 2025 und 16 Prozent weniger als 2019. Im August allein lag die Produktion bei 229.900 Pkw und damit vier Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Zulieferer bauen deutlich Beschäftigung ab

Besonders sichtbar ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Nach Daten des Statistischen Bundesamts waren Ende des ersten Halbjahres 2026 rund 691.500 Menschen in der deutschen Automobilindustrie beschäftigt. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Stand seit Beginn der vergleichbaren Daten im Jahr 2005.

Bei den Herstellern von Teilen und Zubehör für Kraftwagen lag die Beschäftigtenzahl Ende des ersten Halbjahres bei 219.500. Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt entsprach das einem Rückgang von 7,6 Prozent. Gleichzeitig sank die Beschäftigung in der Metallerzeugung und -bearbeitung um 3,7 Prozent auf 207.200 Personen und in der Herstellung von Metallerzeugnissen um 3,8 Prozent auf 471.700.

Die Prinz-Mayweg-Verfahren sind damit kein Beleg für eine einheitliche Ursache in der gesamten Branche. Sie treffen jedoch ein Unternehmen, dessen wichtigste Absatzmärkte derzeit von schwacher industrieller Auslastung, Kostendruck und strukturellem Wandel geprägt sind. Für die 310 Beschäftigten an den deutschen Standorten hängt die weitere Entwicklung nun wesentlich davon ab, ob im vorläufigen Insolvenzverfahren eine tragfähige Finanzierung und eine Sanierungslösung gefunden werden.

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