Putin setzt auf weitere Gebietsgewinne und verschärft Ton gegenüber Nato

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Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Kriegsziele in der Ukraine erneut bekräftigt und zugleich eine rasche weitere Verschiebung der Front zugunsten Moskaus vorausgesagt. Bei einer Veranstaltung des Waldai-Diskussionsklubs am Donnerstag, 1. Oktober 2026, erklärte Putin, Russland werde die noch von der Ukraine kontrollierten Teile des Gebiets Donezk nach seiner Einschätzung deutlich früher einnehmen, als dies nach den von ihm genannten ukrainischen und europäischen Einschätzungen zu erwarten sei. Zugleich wies er einen Vorschlag für eine begrenzte gegenseitige Einstellung bestimmter Fernangriffe zurück und verschärfte seine Warnungen an die Nato für den Fall eines direkten Konflikts.

Putins Donbass-Ziel bleibt damit ein zentraler Bestandteil der russischen Position im Krieg gegen die Ukraine. Allerdings sind seine Aussagen zum erwarteten russischen Vormarsch keine unabhängig bestätigte Prognose. Aktuelle Auswertungen des Frontverlaufs zeichnen bei den russischen Geländegewinnen ein deutlich zurückhaltenderes Bild als die vom Kreml genannten Zahlen.

Putin erwartet schnellere Einnahme weiterer Donezk-Gebiete

Putin erklärte, nach ukrainischen Einschätzungen könnten die verbliebenen Gebiete im von Russland beanspruchten Teil der Region Donezk noch etwa anderthalb Jahre gehalten werden. In Europa werde nach seiner Darstellung von zwei Jahren ausgegangen. Russland rechne dagegen damit, die Gebiete wesentlich früher unter seine Kontrolle zu bringen. Einen konkreten eigenen Zeitpunkt nannte Putin dabei nicht.

Im Mittelpunkt seiner Aussage standen die noch ukrainisch kontrollierten Gebiete der Region Donezk. Moskau beansprucht die gesamte ukrainische Region als russisches Staatsgebiet, obwohl Russland sie militärisch nicht vollständig kontrolliert.

Auch Putins Zahlen zur aktuellen Lage an der Front sind umstritten. Er sprach davon, dass die Ukraine nur noch etwa elf Prozent des von Moskau beanspruchten Donezker Gebiets kontrolliere, und behauptete außerdem, russische Truppen hätten allein im September 1.301 Quadratkilometer Gelände unter ihre Kontrolle gebracht. Unabhängige Auswertungen kommen zu erheblich anderen Ergebnissen. Reuters berichtete Ende September unter Berufung auf die aktuelle Lage, dass die Ukraine noch ungefähr 20 Prozent des Gebiets Donezk kontrolliere. Das Institute for the Study of War hatte bereits russische Angaben zu Geländegewinnen im August als deutlich überhöht bewertet.

Russische Angaben zu Vormarsch nicht unabhängig bestätigt

Das Institute for the Study of War kam für August auf rund 90 Quadratkilometer, die russische Truppen im gesamten Kampfgebiet tatsächlich neu besetzt oder konsolidiert hätten. Einschließlich russischer Infiltrationen lag die Fläche demnach bei rund 124 Quadratkilometern. Für September verwies das Institut zudem auf erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe und nahezu ausbleibende russische Nettogewinne in längeren Abschnitten des Jahres 2026.

Damit lässt sich aus Putins Aussage kein belastbarer Zeitplan für eine vollständige russische Einnahme der Region Donezk ableiten. Der Frontverlauf hängt unter anderem von der militärischen Lage, ukrainischen Gegenangriffen, verfügbaren Reserven und der weiteren Unterstützung beider Seiten ab. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass Russland die verbliebenen Gebiete innerhalb des von Putin angedeuteten Zeitraums einnehmen kann, liegt nicht vor.

Putin weist Vorschlag für begrenzte Waffenruhe zurück

Bei der Waldai-Veranstaltung äußerte sich Putin außerdem zu Vorschlägen, bestimmte weitreichende Angriffe gegenseitig einzustellen. Hintergrund sind Gespräche über eine mögliche Begrenzung von Angriffen auf Energieanlagen und andere wirtschaftlich bedeutende Ziele. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am 22. September erklärt, die Ukraine sei zu einer gegenseitigen Vereinbarung über Angriffe auf Energieinfrastruktur bereit, wenn Russland seinerseits auf entsprechende Angriffe verzichte.

Putin wies eine konkrete Variante zurück, nach der die Ukraine Angriffe auf russische Raffinerien einstellen und Russland im Gegenzug bestimmte Angriffe auf ukrainische Ziele beziehungsweise Schiffe beenden sollte. Diesen Austausch bezeichnete er sinngemäß als „lächerlich“. Seine Äußerung bezog sich damit auf dieses konkrete Modell einer Teil-Waffenruhe und nicht pauschal auf jeden Vorschlag zur Einstellung der Kampfhandlungen.

Putin erklärte zugleich, alle Vorschläge müssten die aus russischer Sicht maßgeblichen Interessen berücksichtigen. Bereits wenige Tage zuvor hatte er gesagt, verschiedene Vorschläge für eine Beendigung des Krieges lägen weiterhin auf dem Tisch, Russland müsse jedoch prüfen, welche davon seinen Interessen entsprächen.

Warnung an Nato im Streit um Kaliningrad

Deutlich schärfer äußerte sich Putin zum Verhältnis zur Nato. Er sagte, Russland plane keinen Angriff auf europäische Staaten. Für den Fall eines direkten Angriffs auf russisches Territorium, ausdrücklich nannte er dabei die Exklave Kaliningrad, werde jedoch der Einsatz aller Russland zur Verfügung stehenden Waffen unmittelbar zum Thema. Putin legte dabei nicht fest, welche Waffen in einem solchen Szenario tatsächlich eingesetzt würden.

Die Äußerungen folgten auf russische Warnungen an die Nato, Moskau könne im Fall eines Versuchs, Kaliningrad militärisch vom russischen Kernland abzuschneiden, auch auf sein Atomwaffenarsenal zurückgreifen. Kaliningrad liegt zwischen den Nato-Staaten Polen und Litauen an der Ostsee und hat große strategische Bedeutung für Russland.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte wies die russischen Warnungen zurück. Er betonte, die Nato sei ein Verteidigungsbündnis und stelle keine Bedrohung für Russland dar. Zugleich erklärte er, das Bündnis sehe derzeit keine unmittelbare militärische Bedrohung seines Territoriums durch Russland. Die Nato werde ihr Gebiet verteidigen und die Unterstützung der Ukraine fortsetzen.

Putins Äußerungen verbinden damit drei bereits länger erkennbare Linien der russischen Politik: den Anspruch auf die vollständige Kontrolle der von Moskau beanspruchten ukrainischen Gebiete, die Ablehnung einer Waffenruhe zu Bedingungen, die Russland nicht akzeptiert, und die erneute Bezugnahme auf das russische Atomwaffenarsenal für ein hypothetisches direktes militärisches Aufeinandertreffen mit der Nato.

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