Auf der Farm findet Rachel Ward eine Antwort auf den Schönheitsdruck

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Rachel Ward war in den Achtzigerjahren eines der bekanntesten Fernsehgesichter der Welt. Als Meggie Cleary in der Miniserie „Die Dornenvögel“ wurde sie 1983 international berühmt. Mehr als vier Jahrzehnte später steht die heute 68-Jährige erneut im öffentlichen Blick, diesmal nicht wegen einer neuen Rolle, sondern wegen ihres Umgangs mit abwertenden Kommentaren über ihr Aussehen. Ward lebt heute in Australien und arbeitet auf einer Rinderfarm in New South Wales. In der ABC-Sendung „Australian Story“ sprach sie über natürliches Altern, Onlinekritik und ihre neue Aufgabe in der regenerativen Landwirtschaft.

Onlinekritik nach Farmvideo

Auslöser der Debatte war ein Instagramvideo, in dem Ward kurz vor Weihnachten über ihre Farm, Nachbarn und ihr landwirtschaftliches Projekt sprach. Zu sehen war sie ungeschminkt, mit kurzem grauem Haar und in Arbeitskleidung. Darauf folgten neben vielen positiven Reaktionen auch abwertende Kommentare über ihr Äußeres. Ward selbst beschrieb in der ABC-Sendung, einige Nutzer hätten offenbar noch das Bild der jungen Schauspielerin aus den Achtzigerjahren vor Augen gehabt. Ihre Tochter Matilda Brown zeigte sich überrascht darüber, wie stark sich manche Reaktionen auf Alter, Falten und graue Haare konzentrierten.

Ward reagierte nicht mit Rückzug. Sie griff die Kritik öffentlich auf und stellte ihr eine klare Botschaft entgegen: Altern müsse nicht versteckt werden. In einem späteren Instagramvideo bedankte sie sich bei Unterstützern und sprach darüber, dass die Sechziger für sie eine erfüllte Lebensphase seien.

Vom Fernsehstar zur Farmerin

Rachel Ward lebt heute nicht nur auf dem Land, sondern arbeitet dort aktiv. Nach ABC-Angaben bewirtschaftet sie ein rund 350 Hektar großes Anwesen im Nambucca Valley an der Nordküste von New South Wales. Sie hat die Farm in den vergangenen Jahren auf regenerative Landwirtschaft umgestellt. Dazu gehören unter anderem häufigere Weidewechsel, der Aufbau gesünderer Böden und ein geringerer Einsatz chemischer Mittel. Ward verbindet diese Arbeit mit einem Direktvermarktungsprojekt, bei dem Fleisch aus regenerativer oder ökologisch orientierter Landwirtschaft näher an Verbraucherinnen und Verbraucher gebracht werden soll.

Die frühere Schauspielerin beschreibt die Landwirtschaft inzwischen als zentralen Teil ihres Lebens. Ihr Mann, der australische Schauspieler Bryan Brown, pendelt nach ABC-Darstellung zwischen Sydney und der Farm. Ward selbst habe sich stärker im Nambucca Valley eingerichtet. Auch ihr Sohn Joe ist in der Nähe eingebunden. Die Farm ist für Ward damit nicht nur Wohnort, sondern Arbeitsumfeld und unternehmerisches Projekt.

Natürliches Altern als öffentlicher Gegenentwurf

Die Reaktionen auf Ward zeigen, wie stark Frauen in der Unterhaltungsbranche noch immer an frühere Bilder ihrer Jugend gebunden werden. Bei männlichen Schauspielern wird Alter oft als Erfahrung oder Charakter gelesen. Bei Frauen wird es häufiger als Verlust markiert. Ward steht mit ihrer Haltung nicht allein. Auch andere Schauspielerinnen haben in den vergangenen Jahren öffentlich über Altersdruck, Schönheitsnormen und Eingriffe gesprochen. Der Fall Ward wirkt dennoch besonders deutlich, weil der Kontrast zwischen ihrer Rolle als glamouröse Fernsehikone und ihrem heutigen Alltag als Farmerin so sichtbar ist.

Ward selbst vermeidet dabei eine belehrende Haltung. In Interviews machte sie deutlich, dass sie nicht über andere Menschen urteilen wolle, die sich für kosmetische Eingriffe, Styling oder Make-up entscheiden. Ihre eigene Entscheidung falle anders aus. Sie trage graues Haar, verzichte im Alltag weitgehend auf Make-up und konzentriere sich auf die Arbeit auf der Farm. Gerade diese Normalität wurde zum Gegenbild einer Branche, die öffentliche Frauen lange auf Jugendlichkeit und makellose Inszenierung festlegte.

Die Dornenvögel bleiben Teil ihrer Geschichte

„Die Dornenvögel“ bleibt der internationale Bezugspunkt in Wards Biografie. Die Miniserie machte sie 1983 weltweit bekannt und führte sie auch mit Bryan Brown zusammen, den sie später heiratete. Der frühere Ruhm erklärt, weshalb die aktuelle Debatte über ihr Aussehen überhaupt eine solche Reichweite bekam. Viele Nutzerinnen und Nutzer vergleichen heutige Bilder mit einer Rolle, die mehr als 40 Jahre zurückliegt. Genau darin liegt der Kern der Diskussion: Ein früheres Medienbild wird zur Schablone, an der eine reale Frau Jahrzehnte später noch immer gemessen wird.

Ward nutzt die Aufmerksamkeit inzwischen auch, um auf ihre landwirtschaftliche Arbeit hinzuweisen. Ihr Projekt FarmThru beschreibt regenerative Landwirtschaft als Ansatz, der Böden aufbauen, Tierhaltung transparenter machen und regionale Erzeugung direkter zu Konsumenten bringen soll. Fest steht: Ward hat ihre öffentliche Rolle deutlich verschoben. Aus dem früheren Fernsehstar ist eine Farmerin geworden, die über Alter, Landwirtschaft und weibliche Selbstbestimmung spricht.

Dass ein Instagramvideo, in dem eine Frau ungeschminkt über ihre Farm spricht, eine so breite Debatte auslöste, sagt viel über die Erwartungen an bekannte Frauen aus. Ward hat die Kritik nicht verschwinden lassen. Aber sie hat ihr eine andere Richtung gegeben. Nicht ihr früheres Aussehen steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, weshalb Natürlichkeit bei Frauen noch immer als Bruch mit einer öffentlichen Erwartung wahrgenommen wird.

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