
Beim Neubau der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal hat eine der anspruchsvollsten Bauphasen begonnen. In der Nacht zum Donnerstag wurde das zentrale Mittelteil der ersten neuen Brückenhälfte fast vollständig eingehoben. Am Morgen verzögerten sich die Arbeiten jedoch auf den letzten Zentimetern. Auswirkungen auf den Straßenverkehr über die bestehende A7-Brücke gab es dadurch nicht. Der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal musste dagegen länger als geplant warten.
Das Mittelteil der neuen Rader Hochbrücke ist 118 Meter lang, 18,8 Meter breit und wiegt rund 1.250 Tonnen. Es wurde zunächst im Rendsburger Hafen auf einen Ponton verladen und anschließend über den Nord-Ostsee-Kanal zur Baustelle gebracht.
Am Mittwochabend begann gegen 22.30 Uhr der eigentliche Einhub. Mithilfe von Stahlseilen wurde das Bauteil rund 50 Meter nach oben gezogen. Kurz nach Mitternacht konnten Schlepper den Ponton unter dem Brückenteil entfernen. Rund 100 Beschäftigte waren nach Angaben des NDR an dem Vorgang beteiligt. Anpassungen an den Seilen und regelmäßige Kontrollen führten zu einer Verzögerung von etwa zwei Stunden.
Am Donnerstagmorgen befand sich das Mittelteil fast vollständig in seiner vorgesehenen Position. Auf den letzten Zentimetern mussten die Arbeiten jedoch unterbrochen werden. Nach Angaben der Projektgesellschaft DEGES hatte sich der Stahl durch die steigenden Temperaturen geringfügig ausgedehnt.
Als Vorsichtsmaßnahme sollte an der Nordseite ein kleiner Teil des Stahlelements entfernt werden, damit das Bauteil passgenau eingesetzt werden kann. Der Einhub war bewusst für die Nacht angesetzt, weil dann in der Regel niedrigere Temperaturen herrschen.
Für die Bauarbeiten war der Nord-Ostsee-Kanal ab Mittwoch, 15. Juli, 21 Uhr, für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt. Die Sperrung sollte ursprünglich bis Donnerstag, 16. Juli, um 9 Uhr gelten.
Wegen der Verzögerungen beim Einsetzen des Mittelteils wurde die Sperrung nach Angaben des NDR zunächst bis 9.45 Uhr verlängert. Der Ponton, die Schlepper und die Arbeiten direkt über der Wasserstraße machten eine Freigabe während des Einhubs unmöglich. Auf den Autoverkehr über die bestehende Rader Hochbrücke hatte die Aktion dagegen keine direkten Auswirkungen. Die Fahrzeuge konnten weiterhin über das alte Bauwerk fahren.
Unabhängig vom Einhub gelten rund um das Autobahnkreuz Rendsburg weiterhin baubedingte Verkehrseinschränkungen. Auf der Richtungsfahrbahn Flensburg ist die Parallelfahrbahn der A7 gesperrt. Zudem kann die Auffahrt von der A210 aus Rendsburg kommend auf die A7 in Richtung Norden derzeit nicht genutzt werden.
Die Autobahn GmbH führt den Verkehr über die Anschlussstelle Bredenbek zurück zum Autobahnkreuz Rendsburg. Die Einschränkungen sind nach aktuellem Plan bis Ende Juli 2026 vorgesehen. Im Baustellenbereich wird der Verkehr teilweise auf die Gegenfahrbahn verlegt. Für Großraum- und Schwertransporte steht eine Restbreite von 4,50 Metern zur Verfügung.
Die bestehende Rader Hochbrücke wurde 1972 freigegeben. Nachdem 2013 erheblicher Verschleiß an Betonteilen festgestellt worden war, ergaben statische Berechnungen nur noch eine Restnutzungsdauer bis Ende 2026. Der Neubau begann offiziell im April 2023.
Die neue Brücke wird aus zwei getrennten Teilbauwerken bestehen und insgesamt sechs Fahrstreifen erhalten. Die erste, östliche Brückenhälfte soll bis Ende 2026 fertiggestellt und anschließend für den A7-Verkehr geöffnet werden. Der Auftragswert dieses ersten Teilbauwerks beträgt 307 Millionen Euro. Danach soll die alte Hochbrücke abgerissen werden. Der Bau der zweiten Hälfte ist ab 2028 geplant. Die vollständige Fertigstellung wird für 2031 angestrebt, sofern die Finanzierung durchgehend gesichert ist.
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