
Der Spielwarenhersteller Ravensburger will seine Mehrheitsbeteiligung am traditionsreichen Plüschtierproduzenten Steiff nutzen, um das internationale Geschäft auszubauen. Die Übernahme von Steiff durch Ravensburger soll vor allem neue Möglichkeiten im Vertrieb eröffnen. Gleichzeitig soll das Unternehmen mit Sitz in Giengen an der Brenz eigenständig bleiben. Vorstandschef Clemens Maier sieht in der Zusammenarbeit eine Chance, die wirtschaftliche Entwicklung beider Marken zu stärken.
Die Ravensburger AG hatte die Mehrheitsübernahme im Juni 2026 angekündigt. Der Konzern erwarb 60 Prozent der Anteile an der Margarete Steiff GmbH. Verkäuferin war die Steiff Beteiligungsgesellschaft, hinter der die Nachfahren der Unternehmensgründerin stehen. Die Familie bleibt über die verbleibenden Anteile beteiligt. Über den Kaufpreis vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen.
Am 9. Juli 2026 gab das Bundeskartellamt grünes Licht. Die Wettbewerbsbehörde sah keine erheblichen Auswirkungen auf den Spielwarenmarkt. Ausschlaggebend war unter anderem, dass sich die Produktsortimente der beiden Hersteller kaum überschneiden. Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Bücher bekannt, während Steiff seinen Schwerpunkt auf hochwertige Plüschtiere legt.
Ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit ist der Ausbau internationaler Vertriebsaktivitäten. Ravensburger verfügt bereits über ein weltweites Netz eigener Vertriebsniederlassungen. Davon soll künftig auch Steiff profitieren können.
Bei einem gemeinsamen Gespräch mit Steiff-Geschäftsführer Frank Rheinboldt hatte Maier im Juni außerdem erklärt, dass sich beide Unternehmen über mögliche neue Produkte austauschen wollen. Konkrete gemeinsame Produktlinien oder Veröffentlichungstermine wurden dabei nicht angekündigt. Die etablierten Markenprofile sollen erhalten bleiben.
Steiff-Chef Rheinboldt hatte bereits bei Bekanntgabe der Beteiligung erklärt, dass die Partnerschaft zusätzliche Möglichkeiten für die internationale Entwicklung eröffnen solle. Ravensburger kann damit sein Geschäft um eine weitere traditionsreiche Spielwarenmarke ergänzen.
Für den Standort Giengen an der Brenz haben die Unternehmen zugesagt, dass Steiff dort seinen Firmensitz behält und eigenständig geführt wird. Nach Angaben der Unternehmen war diese Voraussetzung für die bisherigen Eigentümer besonders wichtig.
Steiff beschäftigt nach den zur Übernahme veröffentlichten Unternehmensangaben weltweit rund 800 Menschen, davon etwa 200 in Giengen. Ob sich die Personalstruktur langfristig verändert, wurde nicht konkret festgelegt.
Unabhängig vom Gesellschafterwechsel verändert Steiff seine räumliche Nutzung in Giengen. Die Verwaltung und das Museum sollen am traditionellen Standort bleiben, während sich das Unternehmen schrittweise auf einen kleineren Teil des bisherigen Firmengeländes konzentriert.
Auch für die Beschäftigten von Ravensburger hatte Maier zunächst keine unmittelbaren Änderungen durch die Beteiligung angekündigt. Mittelfristig sollen jedoch weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit geprüft werden. Eine langfristige Garantie für unveränderte Personalstrukturen ergibt sich daraus nicht.
Der Einstieg bei Steiff fällt in eine wirtschaftlich anspruchsvolle Phase für Ravensburger. Nach einem Rekordumsatz von rund 790 Millionen Euro im Jahr 2024 ging der Umsatz 2025 zurück. In seiner Mitteilung zur Steiff-Übernahme bezifferte das Unternehmen die Erlöse für 2025 auf 742 Millionen Euro.
Vor allem das Sammelkartenspiel Disney Lorcana hatte nach einer außergewöhnlich erfolgreichen Markteinführung an Dynamik verloren. Das klassische Geschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern entwickelte sich dagegen positiv.
Maier hatte gegenüber der Belegschaft im Juni eingeräumt, dass Ravensburger trotz ausreichender finanzieller Rücklagen operativ zu wenig verdiene. Ein bereits laufendes Restrukturierungsprogramm soll die Kostenstruktur verbessern und das Wachstum stärken. Dazu gehört auch ein angekündigter Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich bei Ravensburger. Dieser ist vom Steiff-Erwerb zu unterscheiden.
Steiff wurde 1880 gegründet und gehört zu den international bekanntesten deutschen Spielwarenmarken. Besonders die Teddybären mit dem charakteristischen Knopf im Ohr haben das Unternehmen weltweit bekannt gemacht.
Für die Margarete Steiff GmbH weisen die veröffentlichten Jahresabschlussdaten für 2025 Umsatzerlöse von rund 54 Millionen Euro aus. Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf etwa 2,76 Millionen Euro. Aufgrund bestehender Ergebnisabführungsregelungen wird ein Jahresüberschuss von null Euro ausgewiesen. Diese Zahlen betreffen die Margarete Steiff GmbH und sind nicht mit dem Umsatz der gesamten bisherigen Steiff-Beteiligungsgruppe gleichzusetzen.
Ravensburger und Steiff bringen damit unterschiedliche wirtschaftliche Schwerpunkte in die Zusammenarbeit ein. Während Ravensburger seine internationale Marktposition bei Spielen, Puzzles und weiteren Spielwaren ausgebaut hat, verfügt Steiff über eine eigenständige Premiummarke im Plüschtiersegment. Die geplante engere Zusammenarbeit im Vertrieb soll diese Stärken künftig verbinden.
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