Umweltminister nimmt Wasserverbrauch von Rechenzentren ins Visier

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Symbolbild mit KI erstellt

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Bundesumweltminister Carsten Schneider will große Wasserverbraucher wie Rechenzentren bei zunehmender Wasserknappheit stärker an den Kosten beteiligen. Betreiber sollen nach seinen Vorstellungen entweder mehr für die Nutzung der Ressource zahlen oder stärker in wassersparende Technik investieren. Einen konkreten bundesweiten Tarif oder eine bereits beschlossene neue Abgabe gibt es allerdings noch nicht. Schneider verbindet seine Forderung mit einer umfassenderen Neuordnung der deutschen Wasserpolitik.

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Der SPD-Politiker stellte seine Position am Montag beim Forum „Zukunft Wasser“ des Bundesumweltministeriums in Berlin vor. Dort diskutierte er gemeinsam mit EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall über Wasserversorgung, Klimaanpassung und die künftige Verteilung knapper Wasserressourcen. Schneider erklärte, dass bei Wasserknappheit die Versorgung der Bevölkerung Vorrang haben müsse. Großverbraucher wie Rechenzentren sollten sich deshalb angemessen an den Kosten beteiligen.

Schneider bringt einheitlicheres Wasserentnahmeentgelt ins Spiel

Ein Ansatzpunkt ist das Wasserentnahmeentgelt. Schneider zufolge erheben derzeit 14 von 16 Bundesländern entsprechende Entgelte. Eine einheitliche Systematik existiert jedoch nicht. Die Nationale Wasserstrategie sieht deshalb bereits vor, eine Harmonisierung und gegebenenfalls eine bundesweite Regelung zu prüfen. Das Umweltbundesamt weist ebenfalls darauf hin, dass sich Höhe, Ausnahmen und Ermäßigungen der Wasserentnahmeentgelte zwischen den Ländern erheblich unterscheiden.

Schneider will die Diskussion nun stärker mit der Frage verbinden, wie Unternehmen zum Wassersparen bewegt werden können. Denkbar sei nach seiner Rede beispielsweise, finanzielle Belastungen zu reduzieren, wenn Firmen in geschlossene Wasserkreisläufe oder die Wiederverwendung von Wasser investieren. Ein konkretes Modell für Rechenzentren, bestimmte Entgeltsätze oder ein Zeitplan für eine gesetzliche Änderung wurden am Montag nicht vorgestellt. Die Gespräche sollen mit den Ländern und betroffenen Wirtschaftsbereichen geführt werden.

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Damit geht es zunächst um die politische Ausgestaltung eines künftigen Rahmens und nicht um eine unmittelbar bevorstehende pauschale Erhöhung der Wasserrechnung für sämtliche Rechenzentren.

KI erhöht den Bedarf an neuen Rechenzentren

Die Debatte erhält zusätzliche Bedeutung durch den Ausbau künstlicher Intelligenz. Leistungsfähige KI-Anwendungen benötigen große Rechenkapazitäten. Damit wächst auch der Bedarf an Rechenzentren und leistungsfähigen Kühlsystemen. Wie viel Wasser dabei tatsächlich benötigt wird, hängt allerdings stark vom Standort, der eingesetzten Hardware, der Kühltechnik und der Energieversorgung ab.

Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung der Gesellschaft für Informatik kommt zu dem Ergebnis, dass der Wasserverbrauch von Rechenzentren und KI-Systemen nicht mit einem einheitlichen Wert beschrieben werden kann. Neben der direkten Kühlung kann Wasser auch indirekt über die Stromerzeugung und bereits bei der Herstellung von Halbleitern benötigt werden. Besonders relevant können zusätzliche Verbräuche dort werden, wo Wasser ohnehin knapp ist. Die Studie nennt deshalb neben effizienterer Technik auch die Standortwahl als wichtigen Faktor.

Der Ausbau der Branche dürfte zugleich weitergehen. Nach Angaben der EU-Kommission entfallen weltweit derzeit rund 1,5 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs auf Rechenzentren. Bis 2030 könnte sich deren Strombedarf mehr als verdoppeln. Einen wesentlichen Anteil am zusätzlichen Bedarf führt die Kommission auf beschleunigtes Computing zurück, das insbesondere für KI-Anwendungen genutzt wird.

EU macht Wasserverbrauch von Rechenzentren transparenter

Auch auf europäischer Ebene werden die Umweltfolgen wachsender Rechenkapazitäten inzwischen stärker reguliert. Die EU-Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet größere Rechenzentren zur Erfassung bestimmter Betriebsdaten. Eine europäische Datenbank sammelt unter anderem Angaben zum Wasserverbrauch. Die dazugehörige EU-Verordnung definiert sowohl den gesamten Wassereinsatz als auch den Trinkwassereinsatz und die sogenannte Water Usage Effectiveness als Kennzahl.

Die EU-Kommission legte am 21. September 2026 zudem einen Vorschlag für ein gemeinsames Bewertungssystem für Rechenzentren vor. Es soll Energie- und Wasserverbrauch transparenter und Standorte besser vergleichbar machen. Parallel läuft eine Konsultation zu möglichen Mindestanforderungen an die Nachhaltigkeit von Rechenzentren. Einen entsprechenden Gesetzgebungsvorschlag plant die Kommission für das zweite Quartal 2027. Gleichzeitig verfolgt die EU das Ziel, ihre Rechenzentrumskapazitäten in den kommenden Jahren deutlich auszubauen.

Damit treffen zwei politische Ziele unmittelbar aufeinander: Europa will mehr eigene Rechenkapazität für Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz schaffen, zugleich sollen Energie- und Wasserverbrauch begrenzt werden.

Wasserknappheit soll stärker in Standortentscheidungen einfließen

Schneiders Forderung ist Teil einer breiteren Neuausrichtung der Wasserpolitik. Neben höheren oder anders strukturierten Entgelten für Großverbraucher setzt der Minister auf mehr Wasserspeicherung in der Landschaft, die Renaturierung von Auen und Mooren sowie Investitionen in Speicher, Kanalnetze und Kläranlagen. Für Situationen akuter Wasserknappheit sollen zudem bundesweit einheitlichere Leitlinien entwickelt werden. Nach Schneiders Angaben ist eine Befassung der Umweltministerkonferenz damit im November vorgesehen.

Deutschland knüpft damit an die europäische Wasserresilienzstrategie an. Die EU-Kommission strebt an, die Wassereffizienz in Europa bis 2030 um mindestens zehn Prozent zu verbessern. Zu den vorgesehenen Instrumenten gehören eine modernisierte Wasserinfrastruktur, effizientere Nutzung, Wiederverwendung und eine angemessene Wasserpreispolitik.

Beim Berliner Wasserforum unterzeichneten Schneider und Roswall am Montag zudem eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU-Kommission. Vorgesehen sind unter anderem eine effizientere Nutzung knapper Ressourcen sowie mehr Wiederverwendung und geschlossene Wasserkreisläufe in der Industrie.

Für Betreiber von Rechenzentren ergibt sich daraus noch keine neue Zahlungspflicht. Die Richtung der politischen Debatte ist jedoch klarer geworden: Wasserverbrauch soll bei Standortwahl, technischen Investitionen und möglichen Abgaben stärker berücksichtigt werden. Vor allem in Regionen mit knappen Ressourcen könnten wassersparende Kühlsysteme und Kreislauflösungen dadurch wirtschaftlich stärker an Bedeutung gewinnen.

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