
Eine bakterielle Hautinfektion, die bislang vor allem aus der Tiermedizin bekannt war, wird derzeit häufiger bei Menschen in Europa nachgewiesen. Verursacht wird die sogenannte Dermatophilose durch das Bakterium Dermatophilus congolensis. Die umgangssprachliche Bezeichnung „Regenfäule“ oder im Englischen „rain rot“ stammt vor allem aus der Tiermedizin. Dort betrifft die Erkrankung insbesondere Pferde, Rinder und Schafe.
Beim Menschen waren Infektionen über Jahrzehnte nur vereinzelt bekannt. Typischerweise standen sie mit engem Kontakt zu infizierten Tieren in Verbindung. Seit Ende 2025 registrieren Gesundheitsbehörden und medizinische Einrichtungen jedoch mehrere ungewöhnliche Häufungen in Europa, bei denen ein solcher Tierkontakt vielfach fehlt. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, ECDC, hält deshalb eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch engen körperlichen Kontakt inzwischen für den wahrscheinlichsten Übertragungsweg bei einem Teil der Fälle.
Für Deutschland waren mit Stand vom 20. August 2026 insgesamt 17 bestätigte Infektionen mit Dermatophilus congolensis erfasst. Die Fälle traten überwiegend bei schwulen, bisexuellen und anderen Männern auf, die Sex mit Männern haben. Die ersten deutschen Meldungen kamen aus Berlin und Brandenburg. Im Mai hatte Deutschland zunächst 16 Fälle gemeldet, Anfang Juni war die Zahl auf 17 gestiegen.
Bei den näher untersuchten deutschen Fällen berichteten mehrere Betroffene über Besuche in Saunen oder anderen Einrichtungen, in denen enger Körperkontakt stattfinden kann. Ein direkter Tierkontakt ließ sich bei diesen Infektionen nicht als gemeinsamer Faktor erkennen. Das Robert Koch-Institut befasste sich bereits Ende Mai in seinem Epidemiologischen Bulletin mit den Infektionen in Deutschland.
Auch außerhalb Deutschlands wurden weitere Infektionen festgestellt. Nach länderspezifischen Meldeständen vom 20. August waren unter anderem 70 bestätigte Fälle in Frankreich, 23 in Spanien und 20 in Österreich bekannt. Hinzu kamen Fälle in Schweden, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und dem Vereinigten Königreich.
Bereits Mitte Juni hatte das ECDC 70 Fälle allein aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Schweden zusammengefasst. Zusätzlich waren damals zehn Fälle aus Norwegen bekannt, die mit Kampfsport und engem Körperkontakt in Verbindung standen. In Österreich war das Bakterium bei 17 Menschen nachgewiesen worden.
Die Fälle aus dem Kampfsport sind für die Bewertung des Übertragungswegs bedeutsam. Sie zeigen, dass die Infektion nicht ausschließlich im Zusammenhang mit sexuellen Kontakten auftritt. Nach Einschätzung des ECDC spricht die bisherige Datenlage vor allem für eine Weitergabe durch direkten Hautkontakt. Eine indirekte Übertragung über gemeinsam genutzte oder verunreinigte Oberflächen lässt sich bislang nicht ausschließen.
Besonders deutlich sind die Hinweise aus Frankreich. In Lyon und Paris untersuchten Fachleute neun Infektionen, die innerhalb von zwei Monaten bei Männern diagnostiziert worden waren. Die Erbgutanalysen der Bakterien zeigten eine enge genetische Verwandtschaft. Zusammen mit gemeinsamen Expositionsmustern werteten die Autoren dies als starken Hinweis auf eine Übertragung zwischen Menschen.
Damit unterscheidet sich das aktuelle Geschehen von den früher beschriebenen Fällen. Menschliche Dermatophilosen galten bislang überwiegend als seltene Zoonosen, etwa nach Kontakt mit erkrankten Nutztieren oder Pferden.
Eine klassische sexuell übertragbare Infektion ist die Dermatophilose damit jedoch nicht automatisch. Nach bisherigem Kenntnisstand steht der enge Hautkontakt im Mittelpunkt. Sexuelle Begegnungen können einen solchen Kontakt ermöglichen, sind aber nicht der einzige denkbare Übertragungsweg. Auch die norwegischen Fälle bei Kontaktsportlern sprechen dafür.
Bei den in Europa registrierten Fällen wurden unter anderem Papeln, Pusteln, schuppende oder verkrustete Hautveränderungen und teilweise Juckreiz beschrieben. Betroffen waren beispielsweise Gesicht, Genitalbereich, Leistenregion und andere Hautstellen. Systemische Beschwerden wurden in den vom ECDC ausgewerteten Fallserien nicht beobachtet.
Die bislang dokumentierten Erkrankungen verliefen überwiegend mild. In den ausgewerteten europäischen Fällen bildeten sich die Hautveränderungen nach medizinischer Behandlung zurück, einzelne Infektionen heilten auch spontan ab.
Trotz der ungewöhnlichen Häufung sieht das ECDC derzeit keine hohe Gefährdung der Bevölkerung. Für die Allgemeinbevölkerung wird das Risiko als sehr niedrig eingestuft. Für Männer mit mehreren männlichen Sexualpartnern bewertet die Behörde das Gesamtrisiko als niedrig. Auch bei häufigen Aufenthalten an Orten mit engem körperlichen Kontakt bleibt die Risikobewertung insgesamt niedrig, obwohl dort die Wahrscheinlichkeit einer Infektion höher eingeschätzt wird.
Die europäische Gesundheitsbehörde empfiehlt weitere epidemiologische und genetische Untersuchungen, um Übertragungswege und Ausmaß des Geschehens genauer zu bestimmen. Auch die Panamerikanische Gesundheitsorganisation und die WHO reagierten im Juli auf die neuen Fälle ohne bekannten Tierkontakt und verwiesen auf die Möglichkeit einer bislang ungewöhnlichen Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu