
Eine bakterielle Hauterkrankung, die bislang vor allem aus der Tiermedizin bekannt war, ist in mehreren europäischen Ländern ungewöhnlich häufig beim Menschen nachgewiesen worden. Auch Deutschland gehört zu den betroffenen Staaten. Bei der sogenannten Dermatophilose, umgangssprachlich teils Regenfäule genannt, handelt es sich um eine Infektion mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis.
Das Robert Koch-Institut hatte im Frühjahr 2026 zunächst 16 Infektionen in Deutschland beschrieben. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, kurz ECDC, führte Deutschland mit Stand vom 20. August 2026 mit insgesamt 17 bestätigten Fällen. Der Schwerpunkt lag in Berlin und Brandenburg.
Die Erkrankung ist beim Menschen ausgesprochen selten. Auffällig an den aktuellen Fällen ist deshalb nicht nur ihre Zahl. Erstmals verdichten sich in Europa auch die Hinweise darauf, dass sich das Bakterium unter bestimmten Bedingungen direkt zwischen Menschen verbreiten kann.
Die zunächst untersuchten deutschen Erkrankungen traten seit Dezember 2025 auf. Ein großer Teil der Betroffenen waren Männer, die Sex mit Männern haben. Bei mehreren Erkrankten gehörten Besuche in Saunen beziehungsweise Einrichtungen mit engen körperlichen und sexuellen Kontakten zu den möglichen Expositionen.
Ein eindeutiger gemeinsamer Infektionsort ließ sich für die deutschen Fälle jedoch nicht feststellen. Damit ist auch nicht belegt, dass eine bestimmte Einrichtung Ausgangspunkt der Infektionen war.
Ähnliche Beobachtungen wurden aus mehreren europäischen Ländern gemeldet. Frankreich, Spanien und Schweden registrierten ebenfalls Erkrankungen in sexuellen Netzwerken. Aus Norwegen wurden dagegen Infektionen im Zusammenhang mit Kontakt beziehungsweise Kampfsport bekannt. Einzelne Fälle standen zudem mit Reisen nach Südostasien in Verbindung.
Damit zeichnet sich ein breiteres Bild ab: Enge Hautkontakte könnten eine entscheidende Rolle spielen, ohne dass sexuelle Kontakte zwingend erforderlich sind.
Historisch gilt Dermatophilus congolensis vor allem als Erreger bei Tieren. Betroffen sind unter anderem Rinder, Schafe und Pferde. Menschliche Infektionen wurden über Jahrzehnte nur vereinzelt beschrieben und standen häufig mit engem Kontakt zu infizierten Tieren in Verbindung.
Die europäischen Fallserien der vergangenen Monate unterscheiden sich davon. Bei zahlreichen Erkrankten bestand kein bekannter Tierkontakt. Gleichzeitig zeigten genetische Untersuchungen von Bakterienisolaten aus Frankreich und Spanien eine enge Verwandtschaft.
Das ECDC kommt deshalb zu dem Schluss, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch engen körperlichen Kontakt derzeit als wahrscheinlichster Weg erscheint. Vor allem direkter Hautkontakt während sexueller Kontakte steht im Fokus.
Vollständig geklärt ist die Übertragung dennoch nicht. Auch eine indirekte Weitergabe über kontaminierte Oberflächen oder Gegenstände kann nach Einschätzung der Behörde bislang nicht ausgeschlossen werden. Feuchtigkeit und kleinere Verletzungen der Haut könnten die Infektion zusätzlich begünstigen.
Auch Untersuchungen aus Basel stützen die Annahme einer möglichen lokalen Weitergabe. Dort wurden sechs Infektionen zwischen 2025 und 2026 untersucht. Zwei standen mit Reisen nach Thailand beziehungsweise Indonesien in Verbindung, vier weitere wurden als lokal erworben eingestuft. Genetische Analysen lieferten zusätzliche Hinweise auf mögliche Übertragungen zwischen Menschen, konnten einzelne Infektionsketten aber nicht abschließend rekonstruieren.
Die Regenfäule beim Menschen betrifft nach den bisherigen europäischen Beobachtungen vor allem die Haut. Beschrieben wurden unter anderem Papeln, Pusteln, schuppige oder krustige Veränderungen sowie Juckreiz. Läsionen traten beispielsweise im Genitalbereich, in der Leiste, an den Oberschenkeln, am Oberkörper und im Gesicht auf.
Teilweise werden die Veränderungen als pockenartig beschrieben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Erkrankung etwas mit Pocken oder Mpox zu tun hat. Bei entsprechenden Hautveränderungen können andere Erkrankungen zunächst ähnlich aussehen und müssen medizinisch abgegrenzt werden.
Systemische Beschwerden wurden bei den aktuellen europäischen Fällen nur selten beziehungsweise nicht als charakteristisches Merkmal beschrieben. Die bislang beobachteten Verläufe waren überwiegend mild.
Die bekannten europäischen Fälle ließen sich nach Angaben des ECDC in der Regel gut behandeln. Zum Einsatz kamen abhängig vom Einzelfall unter anderem lokale oder oral eingenommene Antibiotika und antiseptische Maßnahmen.
Schwere Krankheitsverläufe oder größere gesundheitliche Folgen spielten bei den bisher beschriebenen europäischen Clustern keine erkennbare Rolle. Teilweise können Hautveränderungen offenbar auch ohne umfangreiche Therapie wieder abklingen.
Bei ungeklärten Pusteln, Krusten oder anderen auffälligen Hautveränderungen ist dennoch eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, besonders wenn zuvor enger Hautkontakt bestand. Eine eindeutige Diagnose lässt sich anhand des Aussehens allein nicht stellen.
Trotz der ungewöhnlichen Häufung sieht das ECDC derzeit keinen Hinweis auf eine breite Gefährdung der Bevölkerung. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung wird als sehr niedrig eingestuft. Dafür nennt die Behörde sowohl die geringe Wahrscheinlichkeit einer Infektion als auch die bislang meist milden Verläufe.
Für schwule, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben und mehrere Sexualpartner haben, bewertet das ECDC das Gesamtrisiko als niedrig. Bei Personen aus dieser Gruppe, die regelmäßig Einrichtungen mit sexuellen Kontakten vor Ort besuchen, geht die Behörde von einer höheren Infektionswahrscheinlichkeit aus. Wegen der bislang geringen gesundheitlichen Auswirkungen bleibt auch für diese Gruppe die Gesamtrisikobewertung niedrig.
Die Entwicklung in Europa ist dennoch medizinisch ungewöhnlich. Bis vor kurzem galt eine Weitergabe von Dermatophilus congolensis zwischen Menschen als kaum dokumentiert. Die Häufungen seit Ende 2025 liefern nun erstmals epidemiologische und genetische Hinweise darauf, dass sich das Bakterium auch innerhalb menschlicher Kontaktnetzwerke verbreiten kann.
Mit Stand vom 20. August wurden neben Deutschland unter anderem bestätigte Fälle aus Frankreich, Spanien, Österreich, Norwegen, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und dem Vereinigten Königreich gemeldet. Damit handelt es sich nicht mehr nur um einzelne Reiseinfektionen, sondern um ein europaweit beobachtetes, weiterhin seltenes Infektionsgeschehen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu