
Beim Ranking „reichste Deutsche 2026“ gibt es eine neue Spitze, und zugleich verändert sich die Zusammensetzung der großen Vermögen. Nach der aktuellen Schätzung des manager magazins steht erstmals die Gesellschafterfamilie des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim an der Spitze. Ihr Vermögen wird auf 66,7 Milliarden Euro taxiert. Lidl-Gründer Dieter Schwarz folgt mit 53,7 Milliarden Euro, die Familie hinter dem Pharma- und Chemiekonzern Merck mit 50,7 Milliarden Euro. Zugleich gewinnen Unternehmer aus Technologie, künstlicher Intelligenz und der stark gewachsenen europäischen Defense-Branche an Bedeutung.
Der Wechsel an der Spitze ist allerdings nicht allein Ausdruck eines plötzlichen Vermögenssprungs. Die Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim war nach Angaben des Herausgebers über viele Jahre wegen einer Vereinbarung aus der Anfangszeit der Rangliste nicht aufgeführt worden. 2026 wird sie nun erstmals wieder berücksichtigt. Das verändert die Reihenfolge deutlich.
Dieter Schwarz steigert sein geschätztes Vermögen trotz des Verlusts von Rang eins erheblich. 2025 hatte das manager magazin noch 46,5 Milliarden Euro angesetzt, nun sind es 53,7 Milliarden Euro. Noch größer ist der rechnerische Sprung bei der Familie Merck. Ihr geschätztes Vermögen steigt von 24,5 Milliarden auf 50,7 Milliarden Euro. Auf den weiteren Spitzenplätzen folgen Susanne Klatten und Stefan Quandt mit zusammen 33,3 Milliarden Euro sowie die Familien Albrecht und Heister hinter Aldi Süd mit 29,8 Milliarden Euro.
Insgesamt zählt die Liste 257 Milliardärinnen, Milliardäre und Familienverbünde mit einem geschätzten Vermögen von mindestens einer Milliarde Euro. Das ist nach Angaben des manager magazins ein neuer Höchststand. Das bereinigte Gesamtvermögen der 100 reichsten Einträge erhöhte sich binnen zwölf Monaten um 3,4 Prozent auf knapp 784 Milliarden Euro.
Auffällig ist die zunehmende Rolle von Unternehmern, deren Vermögen nicht aus jahrzehntealten Industrie-, Handels- oder Familiendynastien stammt. Das manager magazin nennt unter anderem Jan Oberhauser, den Gründer des Berliner Automatisierungsunternehmens n8n, sowie David Reger, Gründer des Robotikunternehmens Neura Robotics. Beide Firmen haben innerhalb kurzer Zeit Milliardenbewertungen erreicht.
Bei solchen Privatunternehmen ist allerdings zwischen Firmenwert und persönlichem Vermögen zu unterscheiden. Eine Unternehmensbewertung lässt sich nicht eins zu eins einem Gründer zurechnen. Entscheidend sind dessen tatsächlicher Anteil, mögliche Verwässerungen durch Finanzierungsrunden sowie weitere Vermögenswerte und Verbindlichkeiten.
n8n wurde 2026 bei einer Transaktion mit rund 5,2 Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform zur Automatisierung und Orchestrierung von Arbeitsabläufen und KI-Anwendungen. Neura Robotics sammelte im laufenden Jahr bis zu 1,4 Milliarden Dollar von Investoren ein. Die Bewertung des Robotikunternehmens wurde dabei mit rund sieben Milliarden Dollar angegeben.
Noch deutlicher ist die Entwicklung bei jungen Unternehmen aus der Verteidigungs- und Dual-Use-Technologie. Das manager magazin hebt in seiner aktuellen Tech-Auswertung ausdrücklich die Gründer hinter Helsing und Quantum Systems hervor. Beide Unternehmen haben 2026 außergewöhnlich große Finanzierungsrunden abgeschlossen und damit ihre Bewertungen stark erhöht.
Quantum Systems aus Bayern erhielt im Juli 1,2 Milliarden Dollar frisches Kapital. Nach Angaben des Unternehmens lag die Bewertung anschließend bei rund acht Milliarden Dollar. Quantum Systems entwickelt unbemannte Systeme und Software für zivile und militärische Anwendungen. Zu den Investoren der Runde gehörten unter anderem Blackstone, Airbus, Advent und Noteus.
Auch Helsing gehört inzwischen zu den höchstbewerteten europäischen Start-ups. Das 2021 gegründete Unternehmen entwickelt KI und autonome Systeme für militärische Anwendungen. Bei einer Finanzierungsrunde im Sommer 2026 wurde Helsing mit rund 18 Milliarden Dollar bewertet. Die drei Gründer Gundbert Scherf, Torsten Reil und Niklas Köhler halten weiterhin Beteiligungen am Unternehmen. Externe Vermögensschätzungen unterscheiden sich je nach angenommener Beteiligungshöhe, weshalb sich die Firmenbewertung nicht unmittelbar als persönliches Vermögen der Gründer ausweisen lässt.
Der Effekt der gestiegenen Verteidigungsausgaben beschränkt sich nicht auf Start-ups. Bereits in den vergangenen Jahren hatten Eigentümer etablierter Rüstungsunternehmen deutlich höhere Unternehmensbewertungen erreicht. Besonders sichtbar wurde das beim deutsch-französischen Panzerbauer KNDS. Die deutsche Hälfte des Konzerns befindet sich im Besitz von Unternehmerfamilien, während die andere Hälfte vom französischen Staat gehalten wird.
2025 hatte das manager magazin die hinter dem deutschen KNDS-Anteil stehenden Familien noch mit einem Vermögen von rund acht Milliarden Euro geführt. Zugleich wurde für KNDS im Zusammenhang mit einem möglichen Börsengang zeitweise über Unternehmensbewertungen von bis zu 20 Milliarden Euro gesprochen. Solche Bewertungen hängen jedoch vom tatsächlichen Börsenumfeld und einer möglichen Transaktion ab und sind nicht mit einem realisierten Verkaufserlös gleichzusetzen.
Trotz des Aufstiegs junger Tech-Unternehmer wird die Spitze der Reichenliste weiterhin von traditionsreichen Familienunternehmen geprägt. Pharma, Einzelhandel, Chemie, Konsumgüter und Industrie stellen einen großen Teil der höchsten Vermögen. Neben Boehringer Ingelheim, Schwarz und Merck finden sich unter den ersten zehn unter anderem die Aldi-Familien, die Familie Reimann, die Familie Henkel sowie SAP-Mitgründer Hasso Plattner und seine Familie.
Neu ist weniger die Ablösung dieser alten Vermögen als die größere Zahl schnell wachsender Unternehmervermögen daneben. Hohe Finanzierungsbewertungen in KI, Robotik und Defense können Gründer binnen weniger Jahre in Größenordnungen bringen, für deren Aufbau traditionelle Industrieunternehmen oft Generationen benötigten.
Dabei bleiben alle Zahlen der Reichenliste Schätzungen. Bei börsennotierten Beteiligungen können Marktpreise herangezogen werden. Bei privaten Firmen müssen Umsatz, Ertragskraft, Marktposition, Beteiligungsquoten und Finanzierungsbewertungen bewertet werden. Gerade bei jungen Unternehmen können sich die rechnerischen Vermögen deshalb erheblich verändern, wenn sich die Bewertung bei einer neuen Finanzierungsrunde erhöht oder sinkt.






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