Renault setzt Milliarden auf Frankreich und die Elektroauto-Wende

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Renault plant eine neue milliardenschwere Investitionsrunde in seinem Heimatland. Der französische Autokonzern will innerhalb der kommenden fünf Jahre mehr als zehn Milliarden Euro in Frankreich investieren. Im Mittelpunkt sollen Elektrofahrzeuge und erschwinglichere Autos stehen. Konzernchef François Provost verbindet die Pläne allerdings ausdrücklich mit den politischen und sozialen Rahmenbedingungen im Land. Ein konkreter Forderungskatalog wurde zunächst nicht genannt.

Damit setzt Renault seinen Umbau der heimischen Produktion fort. Nach Angaben Provosts hat das Unternehmen bereits innerhalb der vergangenen fünf Jahre rund 13 Milliarden Euro in Frankreich investiert, insbesondere in die Umstellung der Industrie auf Elektromobilität. Renault investiert in Frankreich damit weiter in einer Größenordnung, die für den europäischen Standortwettbewerb erheblich ist. Die Ankündigung fällt zugleich in eine Phase, in der Autohersteller in Europa wegen Kosten, chinesischer Konkurrenz und des technologischen Umbruchs ihre Produktionsnetze überprüfen.

Renault will Elektroautos günstiger produzieren

Die geplanten Investitionen sollen zwei zentrale Herausforderungen gleichzeitig adressieren. Renault will seine Elektrostrategie weiter ausbauen und Fahrzeuge erschwinglicher machen. Das passt zum im März vorgestellten Konzernplan futuREady. Renault kündigte darin bis 2030 insgesamt 36 neue Modelle an, darunter 22 für Europa. Von diesen europäischen Neuheiten sollen 16 elektrisch fahren. Gleichzeitig will der Konzern seine Produktionskosten deutlich senken und neue Fahrzeugprojekte günstiger entwickeln.

Dabei baut Renault auf eine bereits modernisierte französische Produktionsbasis. Das Werk Douai gehört gemeinsam mit Maubeuge und Ruitz zum sogenannten Electricity-Industrieverbund im Norden Frankreichs. In Douai entstehen unter anderem der elektrische Renault 5, der Mégane E-Tech Electric, der Scénic E-Tech Electric und der Alpine A290. Auch Fahrzeuge für Nissan und Mitsubishi werden dort gefertigt.

Produktion in Frankreich soll deutlich steigen

Provost verwies bei der Investitionsankündigung auf eine steigende Fahrzeugproduktion in Frankreich. Renault fertigte dort nach seinen Angaben 2025 rund 500.000 Autos. Für 2026 erwartet der Konzern mindestens 25 Prozent mehr. Rechnerisch entspräche dies mindestens rund 625.000 Fahrzeugen. Vor allem der Hochlauf elektrischer Modelle soll dazu beitragen.

Gleichzeitig zieht die Nachfrage nach Elektroautos auf dem französischen Heimatmarkt an. Im September erreichten rein elektrische Fahrzeuge nach den von Reuters wiedergegebenen Marktdaten einen Anteil von 42 Prozent an den französischen Pkw-Neuzulassungen. Damit entsteht für Renault ein größerer heimischer Absatzmarkt für jene Modelle, auf die das Unternehmen seine französischen Werke in den vergangenen Jahren zunehmend ausgerichtet hat.

Finanziell befindet sich Renault dennoch nicht in einer völlig komfortablen Situation. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz zwar um 9,5 Prozent auf rund 30,3 Milliarden Euro. Die operative Marge der Autosparte lag aber bei 3,0 Prozent. Renault verwies unter anderem auf höhere regulatorische Kosten, stärkeren Wettbewerbsdruck in Europa und Belastungen durch den wachsenden Elektroanteil.

Milliardenversprechen steht unter politischem Vorbehalt

Bemerkenswert an der Ankündigung ist deshalb nicht allein die Summe. Provost machte deutlich, dass die weiteren Investitionen davon abhängen, ob das soziale und politische Umfeld sie zulässt. Welche konkreten Bedingungen Renault damit verbindet, blieb zunächst offen. Bestätigt ist damit keine Liste einzelner Forderungen etwa zu Steuern, Arbeitskosten, Subventionen oder Regulierung.

Der Hinweis fällt allerdings in eine politisch angespannte Phase in Frankreich. Die Regierung steht wegen der hohen Staatsverschuldung und ihrer Haushaltspläne unter erheblichem Druck. Für 2027 sind umfangreiche Einsparungen vorgesehen. Zugleich rückt die Präsidentschaftswahl 2027 näher. Die politische Unsicherheit hat zuletzt auch an den Finanzmärkten für stärkere Nervosität gesorgt.

Für Renault bedeutet das, dass ein großer Teil der angekündigten Investitionen nicht als bedingungslos fest zugesagtes Einzelprojekt verstanden werden kann. Die Größenordnung beschreibt vielmehr den geplanten Investitionsrahmen für die kommenden fünf Jahre.

Deutsche Autoindustrie verliert zehntausende Stellen

Der Kontrast zu Deutschland ist auffällig, aber nicht eindeutig. Die deutsche Autoindustrie befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Ende des ersten Halbjahres 2026 beschäftigte die Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch rund 691.500 Menschen. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Beginn der entsprechenden Statistik im Jahr 2005 lag die Beschäftigtenzahl nie niedriger. Besonders stark fiel der Rückgang bei Teilezulieferern aus.

Auch die Produktion bleibt deutlich unter früheren Größenordnungen. In den ersten acht Monaten 2026 wurden in Deutschland 2,65 Millionen Pkw gefertigt, vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 16 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019. Die Exporte gingen im selben Zeitraum um fünf Prozent zurück.

Bei einzelnen Herstellern laufen umfangreiche Sparprogramme. Volkswagen verschärft seine Restrukturierung, während BMW ebenfalls Stellen vor allem in Verwaltung und Entwicklung abbauen will. Die Probleme reichen von schwächerem China-Geschäft über hohen Kostendruck bis zum verschärften internationalen Wettbewerb.

Deutschland bleibt trotzdem ein wichtiger Elektrostandort

Ein vollständiger Gegensatz zwischen Renault und der deutschen Branche wäre dennoch irreführend. Auch in Deutschland wächst die Elektromobilität kräftig. Im August 2026 wurden rund 68.900 rein batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Das waren 75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Einschließlich Plug-in-Hybriden kamen elektrifizierte Fahrzeuge auf einen Anteil von 44 Prozent an allen Neuzulassungen.

Deutschland bleibt zudem einer der größten Produktionsstandorte für Elektroautos weltweit. Nach Angaben des Branchenverbandes VDA entstanden 2025 hierzulande rund 1,7 Millionen elektrifizierte Pkw, darunter etwa 1,2 Millionen reine Batterieautos. Der Verband beziffert die weltweiten Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen der deutschen Autoindustrie für die Jahre 2026 bis 2030 auf rund 320 Milliarden Euro. Weitere 220 Milliarden Euro sollen in Sachinvestitionen fließen. Diese Summen umfassen allerdings Investitionen weltweit und sind deshalb nicht direkt mit Renaults Frankreich-Zusage vergleichbar.

Renaults Ankündigung zeigt damit vor allem, wie wichtig der Standortwettbewerb innerhalb Europas geworden ist. Frankreich soll für den Konzern ein Kernland der Elektroproduktion bleiben. Deutschland besitzt weiterhin eine wesentlich größere industrielle Autobasis, kämpft aber gleichzeitig mit sinkender Beschäftigung, schwächerer Produktion und umfangreichen Sparprogrammen großer Hersteller. Auf beiden Seiten des Rheins entscheidet sich zunehmend daran, ob Elektroautos in Europa nicht nur entwickelt, sondern auch zu international konkurrenzfähigen Kosten produziert werden können.

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