
Der Augsburger Getriebehersteller Renk treibt seinen Umbau zum Rüstungskonzern voran. Das im MDax notierte Unternehmen hat den Verkauf seines Gleitlagergeschäfts an die österreichische Miba AG vereinbart. Die Transaktion hat unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzprognose für 2026. An der Börse geriet die Renk-Aktie am Donnerstagmorgen, 22. Oktober, unter Druck.
Der Kaufvertrag wurde über die Renk GmbH geschlossen, eine vollständig zum Konzern gehörende Tochtergesellschaft. Nach Angaben aus der am Donnerstag veröffentlichten Pflichtmitteilung liegt der vereinbarte Kaufpreis im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Eine genaue Summe nennt das Unternehmen nicht. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen.
Zum verkauften Geschäft gehören Gleitlager für Elektromotoren, Generatoren und Pumpen. Die Produkte kommen überwiegend in zivilen und industriellen Anwendungen zum Einsatz. Die Sparte ist am Standort Hannover angesiedelt und wird seit Oktober 2025 als eigenständige Renk Bearings GmbH geführt.
Mit Miba übernimmt ein österreichischer Industriekonzern, der bereits über ein eigenes umfangreiches Gleitlagergeschäft verfügt. Das Unternehmen betreibt weltweit 30 Produktionsstandorte und beschäftigt rund 7.400 Menschen.
Mit dem vereinbarten Verkauf verändert Renk die Grundlage seiner Jahresprognose. Für 2026 erwartet der Konzern nun einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, soll zwischen 240 und 255 Millionen Euro liegen.
Zuvor hatte Renk einen Jahresumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese Prognose hatte der Konzern noch bei der Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen im August bestätigt.
Der Unterschied hängt wesentlich mit der veränderten Rechnungslegung zusammen. Ab dem vierten Quartal 2026 soll das Gleitlagergeschäft nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 5 als nicht fortgeführter Geschäftsbereich ausgewiesen werden.
Künftig umfasst die Jahresprognose damit ausschließlich die fortgeführten Bereiche Vehicle Mobility Solutions sowie Marine & Industry. Die bisherigen und neuen Prognosezahlen beziehen sich folglich auf unterschiedliche Geschäftsumfänge. Aus der Anpassung allein lässt sich deshalb kein entsprechend hoher operativer Rückgang ableiten.
Die Börse reagierte zunächst mit Kursverlusten auf die Ankündigung. In einer am 22. Oktober um 8.41 Uhr veröffentlichten Meldung bezifferte die Nachrichtenagentur dpa-AFX den Rückgang der Renk-Aktie auf der Handelsplattform Tradegate auf rund 3,5 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs des Vortags.
Neben dem Konzernumbau beschäftigte Anleger die veränderte Ergebnisprognose. Nach Einschätzung von Barclays-Analyst Afonso Osorio fallen die daraus resultierenden geringfügig niedrigeren Schätzungen jedoch kaum ins Gewicht. Er bewertet die künftig klarere Ausrichtung des Unternehmens positiv.
Renk verfolgt mit der Veräußerung ein langfristiges Ziel. Bis 2030 sollen rund 90 Prozent des Konzernumsatzes aus dem Verteidigungsgeschäft stammen. Der Verkauf der zivil ausgerichteten Gleitlagersparte ist Teil dieser Strategie, die das Unternehmen bereits Ende 2025 angekündigt hatte.
Künftig will Renk seine finanziellen Mittel und Produktionskapazitäten stärker auf Antriebssysteme für militärische Landfahrzeuge und Schiffe konzentrieren. Das Unternehmen produziert unter anderem Getriebe und Antriebslösungen für gepanzerte Fahrzeuge und Marineanwendungen.
Das zivile Geschäft innerhalb der Sparte Marine & Industry bleibt dagegen Bestandteil des Konzerns. Renk begründet dies mit der engen technischen und produktionstechnischen Verbindung zum Verteidigungsbereich sowie Wachstumsmöglichkeiten in der Energieversorgung und Infrastruktur.
Für den Käufer Miba bedeutet die Übernahme eine Erweiterung seines bestehenden Gleitlagergeschäfts. Der österreichische Konzern entwickelt und produziert unter anderem Komponenten für die Energieerzeugung, Stromnetze, Fahrzeuge und industrielle Maschinen.
Miba sieht insbesondere bei Technologien für die Elektrifizierung, die Energieversorgung von Rechenzentren und den Einsatz in elektrischen Antrieben zusätzliche Möglichkeiten.
Wann der Verkauf endgültig abgeschlossen sein wird, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Auch zu möglichen personellen Auswirkungen am bisherigen Renk-Standort Hannover enthielt die Unternehmensmitteilung keine konkreten Angaben.
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