
Der Rüstungskonzern Rheinmetall erweitert seine Pläne für den Marineschiffbau in Europa. In Rumänien hat eine Konzerntochter den Zuschlag für die insolvente Werft Mangalia am Schwarzen Meer erhalten. Der Kaufpreis beträgt rund 138 Millionen Euro. Gleichzeitig setzt die Rheinmetall-Aktie ihre jüngste Erholung fort und zählt am Freitag, 16. Oktober 2026, zu den stärksten Werten im DAX.
Der Ausbau von Rheinmetall in Rumänien nimmt Gestalt an. Bei einer Versteigerung am 9. Oktober erhielt die Tochtergesellschaft Rheinmetall Real Estate România SRL den Zuschlag für die Werftanlagen in Mangalia. Der rumänische Insolvenzverwalter CITR bestätigte einen Kaufpreis von 138,03 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Vier vorherige Versteigerungsversuche hatten keinen Käufer hervorgebracht.
Der traditionsreiche Schiffbaustandort war nach erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in die Insolvenz geraten. Zuletzt wurde der Betrieb durch das Unternehmen Damen Shipyards Mangalia geführt. Die rumänische Regierung bezifferte die Zahl der im Zuge der Krise verlorenen Arbeitsplätze auf nahezu 1.000.
Allerdings umfasst die Versteigerung nicht sämtliche Bestandteile des Werftgeländes. Rumäniens Wirtschaftsminister Irineu Darău erklärte am 14. Oktober, dass insbesondere Produktionshallen und Ausrüstung verkauft wurden. Grundstücke und Hafenanlagen wie die Docks bleiben demnach im Eigentum des rumänischen Staates. Für ihre künftige Nutzung sind weitere Vereinbarungen erforderlich.
Rheinmetall hatte bereits im Mai angekündigt, gemeinsam mit dem Schweizer Schifffahrtskonzern MSC eine Übernahme der Werft zu prüfen. Vorgesehen ist ein Standort, an dem sowohl militärische als auch zivile Schiffe gebaut werden können.
Nach den damaligen Planungen sollen zunächst vier Schiffe durch die Marinesparte Rheinmetall Naval Systems entstehen. Darüber hinaus verfolgt der Konzern das Ziel, zusätzliche internationale Schiffbauprojekte nach Rumänien zu holen. Ob und in welcher Form MSC am nun geplanten Neustart beteiligt sein wird, war zunächst nicht abschließend geklärt.
Mit der Übernahme der Marineschiffbausparte NVL der Lürssen-Gruppe hat Rheinmetall sein Geschäft bereits deutlich über die bisherigen Schwerpunkte bei Fahrzeugen, Munition und militärischer Ausrüstung hinaus erweitert. Die Werft in Mangalia könnte diese Entwicklung ergänzen.
Die rumänische Regierung verbindet mit der geplanten Wiederaufnahme des Werftbetriebs wirtschaftliche und sicherheitspolitische Ziele. Langfristig sollen neue Arbeitsplätze entstehen und zusätzliche Produktionskapazitäten für militärische Schiffe aufgebaut werden.
Das Vorhaben steht auch im Zusammenhang mit dem europäischen Verteidigungsprogramm SAFE. Nach Angaben der Regierung wurden Investitionen in die rumänische Rüstungsindustrie zu einer Bedingung bei Verhandlungen über militärische Beschaffungen von Rheinmetall gemacht.
Besondere Bedeutung misst Bukarest dem Standort wegen seiner Lage am Schwarzen Meer bei. Rumänien gehört zur NATO und liegt an deren östlicher Bündnisgrenze. Die Regierung will die heimische Industrie stärker an der Produktion militärischer Ausrüstung beteiligen und entsprechende Fähigkeiten im eigenen Land ausbauen.
Trotz des erfolgreichen Bieterverfahrens war der vollständige Abschluss der Transaktion zuletzt noch nicht bestätigt. Für den Vollzug sind Prüfungen durch die zuständigen rumänischen Behörden erforderlich.
Nach Informationen der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax vom 14. Oktober lagen beim Wettbewerbsrat und bei der zuständigen Kommission zur Prüfung von Direktinvestitionen zunächst noch keine offiziellen Anmeldungen vor. Rheinmetall hatte auf eine spätere Mitteilung zu den Einzelheiten der Transaktion verwiesen.
An der Börse verzeichnet Rheinmetall am Freitag deutliche Gewinne. Nach Angaben der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX vom 16. Oktober 2026 um 11:21 Uhr stieg die Aktie um rund fünf Prozent auf etwa 1.077 Euro. Damit führte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt die Gewinnerliste im DAX an.
Auch andere deutsche Rüstungsunternehmen legten kräftig zu. Die Aktien von Hensoldt gewannen zeitweise knapp sieben Prozent, während Renk um fast sechs Prozent zulegte.
Die Bewegung erfasste damit weite Teile der deutschen Verteidigungsindustrie. Zuletzt hatten positive Einschätzungen von Morgan Stanley zur möglichen Entwicklung der Rüstungsaufträge die Branche unterstützt. Die Analysten rechnen mit zusätzlichen Bestellungen aus dem Bundeshaushalt. Dabei handelt es sich um Erwartungen und nicht um bereits feststehende Aufträge.
Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Kursanstieg am Freitag und dem bereits eine Woche zuvor vergebenen Werftzuschlag ist nicht belegt.
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