
Der geplante Verkauf des Diamantenkonzerns De Beers nimmt eine neue Wendung. Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont, zu dem unter anderem Cartier und Van Cleef & Arpels gehören, verhandelt offenbar über eine Beteiligung an einem Konsortium, das den traditionsreichen Diamantenproduzenten übernehmen möchte. Auch der US-Schmuckhändler Signet Jewelers wird als möglicher Partner genannt. Der bisherige Mehrheitseigentümer Anglo American will sich von De Beers trennen und damit seinen Konzernumbau vorantreiben. Ein verbindlicher Einstieg der beiden Schmuckunternehmen wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Donnerstag, 15. Oktober 2026, führen Richemont und Signet Gespräche über einen möglichen Beitritt zum Global Diamond Consortium. Die Investorengruppe wird vom früheren De-Beers-Chef Gareth Penny geführt und gilt als aussichtsreicher Interessent für die Übernahme des Diamantenunternehmens.
Die Verhandlungen sollen bereits fortgeschritten sein. Allerdings ist nach den bisherigen Informationen nicht gesichert, dass tatsächlich beide Schmuckunternehmen einsteigen. Reuters bestätigte die Gespräche mit Richemont unter Berufung auf eine eigene, mit der Angelegenheit vertraute Person. Eine entsprechende unabhängige Bestätigung für die mögliche Beteiligung von Signet lag zunächst nicht vor.
Anglo American wollte sich gegenüber Reuters nicht zu den möglichen Partnern äußern. Von Richemont und Signet lagen zunächst ebenfalls keine Stellungnahmen vor. Auch über die konkrete Höhe der diskutierten Beteiligungen und mögliche finanzielle Verpflichtungen der Unternehmen wurden keine verbindlichen Angaben bekannt.
Damit ist weiterhin offen, welche Rolle die beiden Schmuckkonzerne innerhalb der geplanten Käufergruppe übernehmen könnten.
Der mögliche Einstieg der Schmuckunternehmen fällt in eine entscheidende Phase des Verkaufsprozesses. Anglo American hatte im Mai 2024 angekündigt, sich von De Beers zu trennen. Hintergrund ist eine umfassende Neuausrichtung des britischen Bergbaukonzerns. Das Unternehmen will seine Aktivitäten künftig stärker auf Kupfer, hochwertiges Eisenerz und Rohstoffe für die Düngemittelproduktion konzentrieren.
In seinem Halbjahresbericht vom 30. Juli 2026 bestätigte Anglo American, dass der Verkauf von De Beers weiter vorangetrieben werde. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, Kosten zu reduzieren und die finanzielle Entwicklung der Diamantensparte zu verbessern.
Das Global Diamond Consortium gilt seit Juli als bevorzugter Kaufinteressent. Angeführt wird die Gruppe von Gareth Penny, der De Beers bereits zwischen 2006 und 2010 leitete. Nach Angaben von Reuters wird im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf über einen Unternehmenswert von rund einer Milliarde US-Dollar gesprochen. Dabei handelt es sich nicht um einen offiziell bestätigten endgültigen Kaufpreis.
Ob diese Bewertung auch einer späteren Vereinbarung zugrunde liegen würde, ist bislang offen. Der tatsächliche Verkaufspreis hängt unter anderem von der Zusammensetzung der Käufergruppe und den vereinbarten Vertragsbedingungen ab.
Eine zentrale Bedeutung kommt Botswana zu. Das südafrikanische Land hält bereits 15 Prozent an De Beers und gehört zu den wichtigsten Standorten der weltweiten Diamantenförderung.
Nach einem Bloomberg-Bericht vom 13. Oktober verhandelt Botswana mit dem Global Diamond Consortium über eine Aufstockung seiner Beteiligung auf ungefähr 25 Prozent. Reuters berichtete ebenfalls über diese Entwicklung, konnte die Angaben jedoch nicht unabhängig bestätigen.
Darüber hinaus verfügt Botswana nach den vorliegenden Informationen über ein Vorkaufsrecht. Die Position der Regierung könnte deshalb erheblichen Einfluss auf den weiteren Verkaufsprozess haben.
Auch Namibia und Angola werden im Zusammenhang mit dem Konsortium genannt. Beide Länder sind für die internationale Diamantenindustrie von Bedeutung. Welche Beteiligungsstruktur am Ende entstehen könnte, ist weiterhin unklar.
Eine endgültige Vereinbarung zwischen Botswana und dem Konsortium wurde zunächst nicht bestätigt. Regierungsvertreter hatten zuvor einen möglichen Abschluss des De-Beers-Verkaufs im vierten Quartal 2026 in Aussicht gestellt.
Der Verkauf von De Beers findet in einer schwierigen Marktphase statt. Die Preise für natürliche Rohdiamanten sind erheblich unter Druck geraten. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz durch künstlich hergestellte Diamanten, die insbesondere in preisgünstigeren Schmucksegmenten zunehmend verbreitet sind.
Die wirtschaftlichen Probleme spiegeln sich in den Geschäftszahlen von De Beers wider. Nach Unternehmensangaben sank der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf rund 1,58 Milliarden US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch etwa 1,95 Milliarden Dollar.
Der durchschnittlich erzielte Preis für Rohdiamanten ging von 155 auf 105 Dollar je Karat zurück. Das entspricht einem Rückgang um 32 Prozent. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verzeichnete De Beers einen Verlust von 113 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch 189 Millionen Dollar erreicht.
Trotz der niedrigeren Preise erhöhte sich die Rohdiamantenproduktion im ersten Halbjahr auf 14,9 Millionen Karat. Das Unternehmen reagiert auf die schwierige Marktlage unter anderem mit Kostensenkungen und Anpassungen seiner Förderplanung.
Die Entwicklung unterscheidet sich allerdings nach Marktsegmenten. Während kleinere und qualitativ einfachere Diamanten besonders stark unter dem Wettbewerb synthetischer Produkte leiden, blieb die Nachfrage nach größeren und hochwertigen natürlichen Steinen vergleichsweise widerstandsfähig.
Sollten Richemont und Signet tatsächlich dem Käuferkonsortium beitreten, würden zwei bedeutende Unternehmen aus dem Schmuckgeschäft stärker mit der Diamantenproduktion verbunden.
Richemont besitzt mit Cartier, Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier mehrere international bekannte Schmuckmarken. Die Schmucksparte gehört zu den wichtigsten Wachstumstreibern des Schweizer Konzerns.
Im Geschäftsquartal von April bis Juni 2026 erzielten die Schmuckmarken einen Umsatz von rund 4,73 Milliarden Euro. Währungsbereinigt entsprach das einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der gesamte Richemont-Konzern setzte in diesen drei Monaten rund 6,33 Milliarden Euro um.
Signet wiederum betreibt zahlreiche Schmuckhandelsketten. Dazu gehören in den USA unter anderem Kay Jewelers, Zales und Jared. Nach eigenen Angaben unterhält das Unternehmen weltweit etwa 2.600 Geschäfte, vor allem in Nordamerika und Großbritannien.
Eine Beteiligung am De Beers Verkauf könnte diesen Unternehmen grundsätzlich eine engere Verbindung zur Förderung und Vermarktung natürlicher Diamanten ermöglichen. Ob damit tatsächlich neue Liefervereinbarungen oder weitergehende Einflussmöglichkeiten verbunden wären, ist derzeit nicht bekannt.
An der Schweizer Börse wurde die Entwicklung auch im Zusammenhang mit der Richemont-Aktie beobachtet. Der Schlusskurs vom Mittwoch, 14. Oktober, lag bei 173,80 Schweizer Franken.
Am Donnerstag zeigte eine verzögerte Kursanzeige von Investing.com zwischenzeitlich einen Stand von 173,35 Franken. Damit notierte das Papier rund 0,26 Prozent unter dem Vortagesniveau. Die Aktie bewegte sich während des Handels allerdings sowohl oberhalb als auch unterhalb des vorherigen Schlusskurses. Ein endgültiger Tagesabschluss lag zum Zeitpunkt dieser Kursbetrachtung noch nicht vor.
Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Schwankungen und den möglichen De-Beers-Gesprächen ließ sich zunächst nicht feststellen. Für Anleger ist insbesondere relevant, ob Richemont tatsächlich Kapital in eine Beteiligung investieren würde und welche wirtschaftlichen Bedingungen damit verbunden wären.
Der Konzern verfügte Ende Juni 2026 nach eigenen Angaben über eine Nettoliquidität von rund 9,1 Milliarden Euro. Konkrete finanzielle Verpflichtungen im Zusammenhang mit De Beers sind bislang jedoch nicht bestätigt worden.
Der Verkauf von De Beers bleibt damit eine der bedeutenden laufenden Transaktionen in der internationalen Diamantenindustrie. Mit dem Global Diamond Consortium gibt es einen bevorzugten Interessenten, während die möglichen Beteiligungen von Richemont und Signet zusätzliche Verbindungen zwischen Diamantenförderung und Schmuckhandel schaffen könnten.
Entscheidend für einen Abschluss sind weiterhin die Verhandlungen mit Anglo American sowie die Position Botswanas. Hinzu kommen die finanziellen Vereinbarungen innerhalb der Käufergruppe.
Für das vierte Quartal 2026 wurde ein möglicher Abschluss in Aussicht gestellt. Ein verbindlicher Verkaufstermin steht bislang nicht fest. Ebenso offen ist, ob Richemont und Signet tatsächlich Teil der endgültigen Eigentümerstruktur werden.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu