Angriffe auf Ölsektor verschärfen Russlands Wirtschaftsprobleme

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Russlands Energieexporte geraten durch ukrainische Angriffe auf Raffinerien und Hafenanlagen zunehmend unter Druck. Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei raffinierten Ölprodukten und an wichtigen Exportstandorten am Schwarzen Meer. Von einem vollständigen Einbruch der russischen Öl- und Rohstoffexporte kann allerdings keine Rede sein. Zugleich belasten ein wachsendes Haushaltsdefizit, hohe Zinsen und eine schwache Konjunktur die russische Wirtschaft.

Nach Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air, kurz CREA, sanken die russischen Einnahmen aus dem Export fossiler Energieträger im August 2026 gegenüber Juli um acht Prozent auf durchschnittlich 604 Millionen Euro pro Tag. Die exportierte Menge verringerte sich um sieben Prozent. Besonders stark gingen die Einnahmen aus per Schiff ausgeführten Ölprodukten zurück. Sie lagen laut CREA bei durchschnittlich 78 Millionen Euro pro Tag und damit 32 Prozent niedriger als im Vormonat. Das war nach Angaben der Organisation der niedrigste Stand seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022.

Schwarzmeerhafen Noworossijsk zeitweise stark beeinträchtigt

Ein wichtiger Faktor waren die Angriffe auf die russische Energie- und Hafeninfrastruktur. Am Ölterminal Scheskharis im Schwarzmeerhafen Noworossijsk gingen die Rohölverladungen nach CREA-Berechnungen im August gegenüber dem Vormonat um 58 Prozent zurück. Neun Tage hintereinander wurden dort demnach keine Rohöltanker beladen. Es war die längste derartige Unterbrechung seit Februar 2022.

Auch Reuters berichtete im August über erhebliche Probleme an Russlands westlichen Exporthäfen. In der ersten Augusthälfte wurden über Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk zusammen rund 2,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag verschifft. Geplant waren etwa 2,7 Millionen Barrel. Damit blieben die Lieferungen rund 15 Prozent hinter den ursprünglichen Planungen zurück. Die Ausfuhren über Noworossijsk lagen einschließlich der russischen Sorte Urals und der kasachischen Sorte KEBCO nur bei ungefähr 400.000 Barrel täglich. Im Juni und Juli waren es noch 800.000 bis eine Million Barrel gewesen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Russlands Rohölexporte insgesamt zum Erliegen gekommen sind. Bereits vor den neuen Störungen wurden zusätzliche Mengen auf andere Häfen und Absatzmärkte verlagert. China erhöhte seine über See bezogenen russischen Rohölmengen im August nach CREA-Angaben um 16 Prozent gegenüber Juli. Gegenüber August 2025 lagen sie sogar 62 Prozent höher.

Ölprodukte besonders stark betroffen

Deutlicher sind die Folgen bei Benzin, Diesel und anderen raffinierten Produkten. Reuters errechnete für August zwar gegenüber dem schwachen Juli einen Anstieg der russischen Seeexporte von Ölprodukten um 16,4 Prozent auf 4,57 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum August 2025 lagen die Ausfuhren jedoch rund 50 Prozent niedriger. Über Häfen am Schwarzen und Asowschen Meer gingen die Lieferungen gegenüber Juli um 25,3 Prozent zurück.

CREA kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Verladungen russischer Ölprodukte im August weniger als halb so hoch waren wie ein Jahr zuvor. Bereits im Juli hatten die Verladungen mit 4,7 Millionen Tonnen einen Tiefstand in der Datenreihe der Organisation erreicht.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Tuapse. Der Schwarzmeerhafen war vor dem Krieg einer der wichtigsten russischen Exportstandorte für Ölprodukte. Dort wurde nach CREA-Angaben im August den dritten Monat hintereinander keine entsprechende Ladung verschifft.

Die Schwierigkeiten bei den Raffinerien wirken zugleich auf den russischen Binnenmarkt. Russland importierte im August nach CREA-Berechnungen rund 172.000 Tonnen Ölprodukte. Das war mehr als siebenmal so viel wie beim bisherigen monatlichen Höchstwert seit Februar 2022. Benzin machte 74 Prozent dieser Menge aus. Unter anderem kamen Lieferungen aus Indien und Südkorea.

Handel mit der Türkei sinkt deutlich

Auch im Handel mit der Türkei zeigt sich eine Abschwächung. Nach Daten der türkischen Statistikbehörden beliefen sich die russischen Lieferungen in die Türkei im August auf rund 1,94 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Rückgang von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und war der niedrigste Monatswert seit 2022. Von Januar bis August gingen die russischen Exporte in die Türkei demnach um 8,6 Prozent auf rund 26,1 Milliarden Dollar zurück.

Ein unmittelbarer Zusammenhang des gesamten Rückgangs mit ukrainischen Angriffen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Der bilaterale Handel hängt neben Transportproblemen auch von Energiepreisen, Nachfrage, Sanktionen und Veränderungen bei einzelnen Warenströmen ab.

Russlands Haushaltsdefizit wächst deutlich

Parallel verschärft sich die Lage der russischen Staatsfinanzen. In den ersten acht Monaten des Jahres erreichte das föderale Haushaltsdefizit nach Angaben aus Russland bereits rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für das Gesamtjahr hatte die Regierung ursprünglich lediglich 1,6 Prozent eingeplant. Finanzminister Anton Siluanow rechnete im September bereits mit einem Fehlbetrag von rund drei Prozent des BIP.

Mit den jüngsten Haushaltsplanungen wurde die Prognose noch einmal auf etwa 3,2 Prozent des BIP beziehungsweise rund 7,3 Billionen Rubel angehoben. Zugleich wurde die Prognose für die russischen Öl- und Gaseinnahmen 2026 auf 7,6 Billionen Rubel reduziert. Für das Militär und den Sicherheitsapparat bleibt ein großer Teil der Staatsausgaben reserviert.

Die russische Regierung reagiert unter anderem mit zusätzlicher Kreditaufnahme und neuen Einnahmequellen. Der hohe Finanzierungsbedarf trifft dabei auf weiterhin ungewöhnlich hohe Zinsen.

Wachstum schwach, Zinsen bleiben hoch

Auch bei der Konjunktur hat Russland deutlich an Tempo verloren. Nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,2 Prozent. Im zweiten Quartal folgte ein Wachstum von 1,3 Prozent. Für das gesamte erste Halbjahr ergab sich damit ein Plus von lediglich 0,6 Prozent.

Die russische Zentralbank erwartet für das Gesamtjahr nur noch ein reales Wirtschaftswachstum zwischen null und einem Prozent. Gleichzeitig hält sie die Geldpolitik wegen des weiterhin starken Preisdrucks straff. Am 11. September beließ sie den Leitzins bei 14 Prozent. Die Inflationsrate soll nach ihrer Prognose 2026 zwischen sechs und sieben Prozent liegen. Anfang September lag die jährliche Teuerungsrate nach Angaben der Zentralbank bei 6,3 Prozent.

Die Zentralbank verweist zudem auf zeitweise verringerte Produktionskapazitäten in einzelnen Wirtschaftszweigen. Steigende Kraftstoffpreise haben den Preisdruck verstärkt. Gleichzeitig schwächt sich die Nachfrage ab und die Anspannung auf dem Arbeitsmarkt lässt etwas nach.

Energieexporte bleiben Russlands wichtigste Stütze

Trotz der erheblichen Schäden und Exportprobleme bleibt Russland einer der größten Energielieferanten der Welt. China und Indien nehmen weiterhin große Mengen russischen Rohöls ab. Indien dürfte im September nach Reuters-Berechnungen etwa 1,75 Millionen Barrel russisches Öl pro Tag eingeführt haben. Das wäre zwar der niedrigste Wert seit April, Russland bliebe damit aber der wichtigste Rohöllieferant des Landes.

Die aktuellen Zahlen sprechen deshalb weniger für einen plötzlichen Kollaps als für eine zunehmende Belastung des russischen Wirtschaftsmodells. Angriffe auf Raffinerien und Exportanlagen reduzieren Verarbeitungskapazitäten, verteuern Transporte und zwingen Russland teilweise zu ungewöhnlichen Kraftstoffimporten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Staatshaushalt, während Wachstum und Investitionen schwach bleiben.

Hinzu kommt, dass Russland Ende September die Veröffentlichung von Informationen über die Energie- und Raffineriewirtschaft weiter eingeschränkt hat. Angaben zu Exportwegen, Käufern, Verkäufern und Preisen sollen künftig noch stärker begrenzt werden. Damit wird es schwieriger, die Entwicklung des russischen Energiesektors anhand amtlicher Daten vollständig nachzuvollziehen.

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