
Rot-Weiss Essen muss in der 3. Liga zunehmend mit einer angespannten Personalsituation umgehen. Gleich mehrere Stammspieler stehen Trainer Uwe Koschinat verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Besonders schwer wiegen die jüngsten Ausfälle in der Offensive. Nach Marvin Obuz und Semir Telalovic könnte mit Jaka Cuber Potocnik ein weiterer Angreifer längere Zeit fehlen. Der ohnehin knapp besetzte Kader gerät dadurch zunehmend unter Druck.
Die jüngsten Sorgen betreffen den 21 Jahre alten Jaka Čuber Potočnik. Der vom 1. FC Köln ausgeliehene Mittelstürmer verletzte sich am Freitagabend, 23. Oktober, gegen Jahn Regensburg. Bei einem Schussversuch knickte er mit dem rechten Fuß um und musste bereits in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden.
Trainer Uwe Koschinat äußerte unmittelbar danach bei MagentaSport die Befürchtung, dass sein Angreifer längere Zeit ausfallen könnte. Der Trainer vermutete eine mögliche Verletzung am Außenband des Fußes, betonte allerdings, dass weitere Untersuchungen notwendig seien.
Eine abschließende Diagnose und eine konkrete Ausfalldauer waren zunächst nicht bestätigt. Damit ist auch offen, ob Potočnik lediglich einige Wochen pausieren muss oder eine längere Unterbrechung droht.
Für den slowenischen Nachwuchsnationalspieler wäre es ein weiterer Rückschlag. Bereits in der vergangenen Saison hatte ihn eine Muskelverletzung längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Auch Anfang Oktober musste er wegen muskulärer Beschwerden zwischenzeitlich kürzertreten. Seine Leihe vom 1. FC Köln war im Sommer für eine weitere Saison verlängert worden.
Unabhängig von der noch offenen Diagnose bei Potočnik stehen mehrere Ausfälle fest. Die Verletzungen betreffen unterschiedliche Mannschaftsteile, wobei die Offensive besonders stark geschwächt ist.
Marvin Obuz zog sich am 20. Oktober im Training einen Bänderriss am Knöchel zu. Der 24-jährige Außenstürmer wird nach Vereinsangaben mehrere Wochen fehlen. Ein genauer Termin für seine Rückkehr wurde nicht genannt.
Semir Telalovic verletzte sich ebenfalls im Training an der Schulter. Der Mittelstürmer wird dem Verein voraussichtlich bis zum Winter nicht zur Verfügung stehen. Sein Ausfall wiegt besonders schwer, weil er mit sechs Toren und zwei Vorlagen bis dahin der produktivste Offensivspieler der Essener gewesen war.
Bereits seit Anfang September fehlen zudem zwei weitere wichtige Spieler. Tony Menzel erlitt eine schwere Bänderverletzung im linken Sprunggelenk. Der zentrale Mittelfeldspieler soll nach dem bisherigen Rehabilitationsverlauf im Dezember wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
Innenverteidiger Max Geschwill muss wegen einer starken Reizung im linken Kniegelenk pausieren. Die ursprüngliche Vereinsprognose sah eine mehrwöchige Unterbrechung vor. Einen verbindlichen Rückkehrtermin gibt es weiterhin nicht.
Hinzu kommt Aiman Dardari. Der auf dem offensiven Flügel eingesetzte Spieler fällt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel aus. Auch für ihn wurde zunächst kein genauer Zeitpunkt für die Rückkehr bekannt.
Die Ausfälle verdeutlichen die Risiken einer vergleichsweise kleinen Mannschaft. Auf der offiziellen Kaderliste von Rot-Weiss Essen stehen derzeit 26 Spieler, darunter vier Torhüter. Allerdings gehören dazu auch Nachwuchsspieler und der noch im Aufbautraining befindliche Paul Pöpperl.
Die Zahl der tatsächlich einsatzfähigen Profis liegt deshalb deutlich darunter. Besonders im Angriff haben sich die Alternativen innerhalb weniger Tage reduziert. Mit Obuz, Telalovic und Dardari fehlen drei Offensivspieler. Sollte auch Potočnik längere Zeit pausieren müssen, wären vier Angreifer gleichzeitig betroffen.
Zu den verbleibenden offensiven Möglichkeiten zählen Dickson Abiama, Marek Janssen und Lucas Brumme. Im Mittelfeld stehen unter anderem Janne Sietan, Ruben Reisig und Noah Pesch zur Verfügung. Auch Nick Bätzner ist wieder eine Option: Der Sommerneuzugang kehrte nach Wadenproblemen am 20. Oktober ins Mannschaftstraining zurück und wurde gegen Regensburg bereits wieder eingewechselt.
Damit verfügt Koschinat weiterhin über verschiedene Möglichkeiten für seine Startformation. Schwieriger wird die Situation jedoch bei der Besetzung der Ersatzbank und bei weiteren verletzungsbedingten Wechseln.
Um den personellen Engpass aufzufangen, setzt Rot-Weiss Essen verstärkt auf Talente aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. Die beiden 17 Jahre alten Offensivspieler Rami Malaeb und Fadih Vasic erhielten am 22. Oktober Profiverträge.
Malaeb hatte sein Debüt in der 3. Liga bereits am 17. Oktober gegen den FC Ingolstadt gegeben. Vasic nahm zuvor regelmäßig am Training der ersten Mannschaft teil und sammelte Erfahrungen in Testspielen.
Beide Nachwuchsspieler gehören ab dem 1. Juli 2027 fest zum Profikader. Schon jetzt können sie jedoch bei personellen Engpässen berücksichtigt werden. Gemeinsam mit dem jungen Abwehrspieler James Gnagnon saßen sie gegen Regensburg auf der Ersatzbank.
Sportdirektor Christian Flüthmann hatte die verstärkte Förderung eigener Talente zuletzt ausdrücklich als Bestandteil der sportlichen Strategie bezeichnet. Direktor Profifußball Marcus Steegmann sieht in Malaeb und Vasic Entwicklungspotenzial für die erste Mannschaft.
Für Koschinat bietet der Nachwuchs damit zusätzliche Möglichkeiten. Gleichzeitig verfügen die jungen Spieler bislang nur über wenig Erfahrung auf dem Niveau der 3. Liga. Sie können die verletzten Stammkräfte deshalb nicht ohne Weiteres gleichwertig ersetzen.
Eine kurzfristige Verpflichtung weiterer vereinsloser Spieler ist nach Informationen der WAZ derzeit nicht vorgesehen. Dem Bericht vom 24. Oktober zufolge wollen die Verantwortlichen zunächst mit dem vorhandenen Personal bis zur Winterpause kommen und die Situation anschließend erneut beurteilen.
Eine verbindliche öffentliche Zusage, im Winter weitere Spieler zu verpflichten, liegt damit nicht vor. Ob Rot-Weiss Essen auf dem Transfermarkt aktiv wird, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Verletzungssituation bis zum Jahresende entwickelt.
Bereits am 20. Oktober hatte RWE den vereinslosen zentralen Mittelfeldspieler Paul Pöpperl verpflichtet. Der 23-Jährige hatte im Februar einen Kreuzbandriss erlitten und befindet sich weiterhin im Aufbautraining. Spätestens während der Wintervorbereitung soll er wieder vollständig mit der Mannschaft trainieren können.
Steegmann erklärte bei der Verpflichtung, dass Pöpperl nach seiner langen Pause zunächst Zeit benötigen werde. Zugleich sieht die sportliche Leitung in ihm eine Verstärkung für das zentrale Mittelfeld. Eine kurzfristige Lösung für die aktuellen Engpässe ist der Neuzugang allerdings nicht.
Die angespannte Situation trifft Essen in einer Phase mit zusätzlichen Pokalaufgaben. Bereits am Dienstag, 27. Oktober, steht im DFB-Pokal das Heimspiel gegen Bundesligist RB Leipzig an. Anschließend geht es im Ligabetrieb weiter. Auch im Niederrheinpokal ist RWE noch vertreten.
Koschinat machte nach der jüngsten Verletzung deutlich, wie schwierig die personelle Planung geworden ist. Der Trainer kündigte an, die Mannschaft für die kommenden Aufgaben neu ordnen zu müssen. Gleichzeitig verwies er auf die Einsatzbereitschaft seiner verbliebenen Spieler.
Für Rot-Weiss Essen wird damit vor allem die Entwicklung der nächsten Wochen entscheidend. Während bei Menzel und Pöpperl eine Rückkehr ins Mannschaftstraining im Dezember möglich erscheint, fehlen bei anderen Spielern noch verlässliche Zeitpläne. Die genaue Diagnose bei Potočnik könnte zusätzlich beeinflussen, mit welchen personellen Möglichkeiten der Drittligist bis zur Winterpause planen kann.
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