
Hannover 96 hat seine Offensive am letzten Tag der Sommertransferperiode noch einmal verstärkt. Der Zweitligist verpflichtet Emir Sahiti vom Hamburger SV. Der 27 Jahre alte kosovarische Nationalspieler erhält in Hannover einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028 und ist für beide offensiven Außenbahnen vorgesehen. Sowohl Hannover 96 als auch der HSV bestätigten den Wechsel am Dienstag offiziell.
Die Bild hatte bereits am Dienstagvormittag über den bevorstehenden Transfer berichtet und meldete später, dass Sahiti ablösefrei nach Hannover wechselt. Die beiden beteiligten Vereine machten in ihren offiziellen Mitteilungen keine Angaben zu einer Ablösesumme. Gesichert ist deshalb nur, dass Sahiti den HSV vorzeitig verlässt und bei Hannover einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat.
Mit der Verpflichtung schließt Hannover 96 eine konkrete Lücke auf den offensiven Außenpositionen. Sportdirektor Ralf Becker stellte bei der Vorstellung Sahitis ausdrücklich den Zusammenhang mit dem Wechsel von Daisuke Yokota zu den Glasgow Rangers her.
„Nach dem Abgang von Daisuke Yokota war klar, dass wir für die offensiven Flügelpositionen noch jemanden dazunehmen wollen“, sagte Becker.
Yokota hatte Hannover im August verlassen. Der Japaner war erst im Juni nach einer vorherigen Leihe fest von KAA Gent verpflichtet worden. In der Saison 2025/26 hatte er in 30 Zweitligapartien fünf Tore erzielt und vier weitere vorbereitet. Sein anschließender Wechsel nach Glasgow machte auf den Außenbahnen erneut einen Transfer notwendig.
Becker hob bei Sahiti vor allem dessen Fähigkeiten im Dribbling, im direkten Duell und in der Arbeit gegen den Ball hervor. Hannover erhält damit keinen klassischen Mittelstürmer, sondern einen flexibel einsetzbaren Flügelspieler.
Der bereits im Sommer 2025 vollzogene Abgang von Nicolo Tresoldi zum FC Brügge steht dagegen nicht unmittelbar mit dem Sahiti-Transfer in Verbindung. Tresoldi war als zentraler Angreifer nach Belgien gewechselt. Hannover hatte seine Offensive seitdem auf mehreren Positionen neu zusammengestellt. Im Sommer 2026 kam unter anderem Marcel Hartel von St. Louis City SC. Sahiti ist nun vor allem als Ersatz für die auf den Flügeln verlorenen Optionen einzuordnen.
Emir Sahiti wurde in Zemun bei Belgrad geboren und begann seine Laufbahn im Kosovo bei KF Trepça’89. 2015 wechselte er zu Rabotnicki Skopje nach Nordmazedonien. Drei Jahre später folgte der Schritt zu Hajduk Split nach Kroatien. Dort entwickelte er sich nach einer zwischenzeitlichen Leihe zu HNK Sibenik zum Stammspieler.
Für Hajduk absolvierte Sahiti nach Angaben von Hannover 96 insgesamt 121 Pflichtspiele, erzielte 18 Tore und bereitete 16 Treffer vor. Mit dem Klub gewann er 2022 und 2023 den kroatischen Pokal. Im August 2024 wechselte der Rechtsfuß zum Hamburger SV.
In seiner ersten Hamburger Saison kam Sahiti auf 22 Einsätze in der 2. Bundesliga. Dabei gelangen ihm drei Tore und zwei Vorlagen. Insgesamt bestritt er für den HSV 26 Pflichtspiele und kam auf fünf direkte Torbeteiligungen.
In der Saison 2025/26 spielte der 27-Jährige zunächst nur noch eine Nebenrolle beim HSV. In der Bundesliga absolvierte er zwei Partien, hinzu kamen zwei Einsätze im DFB-Pokal. Tore oder Vorlagen gelangen ihm in diesen vier Begegnungen nicht. Ende Januar wurde er bis zum Saisonende an Maccabi Tel Aviv verliehen.
Für Maccabi weist die Ligastatistik 15 Einsätze, zwei Tore und drei Vorlagen aus. Wettbewerbsübergreifend kam Sahiti nach Angaben von Hannover 96 in Israel auf 18 Pflichtspiele und vier Tore. Mit Maccabi gewann er zudem den israelischen Pokal. Damit stehen für die vergangene Saison 17 Ligaeinsätze bei HSV und Maccabi, zwei Tore und drei Vorlagen zu Buche. Hinzu kamen weitere Pokaleinsätze.
Nach seiner Rückkehr nach Hamburg verbesserten sich Sahitis Perspektiven nicht. HSV-Sportdirektor Claus Costa erklärte, der Klub habe mit dem Spieler nach dem Ende seiner Leihe Gespräche über seine Situation geführt.
„Wir haben nach seiner Leih-Rückkehr aus Israel offene und ehrliche Gespräche mit Emir geführt“, sagte Costa. Nach Angaben des HSV kamen beide Seiten dabei zu dem Ergebnis, dass Sahitis Aussicht auf regelmäßige Einsatzzeiten begrenzt war.
Dass der 27-Jährige den Verein nun verlässt, passt zugleich zu einem äußerst bewegten Deadline Day beim Bundesliga-Klub. Der HSV verpflichtete am Dienstag Zakaria El Ouahdi vom KRC Genk, holte Fabio Vieira fest vom FC Arsenal zurück und lieh den norwegischen Linksverteidiger David Möller Wolfe von den Wolverhampton Wanderers aus.
Auf der Abgangsseite verließ neben Sahiti auch Rayan Philippe den Volkspark. Der französische Angreifer wurde für die Saison 2026/27 an den SC Paderborn verliehen.
Für Sahiti bedeutet der Wechsel nach Hannover zugleich ein Wiedersehen mit Jonas Boldt. Hannovers heutiger Geschäftsführer war 2024 beim HSV tätig, als Sahiti aus Split verpflichtet wurde. Nun gehört der Kosovare erneut zu einem von Boldt mitverantworteten Kader.
Sportlich erhält Hannover mit Sahiti einen erfahrenen Außenbahnspieler, der sowohl rechts als auch links eingesetzt werden kann. Für die kosovarische A-Nationalmannschaft bestritt er bislang sieben Länderspiele und erzielte einen Treffer. Zuvor hatte er im Nachwuchs für Albanien gespielt. Bei Hannover wird er künftig die Rückennummer 44 tragen.
Mit dem Transfer hat Hannover 96 damit am Deadline Day genau jene Position nachbesetzt, die der Klub nach Yokotas Abgang ausdrücklich als offene Planstelle bezeichnet hatte. Ob neben der Flügelposition auch im Sturmzentrum noch Veränderungen vorgesehen waren, wurde von Hannover in der offiziellen Mitteilung zum Sahiti-Wechsel nicht erklärt.
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