
Die Bundeswehr baut die Ausstattung ihrer sogenannten Mittleren Kräfte weiter aus. Deutschland erhält 35 weitere Schakal-Radschützenpanzer auf Basis des Boxer. Damit steigt die Zahl der für die Bundeswehr beauftragten Fahrzeuge von bislang 150 auf insgesamt 185. Parallel erhöhen auch die Niederlande ihre Bestellung. Die gemeinsame Beschaffung gehört zu den größeren Modernisierungsvorhaben des deutschen Heeres und soll hochmobile Verbände stärken, die innerhalb Europas schnell auf dem Landweg verlegt werden können.
Die internationale Rüstungsorganisation OCCAR hat ARTEC mit 69 zusätzlichen Radschützenpanzern Boxer RCT 30 für Deutschland und die Niederlande beauftragt. ARTEC ist ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS Deutschland und Rheinmetall. Von den zusätzlichen Fahrzeugen gehen 35 an die Bundeswehr und 34 an die niederländischen Streitkräfte. Die Niederlande kommen damit auf insgesamt 106 bestellte Fahrzeuge dieses Typs.
Es handelt sich nicht um einen vollständig neuen Beschaffungsvertrag, sondern um die Nutzung einer Option aus der 2025 vereinbarten gemeinsamen Bestellung. Damals waren insgesamt 222 Boxer RCT 30 vorgesehen, davon 150 für Deutschland und 72 für die Niederlande. Für die Bundeswehr trägt das Fahrzeug den Namen Schakal. Die ersten Fahrzeuge aus der ursprünglichen Bestellung sollen nach Angaben von KNDS ab Ende 2027 ausgeliefert werden.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte der Beschaffung weiterer Schakal bereits zuvor zugestimmt. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte Anfang Juli, dass zusätzliche Fahrzeuge einschließlich Logistikpaketen über OCCAR beschafft werden sollen. Eine konkrete Stückzahl nannte das Ministerium in seiner damaligen Veröffentlichung nicht. Die nun von KNDS veröffentlichte Vertragsmeldung beziffert den deutschen Anteil auf 35 Fahrzeuge.
Ein offiziell veröffentlichter Auftragswert ausschließlich für die 35 zusätzlichen deutschen Fahrzeuge liegt in den zugänglichen Mitteilungen von Verteidigungsministerium und KNDS nicht vor. Auch einen konkreten Auslieferungszeitraum speziell für diese zusätzliche deutsche Tranche nennt die KNDS-Mitteilung vom 7. August nicht.
Der Schakal basiert auf dem achträdrigen Boxer und kombiniert dessen Fahrmodul mit dem unbemannten RCT-30-Turm. Die Waffenanlage verwendet eine 30-Millimeter-Maschinenkanone und greift technisch auf Komponenten zurück, die auch beim Schützenpanzer Puma eingesetzt werden. Nach Herstellerangaben kann das System bewegliche Ziele während der Fahrt bekämpfen.
Hinzu kommt das Panzerabwehrsystem MELLS. Damit kann der Schakal auch gegen stärker gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden. KNDS nennt zudem Fähigkeiten zur Abwehr von Drohnen und anderen Luftzielen. Neben der Fahrzeugbesatzung können sechs Grenadiere mitgeführt werden. Diese Soldaten können für den Kampf außerhalb des Fahrzeugs absitzen.
Die Kombination aus vergleichsweise hoher strategischer Mobilität und stärkerer Bewaffnung unterscheidet den Schakal von bisherigen Boxer-Varianten der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium beschreibt die mit dem System auszustattenden Verbände als hochmobil und auf dem Landweg schnell strategisch verlegbar. Gleichzeitig sollen sie über deutlich mehr Feuerkraft verfügen als klassische leichte Infanterieverbände.
Der Aufbau der Mittleren Kräfte ist Bestandteil der Neuausrichtung des Heeres auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Diese Verbände setzen stark auf radbewegliche Fahrzeuge und sollen sich über größere Entfernungen ohne aufwendigen Bahntransport verlegen können. Die Bundeswehr hat solche Konzepte bereits bei Übungen über Polen bis nach Litauen erprobt.
Damit besitzt die Beschaffung auch Bedeutung für die NATO-Ostflanke. Die Bundeswehr beschreibt die Mittleren Kräfte ausdrücklich als Verbände, die im Bündnisfall schnell in Richtung Baltikum verlegt werden können. Bei Übungen legten deutsche Einheiten mit Boxer-Fahrzeugen rund 1.600 Kilometer bis nach Litauen auf dem Landweg zurück.
Die zusätzlichen Schakal sind allerdings nicht mit der dauerhaft in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 gleichzusetzen. Diese Brigade ist als schwerer Großverband organisiert und umfasst unter anderem Panzergrenadier- und Panzerkräfte. Ihr Auftrag ist die Bündnisverteidigung im Baltikum. Sie soll bis Ende 2027 einsatzbereit sein und rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten umfassen.
Die Mittleren Kräfte erfüllen eine andere Funktion. Sie sollen innerhalb des europäischen NATO-Gebiets rasch verlegbar sein und damit schwere Verbände ergänzen. Die Bundeswehr sieht gerade die Möglichkeit, Radfahrzeuge ohne zusätzliche Schwertransporter über weite Strecken zu bewegen, als einen zentralen Vorteil dieses Konzepts.
Auch die deutsch-niederländische Kooperation ist für das Vorhaben von Bedeutung. Mit der zusätzlichen Bestellung wächst das gemeinsame Programm von ursprünglich 222 auf 291 Boxer RCT 30. Deutschland hält davon künftig 185 Fahrzeuge, die Niederlande 106.
Gemeinsame Fahrzeugtypen können Ausbildung, Ersatzteilversorgung und logistische Abläufe zwischen verbündeten Streitkräften vereinfachen. KNDS verweist zudem auf Vorteile einer höheren gemeinsamen Produktionsmenge und eine bessere Interoperabilität. Diese Zusammenarbeit passt zur militärischen Integration Deutschlands und der Niederlande, die bei verschiedenen Heereseinheiten bereits seit Jahren eng miteinander kooperieren.
Für die Bundeswehr bedeutet die Optionsauslösung vor allem einen weiteren Schritt beim Aufbau ihrer radbeweglichen Kampfverbände. Mit nun 185 bestellten Schakal erhält das Heer eine größere Flotte eines Systems, das die Lücke zwischen leichten, schnell verlegbaren Einheiten und schwereren mechanisierten Verbänden verkleinern soll. Gerade für die Landes- und Bündnisverteidigung und mögliche schnelle Verstärkungen an der NATO-Ostflanke ist diese Fähigkeit Bestandteil der langfristigen Neuaufstellung des Heeres.
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