
Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundesliga, wirtschaftlich ist der Weg zurück in stabile Verhältnisse aber noch nicht abgeschlossen. Aufsichtsratschef Axel Hefer kritisiert vor allem die Eigenkapitalvorgaben der Deutschen Fußball Liga und sieht den Verein dadurch im Wettbewerb benachteiligt. Gleichzeitig stört ihn die Verteilung der TV-Einnahmen, bei der die sportlichen Ergebnisse mehrerer Jahre berücksichtigt werden. Für einen Aufsteiger wie Schalke wirken schwächere Jahre in der 2. Bundesliga deshalb weiter nach.
Hefer äußerte sich dazu in einem am Mittwoch, 30. September 2026, veröffentlichten Interview mit SPORT BILD. Dabei geht es genau genommen um zwei unterschiedliche Regelwerke: die Nettoeigenkapitalregel im Lizenzierungsverfahren und den Schlüssel für die Verteilung der Medienerlöse.
Schalke weist weiterhin ein deutlich negatives Eigenkapital aus. Nach Angaben von Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers lag die negative Position zuletzt bei 96,6 Millionen Euro. In der Bundesliga muss negatives Nettoeigenkapital grundsätzlich jährlich verbessert werden. Für Schalke gilt im Aufstiegsjahr 2026 eine Sonderregelung. Ab dem Kalenderjahr 2027 wird die Vorgabe wieder wesentlich anspruchsvoller.
Rühl-Hamers hatte auf der Mitgliederversammlung im Juli erklärt, dass Schalke ab 2027 das negative Eigenkapital grundsätzlich um zehn Prozent reduzieren müsse. Bei einer Größenordnung von knapp 100 Millionen Euro entspricht das zunächst fast zehn Millionen Euro. Wird die Vorgabe nicht erfüllt, kann nach dem Lizenzierungsregelwerk in der Folgesaison ein Abzug von drei Punkten drohen.
Hefer hält diesen Mechanismus für problematisch. Im SPORT-BILD-Interview sagte er über die Auswirkungen auf Schalke: „Das ist eine klare Benachteiligung und nicht gerechtfertigt.“ Dabei verweist er darauf, dass Schalke als eingetragener Verein Verluste aus den wirtschaftlich schwierigen Jahren einschließlich der Corona-Zeit weiterhin direkt in seiner Bilanz trägt. Andere Fußballunternehmen könnten aufgrund ihrer jeweiligen Gesellschaftsstrukturen andere Möglichkeiten bei Finanzierung und Bilanzierung besitzen.
Nach Hefers Darstellung sollte bei der wirtschaftlichen Kontrolle von Clubs stärker auf deren Liquidität geschaut werden. Er kritisiert insbesondere, dass eine Verbesserung des bilanziellen Eigenkapitals hohe Gewinne erforderlich machen kann, obwohl ein Verein seine laufenden Verpflichtungen erfüllen kann.
Für 2027 müsse Schalke nach Hefers Worten „fast zehn Millionen Euro Gewinn machen“, um die Anforderungen zu erfüllen. Diese Größenordnung hatte auch Rühl-Hamers im Juli genannt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Schalke derzeit zehn Millionen Euro Liquidität fehlen. Negatives Eigenkapital und verfügbare Zahlungsmittel sind unterschiedliche Kennzahlen.
Die Finanzvorständin betonte zuletzt, dass die Liquidität stabil sei und Schalke seine Verpflichtungen erfülle. Gleichzeitig bleibt die Bilanz belastet. Zum 30. Juni 2025 lagen die Gesamtverbindlichkeiten bei 147,9 Millionen Euro. Die Nettofinanzverbindlichkeiten beliefen sich auf 110,8 Millionen Euro. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag war damals auf 99,1 Millionen Euro gesunken.
Bis zum 31. Dezember 2025 verringerte sich diese negative Eigenkapitalposition auf 96,6 Millionen Euro. Die Nettofinanzverbindlichkeiten lagen zu diesem Stichtag bei 116,4 Millionen Euro. Gleichzeitig erzielte Schalke im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 einen Konzernüberschuss von 2,5 Millionen Euro bei 83,5 Millionen Euro Umsatz.
Ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung ist die 2025 platzierte Unternehmensanleihe über 90 Millionen Euro. Damit refinanzierte Schalke unter anderem auslaufende Anleihen und zahlte zwei landesverbürgte Darlehen mit einem Restvolumen von zusammen mehr als 25,4 Millionen Euro zurück.
Unmittelbare Zweifel an der Spielberechtigung für die laufende Saison ergeben sich daraus nicht. Die DFL erteilte Schalke die Lizenz für die Saison 2026/27 für Bundesliga und 2. Bundesliga im Frühjahr ausdrücklich ohne Bedingungen. Der Verein hatte die Nettoeigenkapitalregel für das Kalenderjahr 2025 erfüllt.
Das Lizenzierungsregelwerk wurde zuvor angepasst. Neben einer Jahresbetrachtung kann inzwischen auch die Entwicklung über drei Jahre berücksichtigt werden, sofern sich die negative Nettoeigenkapitalposition in dem vorgeschriebenen Umfang verbessert und zwischenzeitlich nicht verschlechtert. Schalke profitierte bei der Bewertung für 2025 von dieser Regelung.
Die Herausforderung verschiebt sich damit auf die kommenden Jahre. Höhere Bundesliga-Umsätze helfen, gleichzeitig steigen jedoch auch die sportlichen Kosten.
Genau an diesem Punkt setzt Hefers zweite Kritik an. Die Schalke TV-Gelder steigen zwar mit der Rückkehr in die Bundesliga, doch der Club startet beim leistungsabhängigen Teil der Verteilung nicht auf Augenhöhe mit Vereinen, die in den vergangenen Jahren durchgehend Erstligisten waren.
Für die Spielzeiten 2025/26 bis 2028/29 verteilt die DFL die nationalen Medienerlöse weiterhin über vier Säulen: Gleichverteilung, Leistung, Nachwuchs und Interesse. 50 Prozent werden gleichmäßig verteilt. Die Säule Leistung macht 43 Prozent aus, Nachwuchs vier Prozent und Interesse drei Prozent. Die DFL bestätigte Anfang 2025, dass diese Gewichtung grundsätzlich erhalten bleibt.
Innerhalb der Leistungssäule zählen mehrjährige Tabellen. Das bisherige Modell arbeitet mit zwei Fünfjahreswertungen und einer Zehnjahreswertung. Dadurch zählt nicht allein der aktuelle Bundesliga-Tabellenplatz. Frühere Platzierungen wirken weiter in die Ausschüttung hinein.
Das trifft Schalke nach drei Zweitligajahren besonders. Nach dem Abstieg 2023 belegte der Verein in der 2. Bundesliga zunächst die Plätze zehn und 14, bevor in der Saison 2025/26 die Meisterschaft und damit der Aufstieg gelang. Schalke machte die Rückkehr am 2. Mai 2026 mit einem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf perfekt und schloss die Saison mit 70 Punkten als Zweitligameister ab.
Hefer argumentiert deshalb, dass die wirtschaftliche Wirkung des Aufstiegs bei den leistungsabhängigen Medienerlösen nur schrittweise ankommt. Die vergangenen Zweitligajahre verschwinden erst nach und nach aus den relevanten Wertungen.
Die DFL bewertet ihren Verteilungsmechanismus anders. Bei der Vorstellung des Schlüssels für 2025/26 bis 2028/29 erklärte sie, das Modell verbinde sportliche Leistung mit Solidarität zwischen den 36 Clubs. Die Hälfte der nationalen Einnahmen wird gleichverteilt, die andere Hälfte berücksichtigt unter anderem Leistung, Nachwuchsförderung sowie Fan- und Medieninteresse.
Zugleich wurde die Säule Interesse ab 2025/26 erweitert. Neben Marktforschung fließen nun auch nationale TV-Reichweiten und Mitgliederzahlen ein. Ihr Anteil bleibt bei drei Prozent. Gerade bei diesen Kriterien dürfte ein mitgliederstarker und reichweitenstarker Club wie Schalke grundsätzlich profitieren.
Die grundsätzliche Leistungskomponente blieb jedoch bestehen. Für einen Bundesliga-Rückkehrer bedeutet das, dass eine erfolgreiche aktuelle Saison die Nachteile schwächerer Vorjahre nicht sofort vollständig ausgleicht.
Die wirtschaftlichen Vorgaben reichen unmittelbar in die sportliche Strategie hinein. Sportvorstand Frank Baumann hatte bereits im Sommer erklärt, dass Schalke den Spagat zwischen sportlicher Wettbewerbsfähigkeit und regelmäßigen Transfererlösen bewältigen müsse. Gleichzeitig habe sich die Ausgangslage gegenüber dem Vorjahr verbessert, sodass nicht mehr derselbe Verkaufsdruck bestehe.
Das ist für Schalke von besonderer Bedeutung. Junge Spieler sollen nicht nur sportlich helfen, sondern im Idealfall ihren Marktwert erhöhen. Ein zu früher Verkauf kann kurzfristig einen notwendigen bilanziellen Gewinn schaffen, zugleich aber spätere höhere Transfererlöse verhindern.
Rühl-Hamers hatte im Juli genau dieses Problem beschrieben. Die Erfüllung der Eigenkapitalregel allein über Spielerverkäufe hält sie für riskant. Sportlich wichtige Talente könnten dadurch zu einem Zeitpunkt verkauft werden müssen, an dem ihr wirtschaftliches Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.
Schalke hat deshalb seine Strukturen bei Scouting und Transfers ausgebaut. Im Juni wurde eine eigene Direktion Scouting und Transfers unter Maximilian Lüftl geschaffen. Sportvorstand Baumann verbindet damit das Ziel, dauerhaft bundesligataugliche Spieler zu finden und gleichzeitig Werte im Kader aufzubauen.
Trotz seiner Kritik bewertet Hefer die wirtschaftliche Entwicklung des Clubs grundsätzlich positiv. Schalke habe im vergangenen Transferfenster nicht mehr jedes Angebot für einen Spieler akzeptieren müssen. Im Interview beschreibt er die veränderte Situation mit den Worten, der Club sei „nicht mehr im ständigen Krisenmodus“.
Sein mittelfristiges Ziel ist eine dauerhafte Etablierung in der Bundesliga. Schalke soll nach seinen Vorstellungen innerhalb von drei Jahren im Mittelfeld der Liga angekommen sein. Gleichzeitig sollen Verbindlichkeiten weiter reduziert, das Vereinsgelände entwickelt und Investitionen in die Mannschaft ermöglicht werden.
Der Aufstieg hat dafür die Einnahmemöglichkeiten deutlich verbessert. Die strukturellen Altlasten verschwinden jedoch weder aus der Bilanz noch aus der TV-Geld-Wertung mit einer einzigen erfolgreichen Saison. Genau daraus entsteht der Konflikt, den Hefer mit seiner Kritik an den DFL-Regeln beschreibt.






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