
Roger Schmidt ist seit diesem Donnerstag neuer Head of Global Soccer bei Red Bull. Der 59-Jährige tritt am 1. Oktober 2026 die Nachfolge von Jürgen Klopp an, der den Konzern nach seiner Verpflichtung als deutscher Bundestrainer verlassen hatte. Die Personalie war bereits Ende Juli offiziell bekanntgegeben worden. Zum tatsächlichen Amtsantritt steht nun vor allem die Frage im Mittelpunkt, welchen Einfluss Schmidt auf RB Leipzig und die weiteren Fußballstandorte des Konzerns nehmen wird.
SPORT1 hatte am 1. Oktober unter Berufung auf SID über den Arbeitsbeginn berichtet. Red Bull hatte Schmidts Verpflichtung schon am 31. Juli bestätigt. Die Unternehmenskommunikation beschrieb seinen Aufgabenbereich als Verantwortung für die strategische Ausrichtung und langfristige Entwicklung des weltweiten Fußballportfolios. Gemeinsam mit Florian Scholz, Head of Global Soccer Commercial, soll Schmidt die Einheit Global Soccer führen.
Einen exakt bezifferten Endtermin seines Vertrags veröffentlichte Red Bull nicht. Bestätigt wurde lediglich ein langfristiger Vertrag.
Schmidt übernimmt keine klassische Funktion als Sportdirektor eines einzelnen Vereins. Seine Position liegt oberhalb der jeweiligen Klubführungen. Red Bull formuliert als Ziel, Mannschaften aufzubauen und weiterzuentwickeln, die junge Spieler auf höchstem Niveau fördern und zugleich sportlich erfolgreich sein können. Zum Arbeitsbeginn sind Gespräche mit Trainerteams, sportlichen Verantwortlichen und Akademieleitungen vorgesehen. Zudem soll Schmidt die verschiedenen Standorte persönlich besuchen.
Schmidt sagte zum Amtsantritt: „Es fühlt sich gut an, zurück bei der Red Bull Familie zu sein.“ Er wolle zunächst die Menschen hinter den Klubs kennenlernen und verstehen, wie die einzelnen Standorte arbeiten.
Bereits bei der Bekanntgabe seiner Verpflichtung hatte Schmidt die Kombination aus Talententwicklung und sportlichem Erfolg hervorgehoben. Das globale Portfolio sei „unique, ambitious“ und auf eine klare Philosophie bei der Entwicklung junger Spieler ausgerichtet, erklärte er in der offiziellen Red-Bull-Mitteilung.
Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff begründete die Entscheidung mit Schmidts Erfahrung, seiner Fußballkompetenz und seiner Kenntnis der Konzernphilosophie. Er sei die richtige Person, „um die sportliche Ausrichtung unseres globalen Fußball-Portfolios zu verantworten“. Mintzlaff verwies außerdem auf Schmidts Arbeit mit jungen Spielern.
Für RB Leipzig bedeutet Schmidts Amtsantritt zusätzliche strategische Einflussnahme, aber keine formale Übernahme des Tagesgeschäfts. Die operative Kaderplanung liegt weiterhin bei der Leipziger Sportführung um Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer.
Wie eng die übergeordnete Red-Bull-Ebene dennoch in zentrale sportliche Entscheidungen eingebunden sein kann, zeigte bereits Klopps Amtszeit. Nach der Trennung von Trainer Ole Werner im Juni hatte Klopp seine Rolle so beschrieben: Das Global Team sei „beratend tätig“, zugleich aber an Entscheidungsprozessen beteiligt.
Dieses Modell dürfte grundsätzlich auch unter Schmidt gelten. Red Bull hat ihn ausdrücklich mit der sportlichen Strategie des gesamten Portfolios betraut. Transfers, Trainerentscheidungen und konkrete Vertragsverhandlungen werden deshalb weiterhin von den einzelnen Klubs abgewickelt, können aber mit den langfristigen Vorgaben und Einschätzungen des Global-Soccer-Teams abgestimmt werden.
Gerade bei RB Leipzig ist diese Schnittstelle bedeutsam. Der Bundesligist hatte seinen Kader im Sommer stark verändert. Marcel Schäfer sprach Anfang September von insgesamt 17 Kaderbewegungen und erklärte, der Klub habe eine Mischung aus jungen, entwicklungsfähigen Spielern und erfahrenen Profis zusammengestellt.
Zu den Transfers gehörten unter anderem Marc Guiu, Maxime Estève und Rocco Reitz sowie die Rückkehr von Christopher Nkunku auf Leihbasis. Gleichzeitig verließen mehrere Spieler den Klub.
Schmidts Aufgabe dürfte deshalb weniger darin bestehen, einzelne Transfers selbst abzuwickeln, sondern die sportliche Linie mit den Verantwortlichen abzustimmen. Dazu gehören insbesondere die Entwicklung junger Spieler, die Trainerprofile, die Spielidee und die Frage, wie Spieler zwischen verschiedenen Standorten innerhalb des Netzwerks entwickelt werden können.
Noch vor seinem offiziellen Amtsantritt soll Schmidt bereits in Leipziger Personalfragen einbezogen worden sein. Nach einem Bericht der Sport Bild, den unter anderem Goal aufgriff, habe Schmidt dafür plädiert, an Trainer Martín Demichelis festzuhalten. Eine offizielle Bestätigung für eine konkrete Weisung Schmidts lag zunächst nicht vor.
Auch Bild berichtete, Schmidt habe sich für Unterstützung des Trainers ausgesprochen. Demnach werde er seine Position jedoch nicht als eine Art Ersatztrainer verstehen und schließe eine Rückkehr auf die Trainerbank eines Red-Bull-Klubs aus.
Für die längerfristige sportliche Planung ist dennoch relevant, dass Schmidt selbst über umfangreiche Trainererfahrung verfügt und einen klar definierten Fußballansatz vertritt. Red Bull hob bei seiner Verpflichtung ausdrücklich sein intensives Pressing, hohes Tempo und schnelles Angriffsspiel hervor.
Damit trifft seine Vorstellung in wesentlichen Punkten auf Grundprinzipien, mit denen Red Bull sein Fußballmodell über Jahre aufgebaut hat.
Roger Schmidt wurde am 13. März 1967 in Kierspe geboren und ist damit 59 Jahre alt. Der DFB führt in seinem Datencenter unter anderem Stationen bei Preußen Münster, dem SC Paderborn, Red Bull Salzburg, Bayer Leverkusen, PSV Eindhoven und Benfica Lissabon auf.
Besondere Bedeutung für seine heutige Position hat seine Zeit in Salzburg. Von 2012 bis 2014 trainierte er Red Bull Salzburg und gewann dort 2014 das österreichische Double. Anschließend wechselte er zu Bayer Leverkusen, wo er bis 2017 arbeitete.
Danach führte seine Karriere zu Beijing Guoan in China, PSV Eindhoven in den Niederlanden und Benfica Lissabon. Mit Benfica gewann Schmidt 2023 die portugiesische Meisterschaft. Seine Tätigkeit als Cheftrainer des Klubs endete im August 2024.
Seit Oktober 2025 arbeitete Schmidt zudem als Global Football Advisor für die japanische J.League. Trotz seines Wechsels zu Red Bull soll das dortige Beratungsprojekt weiterlaufen. Die J.League bestätigte Ende Juli ausdrücklich, dass Schmidt auch nach seiner Berufung zum Head of Global Soccer weiter an dem Projekt beteiligt bleiben soll.
Zu Red Bulls zentralem Fußballportfolio gehören RB Leipzig, Red Bull Salzburg, die New York Red Bulls und Red Bull Bragantino. Reuters nennt diese Klubs ausdrücklich im Zusammenhang mit Schmidts neuer Aufgabe.
Hinzu kommen Beteiligungen, bei denen die Eigentümerstruktur anders gelagert ist. Bei Leeds United hält Red Bull seit 2024 einen Minderheitsanteil. Der englische Klub bestätigte damals sowohl die Beteiligung als auch eine mehrjährige kommerzielle Partnerschaft. Leeds blieb dabei unter der Kontrolle seiner bestehenden Eigentümerstruktur, Name und Vereinslogo wurden nicht verändert.
Auch beim Paris FC ist Red Bull Minderheitsaktionär. Der französische Klub bezifferte den Red-Bull-Anteil Ende 2024 auf 10,6 Prozent. Mehrheitsaktionär ist dort Agache Sport.
Damit unterscheidet sich Schmidts Einfluss je nach Klubstruktur. Nicht jeder Verein mit Red-Bull-Beteiligung ist organisatorisch in gleicher Weise an das zentrale Global-Soccer-Modell angebunden. Für Leipzig, Salzburg, New York und Bragantino ist die Verbindung deutlich unmittelbarer.
Schmidts Position war frei geworden, nachdem Jürgen Klopp zum Deutschen Fußball-Bund gewechselt war. Der DFB stellte Klopp am 24. Juli offiziell als neuen Bundestrainer vor. Er unterschrieb einen Vierjahresvertrag und übernahm das Amt am 15. August 2026 als Nachfolger von Julian Nagelsmann.
Klopp war ursprünglich bis 2029 an Red Bull gebunden. DFB und Red Bull verständigten sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung. Offiziell bestätigte der DFB, dass im Gegenzug bis Ende 2030 drei Länderspiele der Männer-Nationalmannschaft in Leipzig ausgetragen werden und der Verband eine Million Euro an die Rückenmarksforschungsstiftung Wings for Life zahlt.
Damit konnte Klopp seine Red-Bull-Funktion vollständig aufgeben. Der DFB begründete dies damit, dass die Aufgabe des Bundestrainers die volle Konzentration erfordere. Seit dem 15. August führt Klopp die deutsche Nationalmannschaft.
Roger Schmidt übernimmt damit eine Funktion, deren praktische Bedeutung für RB Leipzig über eine reine Beraterrolle hinausgehen kann. Die Leipziger Geschäftsführung bleibt für Transfers, Verträge und das operative Sportgeschäft zuständig. Zugleich ist das Global-Soccer-Team an der langfristigen sportlichen Ausrichtung beteiligt.
Für die kommenden Transferperioden dürfte deshalb insbesondere die Frage eine Rolle spielen, wie konsequent Leipzig wieder auf jene Merkmale setzt, die Red Bull bei Schmidts Verpflichtung ausdrücklich hervorgehoben hat: junge entwicklungsfähige Spieler, hohe Intensität, aggressives Pressing und ein international abgestimmtes Entwicklungsmodell.
Schmidt beginnt seine Arbeit zunächst mit Gesprächen und Besuchen an den einzelnen Standorten. Bis zum Jahresende soll er nach Red-Bull-Angaben auch internationale Klubs des Portfolios besuchen und sich ein eigenes Bild von deren Strukturen machen.
Für RB Leipzig bedeutet der Wechsel von Klopp zu Schmidt deshalb keinen Bruch mit dem übergeordneten Red-Bull-Modell. Mit Schmidt übernimmt vielmehr ein Fußballfachmann, der diese Philosophie aus seiner eigenen Trainerzeit in Salzburg bereits kennt und nun erstmals aus einer konzernweiten Führungsposition heraus auf die sportliche Entwicklung der Klubs einwirken soll.






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