
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat eine neue wirtschaftliche Funktion in Russland übernommen. Der 82-Jährige ist Mitglied des Aufsichtsrats von Hyperglobus geworden, der Betreibergesellschaft der russischen Globus-Märkte. Das Unternehmen bestätigte die Personalie am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Anteilseigner nahmen Schröder demnach bereits am 30. September in das Gremium auf. Auch Reuters berichtete über die Berufung.
Gerhard Schröder bei Hyperglobus soll nach Angaben des Unternehmens an der Unternehmensführung beteiligt sein und die strategische Entwicklung des Geschäfts in Russland unterstützen. Eine eigene öffentliche Bestätigung Schröders lag zunächst nicht vor.
Bei Hyperglobus handelt es sich um das frühere Russlandgeschäft der deutschen Globus-Gruppe. Die russischen Märkte wurden Anfang 2025 aus der deutschen Globus Holding herausgelöst. Nach Angaben des deutschen Unternehmens sind die russischen Aktivitäten seitdem rechtlich und operativ unabhängig. Sie treten in Russland allerdings weiterhin unter der Marke Globus auf.
Damit übernimmt Schröder keinen Aufsichtsratsposten bei der deutschen Globus Holding oder den deutschen Globus-Markthallen. Seine neue Funktion betrifft die eigenständige russische Gesellschaft Hyperglobus.
Eigentümer der russischen Gesellschaft ist Thomas Bruch, der früher an der Spitze der Globus-Gruppe stand. Bruch war auch 2026 in Russland geschäftlich aktiv. Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg trat er nach Angaben der deutschen Globus Holding nicht für diese, sondern für Hyperglobus auf.
Die Berufung fällt in eine Phase, in der mehrere westliche Unternehmen in Russland mit staatlichen Eingriffen konfrontiert sind. Erst am 28. September ordnete Russland eine vorübergehende Zwangsverwaltung des dortigen Geschäfts der Metro AG an. Metro erklärte anschließend, keine operative Kontrolle mehr über die russische Tochtergesellschaft zu besitzen. Formal blieb die deutsche Gesellschaft nach eigenen Angaben zunächst Eigentümerin.
Ähnliche Eingriffe gab es zuletzt auch bei weiteren ausländischen Unternehmen. Die russischen Behörden hatten unter anderem Aktivitäten von Nestlé und Auchan unter vorübergehende Verwaltung gestellt.
Ob Schröders Aufnahme in den Hyperglobus-Aufsichtsrat mit dieser Entwicklung zusammenhängt, ist nicht bestätigt. Hyperglobus äußerte sich nach Angaben der dpa nicht zu einem möglichen Zusammenhang zwischen der Personalentscheidung und den Zwangsverwaltungen anderer ausländischer Unternehmen.
Für Gerhard Schröder ist die neue Aufgabe nicht die erste wirtschaftliche Tätigkeit mit Russland-Bezug. Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm er Funktionen im Umfeld der Ostsee-Gaspipelines Nord Stream sowie beim russischen Ölkonzern Rosneft.
Im Mai 2022 legte Schröder sein Mandat im Verwaltungsrat von Rosneft nieder. Eine zuvor geplante Kandidatur für den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom nahm er nicht wahr. Seine engen persönlichen Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine geschäftlichen Verbindungen zu russischen Energieunternehmen haben in Deutschland seit Jahren politische Kritik ausgelöst.
Schröder hielt auch nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Kontakt zu Putin und traf ihn mehrfach. Damit erhält Hyperglobus einen Aufsichtsrat, der über langjährige politische und wirtschaftliche Kontakte nach Russland verfügt. Welche konkreten Aufgaben Schröder im Tagesgeschäft übernehmen wird, wurde zunächst nicht näher erläutert.
Die Globus-Gruppe war bereits seit 2006 auf dem russischen Markt aktiv. In den folgenden Jahren wurde das Filialnetz vor allem rund um Moskau ausgebaut. Zusätzlich entstand in Puschkino ein großes Logistikzentrum. Noch 2020 bezeichnete die damalige Globus-Gruppe den russischen Markt als wichtigen Bestandteil ihres internationalen Geschäfts.
Seit der gesellschaftsrechtlichen Neuordnung Anfang 2025 ist zwischen der deutschen Globus Holding und Hyperglobus zu unterscheiden. Die russischen Märkte gehören nicht mehr zum operativen Geschäft der deutschen Holding, verwenden aber weiterhin die Marke Globus.
Mit Schröders Berufung bekommt diese russische Gesellschaft nun ein in Deutschland prominentes Mitglied ihres Aufsichtsrats. Offiziell bestätigt ist, dass er die Unternehmensführung und die strategische Entwicklung unterstützen soll. Welche konkreten wirtschaftlichen Ziele mit seiner Berufung verbunden sind und welche Rolle er dabei im Einzelnen übernehmen wird, blieb zunächst offen.






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