
Der Baustofflogistiker Schüttflix aus Gütersloh steht vor einem vollständigen Eigentümerwechsel. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Orlando Capital V GmbH & Co. KG will sämtliche Anteile an der Schüttflix Holding GmbH übernehmen. Das Bundeskartellamt prüft den geplanten Erwerb. Der mögliche Verkauf erfolgt in einer wirtschaftlich schwierigen Phase, nachdem das Unternehmen seine früheren Wachstumsziele verfehlt und den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze angekündigt hatte.
Das geplante Geschäft wurde am 21. Oktober 2026 beim Bundeskartellamt angemeldet. Die Behörde veröffentlichte das Verfahren am 27. Oktober unter dem Aktenzeichen B1-151/26. Gegenstand ist der Erwerb sämtlicher Anteile und der alleinigen Kontrolle über die Schüttflix Holding GmbH durch Orlando Capital V. Als betroffene Märkte nennt die Wettbewerbsbehörde Entsorgungsdienstleistungen, Baustoffhandel und Speditionsdienstleistungen.
Eine Freigabe des Zusammenschlusses war bis zum 1. November nicht öffentlich bestätigt. Auch zum Kaufpreis und zu den finanziellen Vereinbarungen zwischen den Beteiligten lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor. Die Anmeldung dokumentiert damit das konkrete Übernahmevorhaben, nicht aber einen bereits abgeschlossenen Eigentümerwechsel.
Die geplante Übernahme trifft auf ein Unternehmen, das seine wirtschaftlichen Erwartungen zuletzt nicht erfüllen konnte. Im Januar 2025 hatte die neu formierte Schüttflix Group für das Geschäftsjahr einen Umsatz von mindestens 250 Millionen Euro angekündigt. Tatsächlich lag der Umsatz 2025 nach Unternehmensangaben, die Radio Gütersloh Ende Oktober veröffentlichte, bei rund 178 Millionen Euro. Damit wurde das damalige Umsatzziel um mindestens 72 Millionen Euro unterschritten.
Auch die Ertragslage war angespannt. Nach Angaben der Zeitung Die Glocke verzeichnete die Unternehmensgruppe bislang Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Eine genaue Aufschlüsselung dieser Verluste nach Geschäftsjahren war zunächst nicht bekannt.
Der veröffentlichte Jahresabschluss der Schüttflix Deutschland GmbH für 2024 weist zudem einen Jahresfehlbetrag von rund 5,7 Millionen Euro bei Umsatzerlösen von rund 111 Millionen Euro aus. Diese Zahlen betreffen allerdings eine einzelne Gesellschaft und sind nicht mit dem Konzernergebnis der gesamten Schüttflix Group gleichzusetzen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten schon vor Bekanntwerden der Verkaufspläne personelle Konsequenzen. Im Juli 2026 kündigte Schüttflix an, bis zum Jahresende rund 65 Stellen abzubauen. Das geht aus einer Dokumentation der europäischen Stiftung Eurofound hervor. Betroffen sein sollten insbesondere Verwaltungs- und Führungspositionen, während die operative Logistik von den Kürzungen ausgenommen bleiben sollte.
Zum Zeitpunkt der Ankündigung beschäftigte die Gruppe rund 360 Menschen. Ende Oktober lag die Beschäftigtenzahl laut Radio Gütersloh bei rund 290, davon etwa 80 am Standort Gütersloh. Wie viele der angekündigten Stellenstreichungen bereits vollständig umgesetzt waren, ging aus diesen Angaben nicht hervor.
Für die derzeitigen Beschäftigten ergeben sich durch die geplante Übernahme weitere offene Fragen. Konkrete Zusagen zum langfristigen Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze oder Angaben zu zusätzlichen Umstrukturierungen waren zunächst nicht bekannt.
Schüttflix wurde 2019 als digitale Logistikplattform für die Baubranche aufgebaut. Das Unternehmen vernetzt Bauunternehmen, Baustoffanbieter und Transportunternehmen, um unter anderem Sand, Kies und andere Schüttgüter zu bestellen und zu transportieren. Später wurde das Angebot um die Entsorgung mineralischer Bauabfälle erweitert.
Anfang 2025 stellte sich Schüttflix durch den Zusammenschluss mit IK Umwelt und der Entsorgungssparte der Hagedorn Unternehmensgruppe breiter auf. Ziel war es, Baustofflieferungen, Abfallentsorgung und Recycling stärker miteinander zu verbinden. Materialien aus Abbruch- und Bauarbeiten sollen dadurch aufbereitet und erneut im Bauwesen eingesetzt werden können.
Mit Orlando Capital soll ein Finanzinvestor die Kontrolle übernehmen, der bereits Unternehmen unterschiedlicher Branchen in seinem Portfolio hält. Die Beteiligungsgesellschaft beschreibt die Weiterentwicklung von Unternehmen, auch in wirtschaftlich schwierigen Situationen, als Teil ihrer Tätigkeit.
Zu den bestehenden Beteiligungen gehört unter anderem die Tennis-Point Group mit Sitz in Herzebrock-Clarholz. Damit ist Orlando Capital bereits an einem Unternehmen aus der Region beteiligt.
Nach Angaben von Radio Gütersloh sind auch der Unternehmer Thomas Hagedorn und Schüttflix-Geschäftsführer Christian Hülsewig an der geplanten Investorenkonstellation beteiligt. Wie die Beteiligungen innerhalb der Käuferstruktur genau verteilt werden sollen, blieb zunächst offen.
Trotz des geplanten Verkaufs soll Gütersloh der Sitz der Unternehmensgruppe bleiben. Ein Unternehmenssprecher bestätigte diese Absicht gegenüber der Zeitung Die Glocke. Unklar war zunächst, welche organisatorischen Veränderungen der mögliche neue Eigentümer vornehmen will.
Der Standort hatte in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Im April 2024 eröffnete Schüttflix dort einen siebenstöckigen Neubau, den sogenannten Schüttflix-Tower. Das Gebäude war seinerzeit Ausdruck der Wachstumspläne des Unternehmens.
Mit der geplanten Übernahme durch Orlando Capital könnte nun eine neue Phase der Unternehmensentwicklung beginnen. Ob der Eigentümerwechsel zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Stabilisierung führt und welche Folgen er für die verbleibenden Beschäftigten hat, war zum Zeitpunkt der Anmeldung noch offen.
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