
Der SV Wehen Wiesbaden hat Jochen Seitz als neuen Cheftrainer verpflichtet. Der 49-Jährige übernimmt den Fußball-Drittligisten nach dem schwachen Start in die Saison 2026/27 und folgt auf Daniel Scherning. Der Verein bestätigte die Personalentscheidung am Mittwoch, 23. September, offiziell. Seitz erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2027 mit einer Verlängerungsoption. Gemeinsam mit ihm wechselt Co-Trainer Nico Wegmann nach Wiesbaden.
Damit ist die Trainersuche etwas mehr als eine Woche nach der Freistellung von Scherning beendet. Der SVWW hatte sich am 14. September nach fünf Ligaspielen von seinem bisherigen Cheftrainer und dessen Assistenten Andreas Zimmermann getrennt. Zu diesem Zeitpunkt standen lediglich zwei Punkte auf dem Konto. In den beiden folgenden Partien betreuten Frank Steinmetz und Giuliano Modica die Mannschaft. Beide bleiben auch unter Seitz Teil des Trainerteams.
Seitz unterschrieb nach Vereinsangaben bis zum 30. Juni 2027. Zusätzlich enthält der Vertrag eine Verlängerungsoption. Nähere Bedingungen dieser Option veröffentlichte der SV Wehen Wiesbaden zunächst nicht. Die Verpflichtung wurde am Mittwochnachmittag im Rahmen der Vorstellung des neuen Trainers öffentlich gemacht. Zuvor hatten unter anderem Bild und der Hessische Rundfunk über die bevorstehende Personalentscheidung berichtet. Mit der offiziellen Mitteilung des SVWW ist der Wechsel inzwischen bestätigt.
Geschäftsführer Sport Uwe Stöver begründete die Wahl vor allem mit Seitz‘ bisheriger Arbeit als Trainer. Der 49-Jährige habe Mannschaften entwickeln, stabilisieren und über längere Zeit leistungsfähig machen können. Der SVWW setzt zudem auf eine Spielweise mit hoher Intensität gegen den Ball und Tempo im eigenen Ballbesitz. Seitz selbst stellte bei seiner Vorstellung die Entwicklung einer klaren Struktur und Spielidee sowie die Stabilisierung der Mannschaft in den Mittelpunkt.
Die kurzfristige Zielsetzung formulierte die sportliche Führung ebenfalls vergleichsweise konkret. Bis zur Winterpause soll die Mannschaft stabiler werden und wieder den Anschluss an das Tabellenmittelfeld herstellen. Einen grundlegenden Zweifel an der Qualität des zusammengestellten Kaders äußerte Stöver bei der Vorstellung nicht.
Seitz war zuletzt Cheftrainer des 1. FC Lokomotive Leipzig. Er übernahm die Mannschaft zur Saison 2024/25 und gewann mit Lok in beiden Spielzeiten die Meisterschaft der Regionalliga Nordost. In die 3. Liga schaffte Leipzig den Sprung dennoch nicht. Nach der ersten Meisterschaft scheiterte der Klub in den Aufstiegsspielen am TSV Havelse, ein Jahr später an den Würzburger Kickers.
In der Saison 2025/26 kam Lok Leipzig in den 34 Spielen der Regionalliga auf 23 Siege, drei Unentschieden und acht Niederlagen. Das ergab 72 Punkte. In den beiden anschließenden Aufstiegsspielen blieb die Mannschaft ohne Erfolg. Über alle Wettbewerbe hinweg standen für Seitz in dieser Spielzeit 40 Pflichtspiele mit 25 Siegen, drei Unentschieden und zwölf Niederlagen zu Buche.
Bereits in seiner ersten Leipziger Saison 2024/25 hatte Seitz nicht nur die Regionalliga-Meisterschaft gewonnen, sondern mit seiner Mannschaft auch den sächsischen Landespokal geholt. Insgesamt weist seine Leipziger Amtszeit eine Bilanz von 54 Siegen, elf Unentschieden und 17 Niederlagen in 82 Pflichtspielen auf. Anfang Juni 2026 legte Seitz sein Amt nieder und trat einen zuvor bis 2028 verlängerten Vertrag nicht mehr an. Lok Leipzig bestätigte den Rücktritt am 2. Juni.
Der am 11. Oktober 1976 in Erlenbach am Main geborene Seitz ist 49 Jahre alt. Seine Trainerlaufbahn führte ihn zunächst zum FC Bayern Alzenau. Dort arbeitete er unter anderem als Spielertrainer. Im September 2016 wechselte er zu Viktoria Aschaffenburg und blieb dort bis zum Sommer 2023. In dieser Zeit führte er den Verein 2018 zurück in die Regionalliga Bayern und etablierte die Mannschaft dort. Anschließend folgte nach einer einjährigen Phase ohne Traineramt zur Saison 2024/25 der Wechsel nach Leipzig.
Seitz bringt außerdem umfangreiche Erfahrung aus seiner aktiven Laufbahn mit. Er absolvierte 162 Bundesligaspiele und 73 Begegnungen in der 2. Bundesliga. Zu seinen Vereinen gehörten unter anderem der Hamburger SV, die SpVgg Unterhaching, der VfB Stuttgart, der FC Schalke 04, der 1. FC Kaiserslautern, die TSG Hoffenheim und Alemannia Aachen. Seine aktive Karriere beendete er 2016 bei Bayern Alzenau.
Zum personellen Neustart gehört auch Nico Wegmann. Er wechselt als Co-Trainer gemeinsam mit Seitz zum SV Wehen Wiesbaden. Beide kennen sich bereits aus ihrer Zusammenarbeit bei Viktoria Aschaffenburg und Lok Leipzig. Wegmann war zuletzt als Trainer der Sportfreunde Seligenstadt tätig.
Gleichzeitig setzt der Verein im Funktionsteam auf Kontinuität. Frank Steinmetz und Giuliano Modica, die nach der Freistellung von Scherning vorübergehend die Verantwortung für die Profimannschaft übernommen hatten, bleiben als Co-Trainer im Stab. Der zuvor gemeinsam mit Scherning freigestellte Andreas Zimmermann gehört dagegen nicht mehr zum Trainerteam.
Seitz übernimmt den SVWW in einer sportlich schwierigen Lage. Nach sieben Spieltagen steht Wiesbaden mit fünf Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz der 3. Liga. Unter der Interimslösung gelang zunächst ein 2:0 bei Fortuna Köln, anschließend verlor der SVWW zu Hause mit 1:4 gegen den MSV Duisburg.
Der Trainerwechsel soll damit nicht nur kurzfristig für Stabilität sorgen. Mit der Entscheidung für Seitz verpflichtet Wiesbaden einen Trainer, dessen jüngste Mannschaften über zwei komplette Spielzeiten an der Spitze ihrer Liga standen. Für ihn selbst ist die Aufgabe zugleich der Schritt in den deutschen Profifußball als Cheftrainer. Sein erstes Ligaspiel mit dem SVWW ist nach aktuellem Spielplan am 11. Oktober beim FC Ingolstadt vorgesehen. Zuvor stehen unter anderem ein Testspiel gegen den Karlsruher SC und eine Partie im Hessenpokal an.
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