
Der September beginnt an den Aktienmärkten mit einem ungewöhnlich schlechten historischen Ruf. Langfristige Daten zeigen, dass der Monat beim deutschen Leitindex DAX schwächer abschneidet als die übrigen Kalendermonate. Auch an der Wall Street ist das Muster über Jahrzehnte zu beobachten. Für den September 2026 kommt hinzu, dass mehrere wichtige Entscheidungen zu Zinsen und Inflation unmittelbar bevorstehen.
Der DAX startet dabei aus einer starken Position in den neuen Monat. Am Freitag, 28. August 2026, schloss der deutsche Leitindex bei 26.569,99 Punkten und damit nur knapp unter seinem bisherigen Rekordniveau. Allein im August legte der Index deutlich zu.
Historische Durchschnittswerte sind jedoch keine Vorhersage. Auch wenn der September als schlechtester Börsenmonat gilt, können einzelne September deutlich positiv verlaufen. Entscheidend für die tatsächliche Kursentwicklung sind aktuelle Unternehmensdaten, Konjunktur, Zinsen und politische Ereignisse.
Eine Auswertung der monatlichen DAX-Entwicklung von 1959 bis einschließlich 2025 weist den September als schwächsten Monat des Jahres aus. Die historische Zeitreihe reicht dabei weiter zurück als die offizielle Einführung des DAX im Jahr 1988, weil ältere Indexdaten rückgerechnet wurden. Statista führt den September in der bis 2025 aktualisierten Statistik als schlechtesten Börsenmonat. Frühere Auswertungen dieser langen Datenreihe kommen auf ein durchschnittliches September-Minus von rund 1,8 Prozent.
Zum Vergleich: Der März weist in der bis 2025 reichenden Statistik mit durchschnittlich rund 1,54 Prozent die beste Monatsentwicklung auf. Das macht deutlich, dass sich im langfristigen Jahresverlauf saisonale Unterschiede erkennen lassen.
Auch jüngere Jahre passen allerdings nicht zuverlässig in dieses Muster. Im September 2025 verlor der DAX beispielsweise lediglich 0,11 Prozent. Der historische Mittelwert sagt deshalb wenig darüber aus, wie stark ein einzelner September ausfällt.
Der sogenannte September-Effekt ist kein rein deutsches Phänomen. Beim breiten US-Aktienindex S&P 500 fällt die Monatsbilanz über sehr lange Zeiträume ebenfalls ungewöhnlich schwach aus. Seit 1928 liegt die durchschnittliche September-Performance nach einer aktuellen Auswertung bei rund minus 1,2 Prozent. Damit hebt sich der September negativ von den übrigen Monaten ab.
Eine eindeutige wirtschaftliche Ursache für das saisonale Muster gibt es nicht. Diskutiert werden unter anderem das Ende der sommerlich umsatzschwächeren Börsenphase, Portfolioanpassungen institutioneller Investoren und steuerliche beziehungsweise bilanzielle Effekte in bestimmten Märkten. Solche Erklärungsversuche ändern nichts daran, dass die Statistik lediglich Vergangenheitswerte beschreibt.
Historische Extremereignisse verstärken zudem die Wahrnehmung des Monats. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die Zuspitzung der globalen Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 fielen ebenfalls in diesen Zeitraum. Der besonders schwere Börseneinbruch der Finanzkrise setzte sich allerdings auch im Oktober 2008 fort.
Unabhängig von der Saisonalität stehen im September 2026 mehrere Termine an, die die Aktienmärkte bewegen können. Bereits am 1. September veröffentlicht Eurostat die erste Schätzung zur Inflation im Euroraum für August. Im Juli hatte die Inflationsrate bei 2,9 Prozent gelegen. Besonders Energiepreise trugen zum Preisauftrieb bei.
Am 10. September entscheidet anschließend die Europäische Zentralbank über ihre Geldpolitik. Die EZB hatte ihre Leitzinsen im Juni um 0,25 Prozentpunkte angehoben und sie bei der Sitzung am 23. Juli unverändert gelassen. Als wesentlichen Unsicherheitsfaktor nennt die Notenbank weiterhin die Entwicklung der Energiepreise und deren mögliche Auswirkungen auf die Inflation.
Nur wenige Tage später folgt die Federal Reserve. Das nächste reguläre Treffen des Offenmarktausschusses ist für den 15. und 16. September angesetzt. Nach zuletzt höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten war Ende August an den Märkten erneut darüber diskutiert worden, ob die Fed ihre Geldpolitik weiter straffen könnte.
Zusätzlich zu den Notenbanken bleiben geopolitische Entwicklungen ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. Der Konflikt im Nahen Osten hat 2026 die Energiepreise zeitweise deutlich beeinflusst. Vor allem die Lage rund um die Straße von Hormus steht im Fokus, da die Route für den internationalen Öl- und Gastransport eine große Bedeutung besitzt.
Steigende Energiepreise können Unternehmen über höhere Kosten treffen und zugleich den Inflationsdruck verstärken. Dadurch würden sie indirekt auch die Erwartungen an die Geldpolitik beeinflussen.
Für den DAX kommt hinzu, dass viele große Indexunternehmen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands erzielen. Entwicklungen in den USA, China und auf den internationalen Rohstoffmärkten können deshalb für die Kurse wichtiger sein als die deutsche Konjunktur allein.
Die langfristigen Daten zeigen eindeutig, warum der September seinen Ruf als schwächster Börsenmonat bekommen hat. Sie liefern jedoch keine belastbare Aussage darüber, ob der DAX im September 2026 steigt oder fällt.
Gerade der Startpunkt ist diesmal ungewöhnlich: Ende August notiert der DAX nahe seinem Rekordhoch. Gleichzeitig treffen in den kommenden Wochen Inflationszahlen, Entscheidungen von EZB und Fed sowie geopolitische Unsicherheiten aufeinander. Diese aktuellen Faktoren können die Börsenentwicklung wesentlich stärker beeinflussen als ein statistischer Kalendereffekt.
Historische Durchschnittsrenditen beschreiben viele Jahrzehnte mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen. Ein einzelner September kann daher deutlich besser oder schlechter verlaufen als der langfristige Mittelwert.
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