
Der September hat an den Aktienmärkten einen schlechten Ruf. Tatsächlich lässt sich dieser Ruf über sehr lange Zeiträume statistisch belegen. Beim S&P 500 und beim DAX fällt die durchschnittliche Monatsbilanz deutlich schwächer aus als in den meisten anderen Monaten. Auch der Dow Jones zeigt ein ähnliches Muster. Daraus folgt allerdings nicht, dass die Kurse im September 2026 fallen müssen.
Saisonalität beschreibt lediglich, was in der Vergangenheit im Durchschnitt passiert ist. Sie ist keine Kursprognose. Gerade die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, dass der vermeintlich schlechteste Börsenmonat problemlos mit steigenden Kursen enden kann.
Besonders lang ist die Datenreihe für den amerikanischen Aktienmarkt. Berechnungen von S&P Dow Jones Indices ergeben für den S&P 500 im September langfristig eine durchschnittliche Monatsrendite von etwa minus 1,1 bis minus 1,2 Prozent. Je nach gewähltem Startpunkt der historischen Reihe unterscheiden sich die Werte geringfügig.
Eine Auswertung auf Basis der Daten seit 1928 kam zudem darauf, dass der S&P 500 nur in rund 44 Prozent der Septembermonate zulegte. Damit ist September an der Börse tatsächlich statistisch auffällig.
Wie wenig daraus für ein einzelnes Jahr abgeleitet werden kann, zeigen die jüngsten Ergebnisse. 2020 verlor der S&P 500 im September 3,99 Prozent, 2021 waren es 4,76 Prozent. 2022 folgte mit minus 9,34 Prozent ein besonders schwacher Monat. Im September 2023 sank der Index nochmals um 4,87 Prozent.
Danach änderte sich das Bild vollständig. Im September 2024 gewann der S&P 500 2,02 Prozent. Im September 2025 waren es sogar 3,53 Prozent. Zwei der jüngsten sechs Septembermonate widersprachen damit dem langfristigen Durchschnitt deutlich.
Beim traditionsreichen Dow Jones Industrial Average ergibt sich ein ähnliches Muster. Nach langfristigen Daten von Dow Jones Market Data liegt die durchschnittliche Septemberentwicklung ebenfalls bei ungefähr minus 1,1 Prozent.
Auch hier waren die Ausschläge in einzelnen Jahren wesentlich größer. Im September 2021 verlor der Dow 4,29 Prozent. 2022 sank er um 8,84 Prozent und 2023 um weitere 3,50 Prozent.
Anschließend folgten zwei positive September. 2024 stieg der Dow Jones um 1,85 Prozent, 2025 um 1,87 Prozent. Die jüngere Entwicklung verdeutlicht damit zugleich den historischen Effekt und dessen begrenzte Aussagekraft für den jeweils nächsten September.
Auch am deutschen Aktienmarkt ist der September historisch schwach. Eine Auswertung des DAX Performanceindex seit dem offiziellen Indexstart 1988 kommt auf eine durchschnittliche Septemberrendite von ungefähr minus zwei Prozent. Nur rund vier von zehn Septembermonaten endeten demnach positiv.
Ein Teil des schlechten Durchschnitts geht auf außergewöhnlich starke Einbrüche zurück. Im September 2002 verlor der DAX mehr als 25 Prozent. Auch der September 1990 mit rund minus 18 Prozent und der September 2001 mit knapp minus 17 Prozent gehören zu den schwächsten Monaten der deutschen Börsengeschichte.
Der negative Effekt beschränkt sich allerdings nicht nur auf diese Extremjahre. Zuletzt verlor der DAX im September 2022 5,61 Prozent und 2023 weitere 3,51 Prozent. Im September 2024 stieg er dagegen um 2,21 Prozent. 2025 bewegte sich der Index mit einem Minus von lediglich 0,09 Prozent praktisch seitwärts.
Für das Muster werden seit Jahren verschiedene Erklärungen diskutiert. Eine allgemein akzeptierte einzelne Ursache gibt es nicht.
Ein Ansatz verweist auf die Rückkehr institutioneller Investoren nach der ruhigeren Sommerphase. Portfolios werden neu gewichtet, Positionen reduziert und Strategien für das letzte Jahresviertel angepasst. Dadurch können Handelsaktivität und Verkaufsdruck zunehmen.
Auch die Terminplanung von Investmentfonds und steuerliche Effekte werden als mögliche Faktoren genannt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass solche Erklärungen den September Effekt nicht vollständig erklären können.
Eine weitere Forschungsrichtung beschäftigt sich mit geringerer Aufmerksamkeit während längerer Ferienzeiten. Eine internationale Untersuchung mit Daten aus 47 Ländern fand nach größeren Schulferien im Durchschnitt niedrigere Aktienmarktrenditen. Die Autoren brachten dies unter anderem damit in Verbindung, dass Informationen während Ferienzeiten möglicherweise langsamer in die Kurse einfließen.
Andere Arbeiten zeigen zugleich, dass saisonale Renditemuster mit verschiedenen Marktanomalien zusammenhängen und nicht zwingend einen eigenständigen, dauerhaft ausnutzbaren Mechanismus darstellen. Historische Durchschnittswerte können außerdem stark von einzelnen Krisenjahren beeinflusst werden.
Vor dem September 2026 unterscheidet sich die Ausgangslage deutlich von vielen früheren Schwächephasen. Der DAX beendete den Handel am Freitag, 28. August, bei 26.569,99 Punkten. Seit Jahresbeginn ergibt sich damit ein Plus von rund 9,2 Prozent. Allein im August lag der Index zu diesem Zeitpunkt rund 4,3 Prozent höher.
Auch die amerikanischen Indizes gehen mit deutlichen Jahresgewinnen in den neuen Monat. Der S&P 500 schloss am 28. August bei 7.711,76 Punkten und lag seit Jahresbeginn etwa 12,7 Prozent im Plus. Der Dow Jones beendete den Handel bei 53.559,99 Punkten und hatte 2026 bis dahin etwa 11,4 Prozent gewonnen.
Ein wesentlicher Treiber des US Aktienmarktes waren zuletzt hohe Unternehmensgewinne und die anhaltenden Investitionen rund um künstliche Intelligenz. Die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 lagen im zweiten Quartal nach aktuellen Berechnungen deutlich über dem Vorjahresniveau.
Gleichzeitig hat sich kurz vor Monatsbeginn ein neuer Unsicherheitsfaktor aufgebaut. US Notenbankchef Kevin Warsh bekräftigte am 28. August beim Zentralbanktreffen in Jackson Hole den Kampf gegen die weiterhin erhöhte Inflation.
An den Finanzmärkten stieg daraufhin die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der September Sitzung der US Notenbank deutlich. Die Renditen kurzfristiger US Staatsanleihen zogen an, während S&P 500 und Nasdaq am Freitag nachgaben.
Entscheidend für die tatsächliche Geldpolitik werden unter anderem die nächsten Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten sein. Bereits in der ersten Septemberwoche steht der amerikanische Arbeitsmarktbericht für August an.
Damit beginnt der September 2026 mit einem echten Spannungsfeld. Auf der einen Seite stehen hohe Indexstände, kräftige Unternehmensgewinne und deutliche Kursgewinne seit Jahresbeginn. Auf der anderen Seite stehen Inflationsrisiken, höhere Anleiherenditen und Unsicherheit über den weiteren Zinspfad.
Die historische September Schwäche liefert dafür einen interessanten Hintergrund, aber keinen Fahrplan. Selbst ein statistisch auffälliger Durchschnitt über viele Jahrzehnte sagt nicht voraus, ob DAX, Dow Jones oder S&P 500 in einem bestimmten September steigen oder fallen.
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