Tief unter dem Laacher See bewegt sich etwas

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Unter der Osteifel laufen Prozesse ab, die Forschende inzwischen deutlich genauer beobachten können als noch vor wenigen Jahren. Schwache Erdbeben reichen bis in den oberen Erdmantel, Kohlendioxid tritt an zahlreichen Stellen an die Oberfläche und neue seismologische Auswertungen deuten auf Ansammlungen von Fluiden in der Erdkruste hin. Ein Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch ist das nicht.

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Neue Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2026 liefern vielmehr ein genaueres Bild eines Vulkansystems, das nach wissenschaftlicher Einschätzung nicht erloschen, sondern über geologische Zeiträume betrachtet weiterhin aktiv ist. Der Laacher See Vulkan steht deshalb unter intensiver Beobachtung.

Besonders aufschlussreich sind Daten eines außergewöhnlich dichten Messnetzes, das Forschende in der Eifel aufgebaut hatten. Mehr als 500 seismische Stationen und weitere Sensoren ermöglichten zeitweise Abstände von weniger als zwei Kilometern zwischen einzelnen Messpunkten. Damit ließ sich der Untergrund in einer für die Region bislang nicht erreichten Auflösung untersuchen.

Neue Studie zeigt mögliche Fluidreservoirs in großer Tiefe

Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie konzentriert sich auf die sogenannte Ochtendunger Seismizitätszone südöstlich des Laacher Sees. Dort treten seit Jahrzehnten immer wieder kleine Erdbeben auf. Während des groß angelegten Eifel Messprojekts wurden allein zwischen September 2022 und August 2023 mehr als 500 lokale Erdbeben für die betreffende Untersuchung erfasst.

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Bei zahlreichen Beben registrierten die Seismometer ungewöhnliche zusätzliche Scherwellen. Die Forschenden führen diese Reflexionen auf starke Unterschiede in den Eigenschaften des Gesteins zurück. Ihre Auswertung weist auf örtlich begrenzte Zonen in etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe hin, in denen sich Fluide angesammelt haben könnten.

Als mögliche Bestandteile kommen unter anderem überkritisches Kohlendioxid und andere magmatische Fluide infrage. Die Daten liefern jedoch keinen direkten Nachweis einer großen, flüssigen Magmakammer in dieser Tiefe. Auch die Autoren unterscheiden ausdrücklich zwischen Fluiden, Schmelze und möglichen Mischformen.

Eine weitere seismische Untersuchung hatte zuvor unter dem Laacher See eine auffällige Struktur zwischen ungefähr zwei und zehn Kilometern Tiefe sichtbar gemacht. Sie wird als Überrest beziehungsweise Teil des früheren magmatischen Systems interpretiert. Auffällig ist, dass diese Struktur schräg in Richtung des Neuwieder Beckens verläuft, wo sich auch ein großer Teil der Mikrobeben konzentriert.

Tiefe Erdbeben reichen bis in den oberen Erdmantel

Seit 2013 werden in der Osteifel außerdem sogenannte tiefe niederfrequente Erdbeben registriert. In der Fachliteratur werden sie als DLF Erdbeben bezeichnet. Einige liegen mehr als 30 Kilometer tief, ältere Messreihen reichen bis etwa 40 beziehungsweise 45 Kilometer.

Solche Erdbeben unterscheiden sich von gewöhnlichen tektonischen Beben. Ihre Frequenzen sind ungewöhnlich niedrig und sie treten teilweise in eng begrenzten Gruppen auf. Vergleichbare Signale sind aus anderen Vulkangebieten der Welt bekannt und werden dort mit der Bewegung von Magma oder gasreichen Fluiden in Verbindung gebracht.

Für die Osteifel ergibt sich daraus das Modell, dass Material aus dem oberen Mantel episodisch nach oben gelangen und sich an Schwächezonen der Erdkruste sammeln kann. Erhöhter Fluiddruck könnte dort bestehende Bruchflächen aktivieren und einen Teil der beobachteten Mikrobeben auslösen.

Das beschreibt einen Prozess tief im Erdinneren. Daraus lässt sich weder der Zeitpunkt noch die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Ausbruchs ableiten.

CO₂ Quellen liefern zusätzliche Informationen

Auch an der Erdoberfläche gibt es sichtbare Hinweise auf das tiefe System. Rund um den Laacher See und in anderen Teilen der Eifel tritt natürliches Kohlendioxid aus dem Boden, aus Quellen und sogenannten Mofetten aus.

Seit 2020 wurde dafür ein Messnetz mit zwölf Stationen aufgebaut. Die Sensoren stehen unter anderem an stillgelegten Kohlendioxidbohrungen, mineralreichen Quellen, Mofetten, Böden mit Gasaustritten und einem Kaltwassergeysir. An einigen Punkten werden Daten mit sehr hoher zeitlicher Auflösung kontinuierlich erfasst.

Gemessen werden je nach Standort unter anderem Kohlendioxidfluss, Temperatur, Radon und die Isotopenzusammensetzung von Helium. Gerade Helium ist für Forschende interessant, weil bestimmte Isotopenverhältnisse Rückschlüsse auf einen Ursprung im Erdmantel erlauben.

An einem Messpunkt veränderte sich das Verhältnis bestimmter Heliumisotope zwischen 2021 und 2025. Die Forschenden stellten dabei einen möglichen zeitlichen Zusammenhang mit tiefen Erdbebenschwärmen fest. Ein ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch noch nicht bewiesen.

Kurzfristige Veränderungen der Messwerte können zudem ganz andere Ursachen haben. Starkregen, Luftdruckschwankungen sowie nahe oder weit entfernte Erdbeben beeinflussen einzelne Stationen ebenfalls. Gerade deshalb sind lange Messreihen notwendig.

Das Überwachungsnetz wurde deutlich ausgebaut

Für die dauerhafte Beobachtung ist vor allem der Landeserdbebendienst Rheinland Pfalz zuständig. Er arbeitet mit dem Erdbebendienst Südwest sowie Forschungseinrichtungen wie dem GFZ Helmholtz Zentrum für Geoforschung und dem Karlsruher Institut für Technologie zusammen.

Die seismischen Daten werden fortlaufend automatisch ausgewertet und zusätzlich von Fachleuten geprüft. Das dichte Forschungsnetz der Jahre 2022 und 2023 war zwar ein zeitlich begrenztes Experiment, die reguläre seismische Überwachung der Osteifel wurde jedoch bereits zuvor schrittweise verbessert.

Zusätzlich gewinnen Gasanalysen und geodätische Verfahren an Bedeutung. Mit GNSS und anderen Verfahren lassen sich kleinste Veränderungen der Erdoberfläche beobachten. Deutliche Bodenhebungen, intensive flache Erdbebenschwärme und Veränderungen vulkanischer Gase gehören weltweit zu den möglichen Signalen, nach denen Vulkanologen bei aktiven Systemen suchen.

Nach den zuletzt veröffentlichten wissenschaftlichen Daten wurde in der Osteifel keine ausgeprägte Oberflächendeformation festgestellt, die auf einen unmittelbar bevorstehenden Magmaaufstieg schließen ließe.

Behörden sehen keine Hinweise auf einen nahen Ausbruch

Das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland Pfalz warnt ausdrücklich davor, die tiefen Erdbeben mit einer unmittelbar bevorstehenden Eruption gleichzusetzen.

Nach Einschätzung der Behörde lassen die vorhandenen Erkenntnisse keinen Schluss darauf zu, dass unter der Osteifel eine große aktive Magmakammer existiert, die in naher Zukunft eine große explosive Eruption auslösen könnte.

Grundsätzlich gilt der Vulkanismus der Eifel allerdings nicht als endgültig erloschen. Ausbrüche in ferner Zukunft können deshalb wissenschaftlich nicht ausgeschlossen werden. Wann und wo eine neue Eruption stattfinden könnte, lässt sich aus den bisherigen Daten nicht bestimmen.

Ein deutlicher Aufstieg von Magma in die flache Erdkruste würde nach Einschätzung der Fachleute mit zusätzlichen Signalen einhergehen. Dazu gehören insbesondere Schwärme flacherer, höherfrequenter Erdbeben. Eine solche Aktivität wurde in der Osteifel bislang nicht beobachtet.

Auch die Vorstellung, nach rund 13.000 Jahren müsse der Laacher See gewissermaßen wieder ausbrechen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Vulkane besitzen keinen festen Eruptionskalender.

Ausbruch vor gut 13.000 Jahren war außergewöhnlich stark

Der heutige Laacher See entstand bei einer der stärksten Vulkankatastrophen Mitteleuropas im späten Eiszeitalter. Neuere Datierungen setzen die Eruption auf etwa 13.000 Jahre vor heute. Eine besonders präzise Untersuchung anhand verschütteter Bäume datierte sie auf 13.006 Jahre vor 1950, mit einer Unsicherheit von neun Jahren.

Der Ausbruch erreichte nach gängiger Einstufung einen Wert von 6 auf dem Vulkanexplosivitätsindex. Große Mengen Bims, Asche und pyroklastisches Material wurden ausgestoßen. Ablagerungen finden sich nicht nur in der Eifel und im Rheintal. Spuren der Laacher See Tephra wurden über weite Teile Europas nachgewiesen, darunter in Frankreich, Norditalien und Skandinavien.

Die Hauptphase dauerte vermutlich nur wenige Tage. Sie formte die Landschaft rund um den heutigen See grundlegend.

Dieser gewaltige historische Ausbruch ist jedoch kein Maßstab dafür, wie eine mögliche künftige vulkanische Aktivität in der Eifel aussehen müsste. Die Region besteht aus einem weitläufigen Vulkanfeld mit zahlreichen ehemaligen Eruptionszentren. Viele Vulkane solcher Felder brechen nur einmal an derselben Stelle aus.

Die aktuellen Messungen zeigen deshalb vor allem eines: Tief unter der Osteifel gibt es weiterhin dynamische Prozesse. Seismische Signale, aufsteigende Fluide und Gasaustritte lassen sich heute immer genauer erfassen. Eine Prognose für einen neuen Ausbruch liefern sie bislang nicht.

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