Deutsche-Bank-Chef Sewing erhöht Druck auf die Bundesregierung

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing drängt auf schnellere wirtschaftspolitische Reformen und stellt zugleich Teile der staatlichen Ausgabenpolitik infrage. In einem am Samstagabend, 10. Oktober 2026, bekannt gewordenen Interviewauszug kritisiert er den aktuellen Tankrabatt der Bundesregierung. Der Vorstandsvorsitzende hält die Kosten der Maßnahme angesichts der angespannten Staatsfinanzen für zu hoch und fordert eine grundsätzliche Überprüfung bestehender Subventionen. Damit verschärft sich die wirtschaftspolitische Debatte über den richtigen Weg zu dauerhaftem Wachstum in Deutschland.

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Christian Sewing kritisiert Kosten des Tankrabatts

Auslöser der aktuellen Diskussion sind Äußerungen Sewings gegenüber der „Bild am Sonntag“. Nach einem Vorabbericht der Nachrichtenagentur dts bezweifelt der Bankchef, dass die derzeitige Entlastung an den Tankstellen langfristig eine geeignete Antwort auf die hohen Energiepreise darstellt.

Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die finanziellen Belastungen für den Staat. Angesichts der angespannten Haushaltslage könne die Bundesregierung zusätzliche Ausgaben nicht unbegrenzt ausweiten. Außerdem rechnet Sewing nicht damit, dass sich die Konflikte im Nahen Osten und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen kurzfristig erledigen.

Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt angesichts der gestiegenen Kraftstoffpreise beschlossen. Seit dem 1. Oktober 2026 ist die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter gesenkt. Einschließlich der Umsatzsteuer ergibt sich eine mögliche Entlastung von ungefähr 17 Cent je Liter. Die Regelung gilt bis zum Jahresende.

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Nach Angaben der Bundesregierung beträgt das gesamte Entlastungsvolumen rund 2,5 Milliarden Euro. Bund und Länder tragen die finanziellen Auswirkungen gemeinsam. Die Koalition begründet die Maßnahme mit den Belastungen für private Haushalte und Unternehmen durch die hohen Kraftstoffpreise.

Bankchef fordert Überprüfung staatlicher Subventionen

Sewings Kritik geht über die aktuelle Spritpreisentlastung hinaus. In dem am Samstag veröffentlichten Interviewauszug spricht er sich dafür aus, bestehende staatliche Fördermaßnahmen grundsätzlich zu überprüfen.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Ausgaben der Staat künftig finanzieren kann und welche wirtschaftspolitischen Prioritäten gesetzt werden müssen. Welche einzelnen Subventionen Sewing abschaffen oder reduzieren möchte, geht aus den bislang veröffentlichten Interviewpassagen nicht hervor.

Seine Forderung fügt sich in eine wirtschaftspolitische Position ein, die der Deutsche-Bank-Chef bereits mehrfach öffentlich vertreten hat. Danach reichen zusätzliche staatliche Investitionen allein nicht aus, um das Wachstum dauerhaft zu stärken. Vielmehr müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden.

Die Diskussion betrifft damit nicht nur die Höhe öffentlicher Ausgaben, sondern auch deren langfristige Wirkung. Während kurzfristige Entlastungen die finanziellen Belastungen von Haushalten und Betrieben abfedern sollen, zielen strukturelle Reformen auf eine nachhaltige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

Tankrabatt kommt bislang nicht vollständig bei Autofahrern an

Die Kritik am Tankrabatt wird von einer aktuellen Untersuchung des Münchner ifo Instituts begleitet. Nach Berechnungen vom 7. Oktober wurde die steuerliche Entlastung in den ersten fünf Tagen nach ihrer Einführung nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben.

Beim Diesel kamen demnach durchschnittlich etwa 15 Cent je Liter an den Tankstellen an. Für Superbenzin E5 ermittelte das Institut eine Weitergabe von gut 16 Cent, für Super E10 von ungefähr 15 Cent.

Die Wissenschaftler kritisieren zudem, dass die Maßnahme Haushalte mit geringem Einkommen nicht besonders zielgerichtet unterstützt. Wer wenig Auto fährt oder nur einen geringen Kraftstoffverbrauch hat, profitiert entsprechend weniger von der allgemeinen Steuersenkung.

Die Bundesregierung verweist dagegen auf die schnelle finanzielle Entlastung von Pendlern, Familien und Unternehmen. Für sie ist der Tankrabatt eine zeitlich begrenzte Reaktion auf die Auswirkungen des Nahostkonflikts.

Sewing verlangt schnellere Umsetzung wirtschaftlicher Reformen

Unabhängig von der aktuellen Debatte über die Spritpreise fordert Christian Sewing seit Monaten eine konsequentere Reformpolitik. Anfang September hatte er beim Banken-Gipfel des Handelsblatts in Frankfurt die Bundesregierung dazu aufgefordert, bereits angekündigte Maßnahmen tatsächlich umzusetzen.

Er warnte damals davor, beschlossene oder angekündigte Veränderungen wieder infrage zu stellen. Notwendig seien anschließend weitere Reformschritte.

Auch bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsinitiative „Made for Germany“ Ende September trat Sewing gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Siemens-Chef Roland Busch auf. Dort forderte er, die angekündigten Reformen durchzusetzen und zusätzliche Veränderungen einzuleiten.

Beim Deutschland-Gipfel von Handelsblatt und WirtschaftsWoche am 7. Oktober in Berlin sprach sich der Bankchef außerdem für einen stärkeren europäischen Binnenmarkt aus. Deutschland müsse seine wirtschaftliche Rolle innerhalb Europas und im internationalen Wettbewerb festigen.

Zu den Reformfeldern, die Sewing bereits bei früheren Auftritten hervorgehoben hatte, gehören flexiblere Arbeitsmarktregeln, Veränderungen der sozialen Sicherungssysteme und steuerliche Entlastungen für Unternehmen.

Bundesregierung erwartet 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum

Die Bundesregierung verweist unterdessen auf eine verbesserte wirtschaftliche Entwicklung. In ihrer am 9. Oktober veröffentlichten Darstellung der Wirtschaftsreformen geht sie für 2026 inzwischen von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent aus.

Zu den bereits beschlossenen Maßnahmen gehören steuerliche Investitionsanreize, Entlastungen bei Energiekosten und zusätzliche Mittel für die Infrastruktur. Außerdem soll die Körperschaftsteuer ab 2028 schrittweise sinken.

Gleichzeitig räumt die Bundesregierung ein, dass ein dauerhaft tragfähiger Wirtschaftsaufschwung weitere strukturelle Veränderungen voraussetzt. Besonders Bürokratieabbau, Digitalisierung, Investitionen und die Modernisierung des Arbeitsmarkts stehen dabei im Mittelpunkt.

Zwischen Regierung und Wirtschaft bestehen somit nicht ausschließlich Unterschiede bei den Reformzielen. Entscheidend ist auch die Geschwindigkeit, mit der Maßnahmen umgesetzt werden, und die Frage, welche wirtschaftspolitischen Schwerpunkte zuerst angegangen werden.

Europas Wettbewerbsfähigkeit bleibt eine zentrale Herausforderung

Sewings Reformforderungen betreffen auch die internationale Stellung Deutschlands. Die Bundesrepublik steht als exportorientierte Volkswirtschaft unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Unternehmen müssen sich unter anderem gegenüber Konkurrenten aus den USA und China behaupten.

Auch die Bundesregierung nennt geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortprobleme als Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Deshalb verfolgt sie das Ziel, Investitionen zu erleichtern und den europäischen Binnenmarkt zu stärken.

Sewing betrachtet eine engere europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit als wichtigen Bestandteil einer langfristigen Wachstumsstrategie. Ein stärker integrierter Binnenmarkt könnte Unternehmen größere Absatzmöglichkeiten und einen besseren Zugang zu Kapital eröffnen.

Mit seiner aktuellen Kritik am Tankrabatt macht der Deutsche-Bank-Chef zugleich deutlich, dass er die Verwendung staatlicher Mittel stärker hinterfragt sehen möchte. Seine wirtschaftspolitische Botschaft bleibt dabei erkennbar: Deutschland soll Reformen nicht nur ankündigen, sondern schneller verwirklichen und die Voraussetzungen für langfristiges Wachstum verbessern.

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